Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die schon deutlich über 20 Jahre, teilweise aber auch viel weniger auf dem Buckel haben.

Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen.

Wissen Sie noch, was 1996 so los war? Deutschland wird zum bislang letzten Mal Fußball-Europameister. Rapper Tupac Shakur wird ermordet, Take That löst sich auf. Und Audi sorgt im Oktober auf dem Autosalon in Paris für Aufsehen. Dort steht der komplett neue A3 im Rampenlicht.

Mit 4,15 Meter ist der intern "8L" getaufte A3 der ersten Generation ungefähr so lang wie der Audi 80 von 1972 oder ein A1 von heute. (Was zeigt, wie sieht de Maßstäbe von "kompakt" verschoben haben.) Die technische Grundlage liefert die PQ34-Plattform des Volkswagen-Konzerns, auf der auch der VW Golf IV basiert. Er debütiert aber erst ein Jahr nach dem A3 und ist zudem der Grund dafür, dass erst im Frühjahr 1999 auch eine fünftürige Version des A3 auf den Markt kommt.

Audi A3 (1996-2003)

Die treibenden Köpfe hinter dem Audi A3 waren der damalige Volkswagen-Konzernchef Ferdinand Piëch und sein Technikvorstand Martin Winterkorn. Beide dürften die Zeichen der Zeit erkannt haben: Immer mehr Kunden wollten in den 1990er-Jahren zu noblen Kompaktwagen wechseln, entweder als Auf- oder Abstieg. BMW hatte bereits 1994 den ersten 3er Compact gebracht, parallel zeichnete sich die Mercedes A-Klasse am Horizont ab, sie sollte 1997 erscheinen.

Da passte ein Audi A3 gut ins Portfolio, zumal der erste eigenständige A4 im Vergleich zum Audi 80 größenmäßig zugelegt hatte. Zunächst war der A3 ausschließlich als dreitürige Schrägheck-Limousine in drei Ausstattungsvarianten mit vier verschiedenen Benzin- und Dieselmotoren erhältlich.

In Abgrenzung zum Golf gab es aber keinen Basisbenziner mit 75 PS. Los ging es beim A3 mit 101 PS aus 1,6 Liter Hubraum, darüber rangierten Ottomotoren mit 125, 150 und 180 PS. Letztere beide mit Turboaufladung. Diesel? Zwischen 90 und 130 PS. Als Automatikgetriebe gab es Viergang-Boxen oder die Fünfgang-Tiptronic. 

Audi A3 (1996-2003)

Ab März 1999, vorgestellt auf dem Genfer Automobilsalon, ergänzte endlich eine fünftürige Variante die Modellreihe. 1999 führte Audi im A3 1.8 T mit 110 kW (150 PS) den quattro-Antrieb zum ersten Mal ins Premium-Kompaktsegment ein.

Mit der ersten Generation des besonders sportlichen Audi S3 setzte die Marke im Frühjahr 1999 einen Meilenstein: Der Reihenvierzylinder-Motor mit 1,8 Liter Hubraum, Turbolader und Fünfventil-Technik brachte es auf 154 kW (210 PS) Leistung.

Im Herbst 2000 erhielt der erste A3 ein Facelift, welches aber optisch moderat ausfiel: Dabei wurden unter anderem Scheinwerfer, Innenausstattung und Heckleuchten modifiziert, wodurch der Wagen optisch näher an den etwa zeitgleich erschienenen Audi A4 B6 gerückt wurde. Hinter Klarglas liegenden Doppelscheinwerfer sollten den A3 qualitativ hochwertiger wirken, erstmals gab es auf Wunsch Xenon. Sicherlich dürfte man auch eine stärkere Abgrenzung zum VW Golf IV im Sinn gehabt haben, der qualitativ auf Augenhöhe mit dem A3 war. 

2003 endete die Produktion des ersten Audi A3 in Europa, bis 2006 lief er noch in Brasilien weiter vom Band. Trotz starker Konkurrenz im eigenen Konzern und von anderen Premium-Marken war die erste A3-Generation ein voller Erfolg. Rund 913.000 Fahrzeuge wurden gebaut. 

Heutzutage ist der erste A3 sehr günstig zu haben, jedoch nicht frei von Rost. Auch innen kann das Ambiente durch den Zahn der Zeit nicht mehr so premiös wie einst wirken. Formal hingegen wirkt die 8L-Baureihe beinahe zeitlos. Wie auch der A2, der erste echte A6 oder der erwähnte A4 B6 zeigen, hatte Audi damals ein glückliches Händchen beim Design. 

Bildergalerie: Audi A3 (1996-2003)