Test: Was taugen A3, 1er und C30 mit Benzinmotoren um die 170 PS?

Golfklasse ist nicht gleich Golfklasse. Gerade in dem beliebtesten aller Fahrzeugsegmente ist Differenzierung Trumpf, denn sonst geht ein Modell schnell in der Vielfalt der angebotenen Autos unter. Wir haben uns für unseren Vergleichstest Premium-Kompakte von Audi, BMW und Volvo herausgesucht und sie mit starken Benzinern für Sie gefahren.

MOTOR / GETRIEBE
Was bedeutet Premium in der Kompaktklasse? Nun, zumindest möchte man ordentlich motorisiert sein. Ist der VW Golf in der Basisversion nur 80 PS stark, so muss es bei unseren drei Modellen etwas mehr sein. Beim Audi A3 sind 102 PS das Minimum, beim BMW 1er 122 PS und beim Volvo C30 100 PS. Wir fuhren stärkere Motoren: Der 120i und der C30 2.4i haben jeweils 170 PS, der Audi A3 1.8 TFSI besitzt 160 PS. Trotz der fast gleichen Leistung zeigen sich hier große Unterschiede. Der A3 ist mit Abstand das Aggregat, das am meisten Fahrspaß vermittelt. Grund: Der Audi besitzt als Einziger einen Turbo, und der führt zu einer sehr schwungvollen Charakteristik.

Audi-Turbo macht viel Spaß
Mit 250 Newtonmeter ist hier das Drehmoment am größten. Aber vor allem liegt es schon bei nur 1.500 U/min an und bleibt bis 4.200 Touren erhalten. Bei den anderen beiden Motoren muss man bis über 4.000 Touren drehen, um das Maximaldrehmoment zu fühlen. In der Praxis bedeutet das: Der Audi-Motor fährt sich um Klassen besser als die Aggregate der anderen beiden Autos. Man sieht hier wieder mal: Leistungswerte oder Sprintdaten sagen oft gar nichts darüber aus, wie sich ein Auto fährt. Und: Hubraum ist durchaus zu ersetzen – durch einen Turbo zum Beispiel. Denn der Audi hat mit 1,8 Liter den kleinsten Zylinderinhalt. Der BMW hat 2,0 Liter Hubraum, und der C30 gar 2,4 Liter.

Volvo-Fünfzylinder mit schönem Sound
Der große Hubraum des Volvo teilt sich auf fünf Zylinder auf. Das mag wohl auch der Grund dafür sein, dass das Schweden-Aggregat den besten Sound hat. Denn Motoren mit ungerader Zylinderanzahl haben oft einen etwas rauen, sportlichen Klang. Ein Fünfzylinder, ein Turbo-Vierzylinder und ein nicht aufgeladener Vierzylinder also: Wer mag sich da beim Spritverbrauch am besten schlagen? Laut Herstellerangabe ist es der ganz normale Vierzylinder von BMW, der mit 6,4 Liter Sprit auf 100 Kilometer angegeben wird. Der Audi ist mit 7,2 Liter nicht ganz so sparsam, und der Volvo braucht gleich 8,4 Liter. In der Praxis waren die Unterschiede wesentlich geringer. Hier schwankten die Verbräuche nur zwischen 9,0 und 9,8 Liter, wobei der Volvo am wenigsten, der BMW am meisten Sprit benötigte.

BMW mit speziellem Spritsparsystem
Hier hatten wir ein anderes Ergebnis erwartet. Denn der 1er verfügt über ein besonders ausgefuchstes Spritsparsystem mit Start-Stopp-Automatik, Brems­energie-Rückgewinnung und noch ein paar Feinheiten. Das automatische Motor-Abschalten an der Ampel funktioniert problemlos. Sobald man den Gang wieder einlegt, springt der Motor wieder an. Schneller kommt man auch mit einem Auto ohne Start-Stopp-System nicht weg.

5 oder 6 Gänge, Front- oder Hecktriebler
Apropos Schaltung: Der 120i und der A3 1.8 TFSI verfügen über Sechsgang-Schaltungen, der Volvo muss mit einem Gang weniger auskommen. Dazu hakelt das Getriebe des Schweden-Autos ein wenig. Alle drei Fahrzeuge gibt es auf Wunsch auch mit einem Getriebe für Schaltfaule. Beim Audi wird das Doppelkupplungsgetriebe S-tronic angeboten. BMW baut auf Wunsch eine Sechgang-Automatik ein, Volvo eine Automatik mit fünf Stufen. Auch beim Antrieb gibt es Unterschiede: Der 120i setzt als einziges Modell auf den BMW-typischen Heckantrieb, während die anderen beiden Autos Fronttriebler sind. Traktionsunterschiede oder Einflüsse auf die Lenkung konnten wir nicht feststellen. Da wir die Autos nicht bei Glätte testen konnten, müssen wir uns hier eines endgültigen Urteils enthalten. Gefühlsmäßig trauen wir den Fronttrieblern bei Eis und Schnee mehr zu. Unser Fazit, was Motor und Antrieb angeht: Der Audi ist klar am besten – der ist wirklich Premium.

