Hat man sich früher noch einen Aftermarket-Grill mit vier Scheinwerfern vors Auto geklemmt, braucht es heutzutage zur Individualität gleich eine ganze Baureihe. So wie zum Beispiel den X2 von BMW, der sich seit Ende 2017 über 380.000 Mal verkauft hat. Jetzt geht der Popper-Bruder des X1 in die zweite Runde und setzt auf deutlich mehr Eigenständigkeit.

Was ist das?

Mit Blick auf den neuen X2 kann BMW kaum an sich halten. Zitat des bajuwarischen Überschwangs: "Mit seinem extrovertierten Auftritt steht der neue BMW X2 für einen authentischen Einstieg in die Welt der Sports Activity Coupés der Marke. Als jüngstes und zugleich besonders emotionsstarkes Mitglied der Familie der BMW X Modelle verkörpert er einen jugendlich-progressiven Lifestyle."

Bildergalerie: BMW X2 M35i xDrive (2024) im Test

Oder man ist wie Kollege Reinhold, der zur humorlosen Briegel-Gedächtnisgrätsche ausholte: "Ich hielt es erst für einen neuen Peugeot, ehe ich die Niere sah." Nun ja. In der Tat erinnert der X2 am Heck etwas an den VW T-Roc, während die Verwandtschaft zum X1 bis zur A-Säule sichtbar ist. Die nackten Zahlen jedenfalls zeigen, dass der neue X2 nicht nur optisch deutlich in Richtung X4 gewandert ist. 

Gegenüber seinem Vorgänger wächst er um 19,4 Zentimeter auf stramme 4,55 Meter. Damit ist er auch 5,5 Zentimeter länger als der X1, mit dem er sich natürlich die Plattform teilt. Der Radstand des neuen X2 liegt nun bei 2,70 Meter (plus 22 Millimeter). 21 Millimeter breiter (1,85 Meter) und 64 Millimeter höher (1,59 Meter) ist er obendrein.

BMW X2 M35i xDrive (2024) im Test

BMW verspricht auf allen Plätzen mehr Schulter- und Ellenbogenfreiheit. Der Knieraum im Fond wächst um 25 Millimeter. Das Kofferraumvolumen beträgt nun 560 bis 1.470 Liter. Beim elektrischen iX2 sind es 525 bis 1.400 Liter. Optional ist eine elektrische ein- und ausfahrende Anhängerkupplung zu haben. Die Anhängelast beträgt bis zu 1.800 Kilogramm (iX2: 1.200 Kilogramm).

So weit, so gut. Wie sieht es in der Praxis aus? Besser als angesichts der Formgebung erwartet. Okay, beim Einstieg hinten muss man den Kopf einziehen, aber im Fond ist das Platzangebot wirklich gut. Noch geräumiger ist das Gepäckabteil, die Sicht nach hinten ist hingegen bescheiden. 

BMW X2 M35i xDrive (2024) im Test
BMW X2 M35i xDrive (2024) im Test
BMW X2 M35i xDrive (2024) im Test

Vorne nimmt man auf sehr bequemen Sportsitzen Platz, viel bessere Möbel als im technischen verwandten neuen Mini JCW Countryman. Alles weitere atmet (abgesehen vom M-Zierrat wie der 12-Uhr-Markierung im Lenkrad und Alcantara) den Geist des X1, der gemeinsam mit dem X2 in Regensburg gebaut wird. Bedeutet: Das große Curved Display, aber leider den Verzicht auf den klassischen Dreh-Drück-Steller. Gewöhnungsbedürftig und aus unserer Sicht nicht der Weisheit letzter Schluss. Ohne Fehl und Tadel sind die gute Verarbeitung und die hochwertigen Materialien.

Wie fährt er sich?

Auch als Topmodell ist im X2 M35i xDrive natürlich nix mit Sechszylinder, hier arbeitet ein 2,0-Liter-Vierzylinder unter der Haube. Er leistet 300 PS und 400 Nm. Der 35er erhält dazu ein mechanisches Sperrdifferenzial, ein adaptives M-Fahrwerk und größere Bremsen. Optional sind bis zu 21 Zoll große Räder lieferbar.

Los geht es übrigens mit Frontantrieb und 150 PS (18d) oder 170 PS (20i), der 20d bietet 163 PS, Mildhybrid und Allrad. Wer lieber stromert, bekommt den iX2 in zwei Ausführungen.

BMW X2 M35i xDrive (2024) im Test

Doch hier und heute kümmern wir uns um den X2 M35i, seines Zeichens Cousin des fahrdynamisch nur mäßigen neuen Mini JCW Countryman. Macht es der BMW besser? In jedem Fall gefällt sein Auftritt: Vier Endrohre plus Heckspoiler, aber nicht zu krawallig. Dafür muss man schon Grün wählen, genauer gesagt die Lackfarbe "Frozen Tampa Bay Green".

In 5,4 Sekunden soll der Chef-X2 auf Tempo 100 beschleunigen. Das nehmen wir ihm durchaus ab, nur fühlt sich der Turbomotor nicht so recht nach 300 PS an. Den Grund liefert das Datenblatt: Der M35i wiegt fast 1,8 Tonnen. In den USA und weiteren ausgewählten Märkten darf er übrigens 317 PS haben.

Die 300er-Maschine agiert jedenfalls im Normal-Modus bei Tempo 130 bemerkenswert leise. Wer aber auf M-Gedanken kommen möchte, muss den Sport-Modus samt S-Stellung der Automatik wählen. Erst dann wirkt der X2 M35i deutlich verbindlicher, kräftiger und direkter. Erkauft wird das aber mit einem präsenten Motorgeräusch. Gut gelungen ist die Abstimmung des Fahrwerks: Straff, aber noch im Rahmen des Erträglichen.

Was kostet er?

Der BMW X2 M35i xDrive kostet in Deutschland mindestens 63.800 Euro. Ohne Extras. Da kann man schon ins Grübeln kommen. Wer die Optik des neuen X2 mag, ist mit den zivilen Ausführungen wohl besser und preiswerter bedient. Wer 64.000 Euro hat und sportlich auf den Putz hauen will, sollte vielleicht eher ein M240i Coupé mit 374 PS ab 58.100 Euro ins Visier nehmen.

Fazit: 8/10

Ja, man muss die Optik mögen. Vierzylinder auch, SUVs sowieso. Und etwas auf der hohen Kante haben. in jedem Fall nötigt es Respekt ab, wie vielseitig BMW den nicht gerade leichten neuen X2 M35i hinbekommen hat. Hier wird mehr gegokartelt als bei Mini ... 

BMW X2 M35i xDrive (2024)

Motor Vierzylinder-Turbobenziner, 1.998 ccm
Leistung 221 kW (300 PS) bei 5.750 - 6.500 U/min
Antrieb Allrad
Getriebeart 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Max. Drehmoment 400 Nm bei 2.000 - 4.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 5,4 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
Länge 4.567 mm
Breite 1.845 mm
Höhe 1.575 mm
Kofferraumvolumen 560 - 1.470 Liter
Leergewicht 1.770 kg
Zuladung 500 kg
Verbrauch 7,9 Liter/100 km (WLTP)
Emission 178 g CO2/km (WLTP)
Basispreis 63.800 Euro