Ingolstadts "Warm Hatch" hat auch eine verspielte Seite

Was ist das?

Audis Antwort auf den Mercedes-AMG A 35 und den BMW M135i, wenn man so will. Kompaktes Schrägheck, Zweiliter-Vierzylinder, knapp über 300 PS, Allrad, Automatik. Allerdings wählen die Ingolstädter einmal mehr den etwas undramatischeren Weg. In puncto Optik und was die Fahrauslegung betrifft. 

Der S3 soll schnell und dynamisch, aber immer bequem und alltagstauglich sein. Auf ein extremes Setup verzichtet er traditionell genauso wie auf wilde Spoilerorgien. Manche mögen das als etwas fad abtun, aber dem S3 ist das ziemlich egal. Er sieht sich als zügiger Allrounder, nicht als puristisches Sportgerät.

Wobei die inzwischen vierte Generation beim Design deutlich offensiver zu Werke geht als ihre doch sehr braven Vorgänger. Vor allem die kantige Front mit den mächtigen Lufteinlässen und dem schwarzen Wabengrill dürfte das Überhol-Prestige in neue Höhen schrauben. 

Technisch setzt der S3 weitgehend auf Bewährtes. Serienmäßig ist ein Sportfahrwerk mit 15 mm Tieferlegung an Bord. Optional gibt es Adaptiv-Dämpfer, in die beim Neuen etwas mehr Hirnschmalz einfloss. Elektromagnetisch betätigte Ventile regeln nun den Öldurchfluss, die Spreizung zwischen Komfort und Dynamik soll größer sein.

Audi S3 Sportback (2020) im Test

Der Quattro-Allrad ist eine modifizierte Variante aus dem aktuellen TT. Er überträgt höhere Kräfte als bisher. Audi spricht zwar von einer vollvariablen Kraftverteilung, aber im Normalfall bleibt es dabei, dass maximal 50 Prozent an die Hinterachse gehen. 

Außerdem hat man die Regelung aller Fahrdynamik-Systeme zentralisiert. Bisher gab es für Allrad, ESP, Lenkung, Dämpfer und radselektive Momentensteuerung (agilisierende Bremseingriffe als Sperrdifferenzial-Ersatz) eigene Regler. Nun melden alle Systeme direkt an ein zentrales Steuergerät. Das soll die Umsetzung der Fahrer-Inputs schneller und feinfühliger machen. Das Auto soll dadurch agiler und leichtfüßiger wirken.

Und, hat's was gebracht? Wie fährt er?

Mit einem neuen S3 verhält es sich ganz ähnlich wie - sagen wir - mit einer Neuauflage des Golf GTI. Im Prinzip weiß man, wie sich das Auto bewegen wird, bevor man auch nur einen Meter gefahren ist. Im Großen und Ganzen ist das auch hier wieder der Fall. Allerdings gibt es einen unerwarteten Twist, der dem Fahrzeug wirklich gut zu Gesicht steht. Aber alles der Reihe nach. 

Bereits beim Prototypen-Predrive Anfang Februar fiel auf, wie hochwertig, satt und angenehm der S3 mit den Verstell-Dämpfern federt. Selbst im Dynamik-Modus markiert er nie den Harten. Trotzdem hat er seine Karosseriebewegungen im Griff, wirkt auch bei schnellen Lastwechseln flach, kompakt und unbeeindruckt.

"Anders als bisher lässt sich das Auto zudem sehr leicht dazu überreden, sein Heck ins Spiel zu bringen, um die Kurvenlinie zu schärfen."

Die Geschwindigkeit, mit der der S3 scheinbar mühelos und völlig unangestrengt überland brettert, ist einmal mehr bemerkenswert. Dieses lockere aus dem Ärmel Schütteln ist aber wie so oft mit einer gewissen Abkopplung vom Zentrum des Geschehens verbunden. Besonders gefühlvoll, mitteilsam oder involvierend fühlt sich diese Art des Autofahrens zumindest nicht an. 

Die Lenkung ist relativ leichtgängig und zweifelsfrei sehr präzise, funkt aber kaum Infos von der Asphalt-Front durch ihren erstaunlich runden Kranz. Außerdem wird sie bei stärkerem Einlenken hart und eckig, was die Künstlichkeit noch verstärkt. So weit, so vorhersehbar, möchte man meinen.

Allerdings ist das nicht die ganze Wahrheit, denn der S3 zeigt unter Druck eine ganz andere, neue Seite von sich, die ich ihm so ehrlich gesagt gar nicht zugetraut hätte. Untersteuern ist tatsächlich kein Thema mehr. Das kriegt man mit der MQB-Evo-Plattform (unter anderem auch im Golf, Skoda Octavia und Seat Leon) inzwischen einfach richtig gut hin. 

Anders als bisher lässt sich das Auto zudem sehr leicht dazu überreden, sein Heck ins Spiel zu bringen, um die Kurvenlinie zu schärfen. Und das erfreulicherweise nicht erst bei völlig verantwortungslosen Geschwindigkeiten.

Audi S3 Sportback (2020) im Test

Einen leichten Eindrehimpuls merkt man dem Heck in schneller gefahrenen Ecken bereits unter Zug an. Nun kann man den Wagen aber auch recht mühelos zum Übersteuern bringen, wenn man in der Kurve kurz das Gas lupft. 

Keine Sorge, auch dieser S3 lebt hauptsächlich von seiner immensen Allrad-Traktion, aber wer ihn auch mal etwas sportlicher bewegen möchte, erlebt keine Bevormundung oder restriktives Glattgebügle, sondern eine fahraktive und lebendige Grundauslegung. Zumindest war das bei meinem Presse-Testwagen der Fall. Schön.

