Stellantis macht Lancia und DS zu "Spezialmarken"
Künftig wird Lancia von Fiat geführt, DS von Citroën
Als PSA Anfang 2021 mit FCA zur Stellantis-Gruppe fusionierte, versprach der damalige CEO Carlos Tavares, alle 14 Marken unter dem großen Konzern-Dach zu erhalten. Trotzdem tauchten schon kurz darauf Berichte auf, wonach einzelne Marken zur Straffung des Portfolios verkauft oder sogar eingestellt werden könnten. Die Gerüchte erwiesen sich als falsch – alle Marken überstanden die umstrittene Tavares-Ära.
Allerdings flammten die Spekulationen kurz nach der Ernennung von Antonio Filosa zum CEO im Mai 2025 wieder auf. Ein Jahr später sind weiterhin alle 14 Marken in Sicherheit. Ja, das schließt sogar Maserati ein, um das sich mehrere Verkaufsgerüchte rankten. Ähnlich schwierig scheint die Lage bei Lancia sowie DS Automobiles. Doch auch sie bleiben.
Wie in dieser Woche angekündigt, sieht die Strategie FaSTLAne 2030 vor, Lancia und DS Automobiles zu Spezialmarken zu entwickeln. Was auch immer das sein soll. Klar ist: Stellantis stellt Fiat an die Spitze von Lancia, während Citroën die Verantwortung für DS übernimmt. Zwar wurden keine Details zu möglichen neuen Modellen genannt, Filosa verspricht jedoch, „jede Marke bei Stellantis wird eine klare Rolle spielen, um unsere FaSTLAne-2030-Ziele zu erfüllen“.
Viele neue Modelle – aber wie viele davon von Lancia und DS?
Der neue Industrieplan sieht vor, bis Ende 2030 insgesamt 110 neue oder überarbeitete Modelle auf den Markt zu bringen. Naheliegend ist, dass ein Teil davon Lancia- und DS-Logos tragen wird. Logisch erscheint, dass die beiden schwächelnden Marken jeweils höherwertige Ableger von Fiat- beziehungsweise Citroën-Volumenmodellen bringen. Komplett eigenständige Neuentwicklungen würden angesichts der vermutlich weiterhin kleinen Stückzahlen wenig Sinn ergeben.
Stellantis betrachtet Lancia und DS weiterhin als eigenständige Einheiten – sie werden also nicht zu reinen Ausstattungslinien für Fiat- und Citroën-Modelle. Was „Spezialmarken“ konkret bedeutet, erläutert der Autokonzern nicht. Erwartbar sind jedoch deutlich geringere Volumina als bei den Marken, die sie künftig steuern.
Wie sehen die Verkaufszahlen aus?
Laut den Zulassungszahlen der European Automobile Manufacturers' Association (ACEA) für 2025 brach Lancia (zusammen mit Chrysler geführt) um 64 Prozent auf 11.754 Einheiten ein. Für dieses Jahr zeichnet sich eine Verbesserung ab: Im ersten Quartal stiegen die Zulassungen um 15,5 Prozent auf 4.072 Einheiten.
Bei DS Automobiles weisen die ACEA-Zahlen für das vergangene Jahr einen Rückgang um 22,5 Prozent auf 29.042 Fahrzeuge aus. Im ersten Quartal 2026 setzte sich der Abwärtstrend fort: Die Zulassungen sanken um 17,1 Prozent auf 6.771 Einheiten.
Der neue Strategieplan von Stellantis umfasst den Zeitraum 2026 bis 2030 – und sofern sich nichts ändert, bleiben Lancia und DS Automobiles separate Einheiten. Fiat gehört nun zu den vier globalen Marken des Konzerns, neben Peugeot, Jeep und Ram. Citroën wird als regionale Marke eingestuft – zusammen mit Opel/Vauxhall, Alfa Romeo, Dodge und Chrysler.
Lancia Ypsilon HF 2025, Test
Motor1 meint: Manche dürfte überraschen, dass Stellantis einige seiner schwächelnden Marken weder zusammenlegt noch einstellt. So sehr wir Underdogs auch mögen: Für Lancia und DS Automobiles wird es angesichts intensiver interner und externer Konkurrenz schwierig, Käufer zu gewinnen.
Hoffentlich hat Stellantis einen Weg gefunden, die beiden Marken relevant zu halten. Lancia verdient es, eine eigenständige Marke zu bleiben – DS würde als Top-Ausstattungslinie für Citroën vermutlich besser funktionieren, genau so, wie es vor der Ausgliederung in eine eigenständige Marke war.
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