Der VW Phaeton hatte den komplexesten Kofferraumdeckel aller Zeiten
Alles an der Luxuslimousine war "overengineered". Sogar der Kofferraum.
Der Volkswagen Phaeton ist ein Auto, das man nie wieder bauen könnte. Er ist ein Produkt einer ganz bestimmten Zeit. Und die wahrgewordene Vision des verstorbenen Ferdinand Piëch, Enkel von Ferdinand Porsche, damals Vorstandsvorsitzender von VW, und ein Mann mit einem Gespür für komplizierte Technik.
Ein Luxus-Volkswagen, der sowohl mit V10-Diesel- als auch mit W12-Benziner angeboten wurde. Ein VW, der Mercedes übertrumpfen sollte. Weshalb er in praktisch jedem Detail extrem komplex und ausgefeilt konstruiert war. Dazu zählte der wahnsinnig überkomplizierte Kofferraummechanismus.
Bildergalerie: VW Phaeton (2002-2016)
Ein sich automatisch öffnender und schließender Kofferraum ist heutzutage keine große Sache mehr, und selbst als der Phaeton anno 2002 auf den Markt kam, war das an und für sich nichts Außergewöhnliches. Aber die Art und Weise, wie VW den Kofferraummechanismus des Phaeton gestaltete, war im positiven Sinne völlig übertrieben.
Wie der YouTuber B Sport - ein Straßen- und Rennwageningenieur und Phaeton-Besitzer - in diesem Video beschreibt, hatte der Phaeton sein eigenes Hydrauliksystem. Eine elektromechanische Pumpe auf der rechten Seite des Wagens betätigt einen Hydraulikzylinder, der mit den Scharnieren auf beiden Seiten verbunden ist.
Von der Hydraulikanlage ist nichts zu sehen, wohl aber vom Scharniermechanismus, der aus geschmiedeten Aluminiumarmen und -bügeln besteht. Er ist ein Kunstwerk für sich. Außerdem gibt es auf jeder Seite eine Gasdruckfeder ...natürlich!
Und das ist noch nicht alles! VW hat auch einen Mechanismus entwickelt, der das Schloss beim Öffnen des Kofferraums hinter eine Verkleidung zurückzieht, damit man nicht dagegen stößt. Und das passiert doch ständig, oder?
Das ist ein Triumph der Ingenieure über die Buchhalter, und das alles im Dienste von etwas, das der Kunde zwar sehen, das aber wahrscheinlich sein Leben in keiner Weise verbessern wird. Einfache Elektromotoren erfüllen die Aufgabe genauso, warum sich also mit all dem herumplagen? Ähnlich komplex, anfällig und im Reparaturfall sauteuer war das Hydrauliksystem des Mercedes 600 (1963-1981), das den Heckdeckel nicht nur öffnete, sondern auch schloss.
Hinzu kommt, dass jenes hydraulische System nur beim Phaeton und seinem Bentley-Geschwistermodell, dem Flying Spur, verwendet wurde. All das Entwicklungsgeld für einen Kofferraummechanismus bei zwei Autos. Apropos Geld: Wenn der Mechanismus heute in einem Phaeton kaputtgeht, wird es teuer. Und eine fähige Werkstatt muss man auch erst einmal an der Hand haben.
Heute ist der Phaeton eine Ikone. Aber zu seiner Zeit war er ein Misserfolg. In nicht ganz 15 Jahren entstanden exakt 84.835 Fahrzeuge. Es hat sich gezeigt, dass selbst wenn man das beste Auto der Welt baut, aber ein VW-Emblem auf den Kühlergrill klebt, niemand es kaufen wird. Es spielt keine Rolle, dass der Phaeton besser war als ein 7er oder eine S-Klasse. Die Luxuskunden waren nicht interessiert. Und VW hat mit diesen Autos sicherlich viel Geld verloren.
War fertig, ging aber nicht in Serie: Volkswagen Phaeton D2
So etwas werden wir nie wieder sehen. Einen neuen Phaeton hatte VW unter dem Codenamen D2 so gut wie fertig, dieser wurde aber im Zuge des Diesel-Skandals ab 2015 ad acta gelegt. Teile des Designs und des Innenraums fanden sich aber beim 2018 vorgestellten Touareg wieder.
Bildergalerie: Volkswagen Phaeton D2
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