Klingt gut. Wie ist der Motor?

Man kennt diesen Turbo-Benziner inzwischen aus derart vielen Applikationen, dass man eigentlich gar nichts mehr zu ihm sagen muss. Im neuen S3 leistet er mal wieder 310 PS. Das Drehmoment liegt bei 400 Nm. In der neuesten von gefühlt 863 Ausbaustufen hat Audi den Einspritzdruck von 250 auf 350 bar erhöht. Außerdem wurde der Ladedruck auf relative 1,8 bar angehoben. Von 0-100 km/h geht es in 4,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch bei 250 Sachen begrenzt. 

Ich würde Ihnen gerne mal wieder etwas Neues erzählen, aber dieses Aggregat tut nach wie vor, was dieses Aggregat halt so tut. Sprich: Von ganz unten raus wirkt es eher schläfrig, plagt sich ein wenig mit der Gasannahme herum. Im Dynamic-Modus und/oder wenn man die Schaltpaddles selber in die Hand nimmt, verändert sich dieses Verhalten zum Besseren. Eine grundsätzliche Anfahrschwäche ist aber definitiv nicht von der Hand zu weisen.

Ist der Turbo dann mal fertig mit dem Stretching, geht es aber sehr sehr wuchtig und zügig nach vorne. Das passiert gleichmäßig druckvoll und schön homogen bis über 6.000 Touren. 

Das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe schaltet sehr sauber und gewohnt schnell. Zumindest für den normalen Straßeneinsatz passt das echt gut, auch wenn die kleinen Plastik-Schaltpaddles richtig nerven. Da könnte man wirklich mal eine hochwertigere Lösung anstreben. 

Klanglich lässt der S3 seine Sportsongs vornehmlich über einen etwas künstlich trällernden Verstärker ans Fahrer-Ohr. Auch daran hat man sich mittlerweile gewöhnt. Ist halt so. Immerhin sind die vier Endrohre in diesem Fall keine Blender. Sie werden alle auch wirklich durchströmt.

Wie ist er innen?

Mir persönlich gefällt das Interieur des neuen A3 mit all den Kanten und den hexagonalen Lüftungsdüsen richtig gut. Schön auch, dass man bei der Bedienung von Klima und Infotainment nicht komplett auf richtige Knöpfe verzichtet hat. So geht die Steuerung wesentlich intuitiver von der Hand als beim Golf 8. 

Das optionale 12,3-Zoll-Virtual Cockpit (Standard ist ein digitales Instrumentendisplay mit 10,25 Zoll) erscheint noch immer wie das Maß der Dinge. Auch weil es verschiedene Möglichkeiten gibt, die Anzeigen explizit für sportliches Fahren einzurichten, etwa mit zentralem Drehzahlmesser und großer Ganganzeige.

Audi S3 Sportback (2020) im Test
Audi S3 Sportback (2020) im Test
Audi S3 Sportback (2020) im Test

Die Sitzposition ist ziemlich auf den Punkt, die Sitze selbst machen einen guten Eindruck. Außerdem sind ihre Bezüge aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Ein besseres Gewissen beim Platz nehmen werden Sie nie wieder haben. Der Raum im Fond geht in Ordnung, der Kofferraum ist mit 325 bis 1.145 Liter jedoch relativ klein.

Soll ich ihn kaufen?

Der neue Audi S3 wirkt wieder sehr homogen. In seiner Art, Sportlichkeit zu vermitteln, ist er eher zurückhaltend und subtil. Schnell ja, ohne jeden Zweifel, aber ohne großes Drama. Das erscheint auf den ersten Blick sicher ein wenig unemotional und abgebrüht. Aber wenn man ein wenig tiefer schürft, entdeckt man, dass Audi seinen jüngsten Kompaktsportler überraschend verspielt abgestimmt hat. Das kann sich aus Fahrspaß-Sicht am und ums Limit herum schon sehen lassen. 

Der Rest des Autos offenbart das Level an Feinschliff, das man aus Ingolstadt erwartet. All das hat wie immer seinen Preis. Mindestens 46.303 Euro sind eine Stange Geld. Dass der AMG A 35 und der BMW M135i nochmal gut 1.500 beziehungsweise 2.000 Euro teurer sind, ist da nur ein schwacher Trost. Falls Sie eher auf Stufenhecks stehen: Den S3 gibt es vom Marktstart im Oktober weg auch als Limousine. Hier beginnen die Preise bei 47.180 Euro. 

Fazit: 7/10

+ sehr mühelos sehr schnell zu fahren

+ überraschend lebendige Chassis-Balance

+ hoher Fahrkomfort

+ hochwertige Qualität und Bedienung

 

- gefühllose Lenkung

- hoher Grundpreis

 

Bildergalerie: Audi S3 Sportback (2020) im Test

Audi A3

Motor Vierzylinder-Turbo-Benziner; 1.984 ccm
Getriebeart 7-Gang-Doppelkupplung
Antrieb Allradantrieb
Leistung 228 kW (310 PS) bei 5450 - 6500 U/min
Max. Drehmoment 400 Nm bei 2.000 - 5.450 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 4,8 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (elektronisch begrenzt)
Leergewicht 1.575 kg
Zuladung 520 kg
Kofferraumvolumen 325 - 1.145 Liter
Verbrauch Normverbrauch: 7,4 Liter
Emission 170 g/km CO2
Basispreis 46.303 Euro