FAHRWERK / LENKUNG
Was bietet ein Premiumauto in puncto Fahrwerk? Schon der VW Golf, den wir wegen seines günstigeren Preises nicht zur Nobelkategorie rechnen, besitzt eine aufwendige Mehrlenker-Hinterachse. Können Audi & Co da noch eins draufsetzen? Aus unserer Sicht nichts Wesentliches. Alle drei Testkandidaten haben eine Mehrlenker-Hinterachse, liegen also auf Golf-Niveau, aber auch nicht mehr. Gut, bei unserem BMW machte das Kurvenfahren schon Spaß, das müssen wir zugeben. Aber für uns wäre das allein kein Grund, mehr Geld hinzublättern.

Harter Audi, komfortabler Volvo
Am härtesten ausgelegt ist der Audi. Empfindliche Naturen werden sich vielleicht bei unebenem Fahrbahnbelag ab und zu über die spürbaren Erschütterungen mokieren. Dafür bleibt die Seitenneigung in stürmisch angegangenen Kurven gering. Etwas weniger sportlich ist das BMW-Fahrwerk, und der Volvo wirkt deutlich komfortabler – aber eben auch traniger – als die beiden deutschen Autos. Was die Lenkung angeht, haben wir bei keinem der drei Vergleichskandidaten schlimme Fehler feststellen müssen. Alles in allem sind Fahrwerk und Lenkung für uns kein Grund, einen Premium-Kompakten zu kaufen. So viel besser als ein normaler Golf – oder noch günstigere Kompakte wie etwa der Kia Cee'd – sind unsere Testautos in dieser Testkategorie nämlich nicht.

KAROSSERIE / INNENRAUM
Auch in Sachen Design sollte ein Premium-Kompakter mehr bieten als ein Durchschnittsauto der Golfklasse – genau wie ein Maßanzug besser passen und schicker sein als Klamotten von der Stange. Was die Gestaltung der Karosserie angeht, erscheint die seit 2003 angebotene Modellgeneration des A3 trotz Facelift etwas altbacken. Schicker ist aus unserer Sicht der BMW 1er. Die unkonventionellste Karosserie aber hat wohl der Volvo. Er erwies sich auf unseren Ausfahrten oft als Hingucker.

Edles Volvo-Cockpit
Wer in ein Auto einsteigt, das einen Premium-Anspruch hat, erwartet auch ein Cockpit, das etwas edler aussieht als bei Modellen fürs Volk wie dem Golf. Solche Erwartungen werden beim Volvo C30 auf jeden Fall erfüllt. Vor allem die mattsilbern glänzende Mittelkonsole trägt zum noblen Ambiente bei. Auch die im Dunklen schön leuchtenden Instrumente verdienen ein Lob. Weniger edel, dafür mehr sportlich akzentuiert sind der Audi und der BMW. Hier zeigen ein genarbtes Lenkrad und Aludetails, dass man in Ingolstadt und München eher auf Fahrspaß abhebt als auf edles Design. Für ein sportlich akzentuiertes Fahrzeug muss aber auch der Seitenhalt der Sitze stimmen, sonst wird man in Landstraßenkurven bei ambitionierter Kurvenfahrt hin- und hergeworfen. Hier brilliert der Audi, während die BMW-Sitze trotz der im Testwagen installierten Sportsitze nur akzeptablen Halt bieten. Noch schlechter ist es um den Volvo bestellt, aber hier hatten wir auch keine Rennsitze erwartet. Sportlich wirkt auch der Startknopf des BMW. Die beiden Konkurrenten setzen hier auf das traditionellen Startsystem. Außerdem besitzt der BMW eine Schaltpunktanzeige, die den optimalen Gang ausweist. Die Empfehlungen sind gut nachvollziehbar.

Raumangebot als Premium-Stiefkind
Was bedeutet Premium beim Innenraum­angebot? Vorne ohne Verrenkungen sitzen können sollte man schon. Aber in puncto Fond und beim Kofferraum sind wir skeptisch: Während Golf-Käufer ihren neuen Kühlschrank oft selbst transportieren, lassen sich Premium-Kunden wohl lieber beliefern. Und wenn ein Premiumkunde Kinder hat, kauft er ein größeres Auto als einen Kompaktwagen. Dementsprechend dürften wohl auch der Kofferraum und der Fondraum ausfallen.

Kleiner Volvo-Stauraum
Oder sind all das nur Vorurteile? Nun, beim Volvo ist mehr als nur ein Körnchen Wahrheit dran. Der C30 ist ein typisches Lifestyle-Auto: Innen und außen todschick, aber null Praktikabilität. Erstens ist das Auto ausschließlich als Dreitürer zu haben. Zweitens gibt es nur vier Sitze, und im Fond ist die Kniefreiheit allenfalls auf Kleinwagenniveau. Und drittens ist der Kofferraum völlig unpraktisch: Der Ausschnitt, durch den man einladen soll, ist ziemlich eng. Noch enger wird die Luke, wenn man die Laderaumabdeckung installiert. Außerdem ist die Laderaumschwelle hoch – das heißt, beim Ausladen tut man sich mit gewichtigen Gegenständen schwer.

