Zehn Zylinder für ein Halleluja!

„Der R8 nimmt in jeder Hinsicht eine Sonderstellung für Audi ein,“ sagt Michael-Julius Renz, Geschäftsführer der Audi Sport GmbH. „Jetzt ist er noch stärker und schneller.“ Freunde des gepflegten Leistungshungers wird das freuen. Aber hat der schon bislang ziemlich gute Super-Audi eine Modellpflege nötig? In Neckarsulm, wo alles was vier Ringe und ein R oder S am Heck hat, konzipiert wird, war man dieser Meinung.

Was ist neu beim Audi R8?

Sehen wir uns also genauer an, wo die Mannschaft von Audi Sport gefeilt hat. Der Singleframe-Grill ist breiter und flacher gezeichnet. Starke Stege teilen die großen Lufteinlässe. Flache Schlitze in der Fronthaube erinnern an die Marken-Ikone Sport quattro (und kurioserweise auch an den neuen A1). Neu ist ein breiterer Frontsplitter ist breiter, hinzu kommt ein markantes Luftauslassgitter am Heck, das der weit nach oben gezogene Díffusor nach unten abschließt. Garniert wird der R8-Hintern von noch fetteren Oval-Endrohren. Insgesamt soll die Breite betont werden, die Abmessungen bleiben aber gleich.

Im Motorraum liegt der Luftfilter unter einer neuen, dreiteiligen Abdeckung – wahlweise in Kunststoff oder Carbon. R8-Kunden können aus bis zu je nach Motorisierung unter drei Exterieurpaketen wählen, die am Frontsplitter, den Schwellerleisten und am Diffusor unterschiedliche Akzente setzen. Auf Wunsch sind die Audi-Logos im Exterieur in hochglänzendem Schwarz lackiert. Als neue Farben ergänzen die Metallic-Töne Kemoragrau und Ascariblau das Angebot.

Gibt es auch mehr Leistung?

Klingt bis hierhin fast so lifestylig wie ein Audi Q2, finden sie nicht auch? Zum Glück hat man im Neckarsulmer Fitnessstudio auch ins Herz des R8 investiert: Der glorreiche V10 bekommt im Standard-R8 30 PS und 20 Newtonmeter mehr und kommt fortan auf 570 PS und 560 Nm Drehmoment. Beim R8 V10 Performance müssen Sie sich 10 und 20 merken: 620 PS und 580 Newtonmeter Drehmoment lautet hier das Resultat der Leistungsspritze. Damit zieht der überarbeitete R8 auf Augenhöhe mit seinem technischen Bruder, dem Lamborghini Huracán. Einzig der Huracán Performance wahrt mit 640 PS noch etwas Vorsprung.

Modifikationen am Fahrwerk des R8 sollen laut Audi für noch mehr Stabilität und Präzision sorgen. Sowohl bei der optionalen Dynamiklenkung als auch bei der elektromechanischen Servolenkung ist die Unterstützung neu abgestimmt.

Und wie fährt er sich?

Ist der Audi R8 des Jahrgangs 2019 (Marktstart ist Anfang des Jahres) also um Längen besser? Nun, hierfür müsste man ihn direkt mit dem Vorfacelift-Modell vergleichen, welches uns aber nicht zur Verfügung stand.

Kein großes Drama, denn der aufgefrischte R8 fasziniert bereits für sich alleine mehr als genug. Die Rennstrecke im spanischen Ascari liefert die passende Umgebung, um es im Dynamic-Modus richtig fliegen zu lassen. (Je nach gewählter Motorisierung kommen zum Performance-Modus die drei zusätzlichen Programme dry, wet und snow hinzu.)

Untermalt vom herrlichen Klang des Zehnzylinders jagt der R8 Performance in nur 3,1 Sekunden auf 100 km/h. Während hinter mir ein akustisches Inferno zwischen altem Rallye Quattro und sehr böser Hummel tobt, muss ich daran denken, was Walter Röhrl einst über sein Audi-Arbeitsgerät sagte: Dieses Auto beschleunigt schneller, als du denken kannst.

"Spätestens aber, wenn er mit dem Hintern zuckt, ist eine professionelle Hand ratsam."

Beinahe im Zeitraffer kommen die Kurven von Ascari in mein Blickfeld, zum Glück wurde der Bremsweg des R8 um bis zu fünf Meter verringert. Im direkten Vergleich zeigt sich die unglaubliche Präzision der optionalen Dynamiklenkung. Lassen Sie es mich so formulieren: Sie ist das Skalpell, die normale Lenkung ein sehr gutes Santoku-Küchenmesser. Wer sich mit seinem R8 öfters auf einer Rennstrecke bewegt oder ein Faible für Alpenpässe hegt, sollte die Dynamiklenkung unbedingt ordern. Einen Aspekt kann Sie aber auch nicht ausblenden: Extrem leicht ist der R8 nicht. Knapp 1,7 Tonnen drängen beim Herausbeschleunigen in Richtung des äußeren Kurvenausgangs. Trotzdem bleibt der R8 die meiste Zeit gut beherrschbar. Spätestens aber, wenn er mit dem Hintern zuckt, ist eine professionelle Hand ratsam. Im Grenzbereich wird der R8 durch seinen Mittelmotor zum Rodeopferd und wirft dich schneller ab, als du „Zehnzylinder“ sagen kannst.

„Mit rund 50 Prozent Gleichteilen zum R8 LMS GT3 und sogar 60 Prozent zum R8 LMS GT4 ist kein anderes Auto so nah am Rennsport wie der R8“, meint Oliver Hoffmann, Technischer Geschäftsführer der Audi Sport GmbH. Mission erfüllt, kann man da nur hinzufügen.

Fazit: 9 von 10

Nahe am Grenzbereich ist der überarbeitete Audi R8 fordernd und faszinierend zugleich. Angesichts der zusätzlichen PS ist es jetzt nur noch eine Frage der Optik und des Preises, ob man sich für den R8 oder den Lamborghini Huracán entscheidet.

Bildergalerie: Audi R8 (2019) im Test