BMW und Audi praktischer
Besser sieht es bei Audi und BMW aus. Im Fond des A3 ist mehr Kniefreiheit als beim C30. Allerdings sind die Sitzpolster der Rücksitzbank nicht umlegbar. So geht das Umklappen schneller, aber der Laderaum wird nicht eben – genauso wie beim Golf. Außerdem ist die Ladeschwelle auch hier noch etwas hoch. Der 1er hat den praktischsten Laderaum. Wie beim Audi lässt sich auch hier nur die Lehne umklappen, aber der Laderaum wird trotzdem eben. Die Ladefläche steigt ein wenig an, aber das behindert beim Einladen viel weniger als die Stufe im Audi-Laderaum. Allerdings ist beim BMW hinten weniger Knieraum als im A3.

A3 als einziger stets fünfsitzig
Der dreitürige 1er wird je nach Wunsch als Fünfsitzer oder als Viersitzer mit einer Ablage im Fond geliefert. Der A3 ist dagegen stets ein Fünfsitzer. Der Kofferraum bei nicht umgelegten Rücksitzen ist beim Volvo am kleinsten: 251 Liter sind deutlich weniger als die runden 350 Liter beim Golf, beim A3 und beim 1er. Bei umgeklappten Sitzen ist der Wolfsburger besser als alle drei Testwagen. Er lädt bis zu 1.305 Liter ein, während es beim Audi und beim BMW nur 1.080 beziehungsweise 1.150 Liter sind. Der Volvo stellt sogar nur knapp 900 Liter zur Verfügung. Insgesamt ergibt sich ein Unentschieden: Der Volvo ist innen sehr schick, dafür sind Audi und BMW deutlich praktischer.

AUSSTATTUNG / PREIS
Die Ausstattung eines Premiumfahrzeugs muss natürlich mehr bieten als die eines durchschnittlichen Kompakten. Die Sicherheits-Basics besitzen alle drei Autos: sechs Airbags und ESP. Auch eine Zentralverriegelung mit Fernbedienung und elektrische Fensterheber vorne sowie elektrisch einstellbare Außenspiegel haben alle drei Kandidaten.

Gut ausgestatteter Volvo
Dann aber scheiden sich die Geister: Der Volvo ist am besten ausgestattet; er bringt ein CD-Radio und eine Klimaanlage mit. Ärgerlich hier: Der Beifahrerairbag ist nur gegen 50 Euro Aufpreis abschaltbar. Im BMW ist das CD-Radio Serie, die Klimaanlage kostet 980 Euro. Und beim Audi muss man beides extra bezahlen: Zusammen kosten die Extras 2.275 Euro. Bei keinem von den drei Testwagen sind Seitenairbags für die Fondpassagiere oder elektrische Fensterheber hinten verfügbar. Aluräder – bei einem Premiumfahrzeug wohl ein Muss – kosten bei allen drei Testkandidaten Aufpreis, ebenso natürlich eine Metallic-Lackierung. Die Einstiegspreise der drei Modelle ohne diese Zusatzkosten liegen in einem Bereich zwischen 23.500 und 25.400 Euro. Am günstigsten ist der Audi, dann folgt der Volvo für 24.000 Euro und am meisten zahlt man für den BMW – hier muss ja auch die Spritspartechnik bezahlt werden. Ausstattungsbereinigt liegt der Volvo vorne.

Wertung

  • ☆☆☆☆☆☆☆☆☆☆
  • Sieger unseres Vergleichs ist der Audi A3. Das beste Argument für ihn ist der starke Motor. Der drehmomentstarke Turbo-A3 macht um Längen mehr Spaß als der BMW und der Volvo. In den anderen Disziplinen hängt der Sieg mehr vom persönlichen Geschmack ab. Wer ein straffes Fahrwerk bevorzugt, sollte den Audi oder den BMW wählen, Komfort-Fans den Volvo. Im Innenraum hat der Audi viel Platz im Fond, der BMW einen praktischen Kofferraum und der Volvo ein edles Cockpit. Der Audi hat den niedrigsten Einstiegspreis, doch ausstattungsbereinigt ist der Volvo besser.

  • Audi A3 1.8 TFSI
    90%
    Motor deutlich besser als bei Vergleichsautos
    niedriger Einstiegspreis
  • BMW 120i
    80%
    gut nutzbarer Kofferraum
    teuerstes Auto im Test
  • Volvo C30 2.4i
    70%
    schicke Karosserie, edles Interieur
    lahmer Motor, unpraktischer Innenraum

Kompakt-Vergleich