Stufenheck-Modelle in der Kompaktklasse blieben immer ein spezielles Thema. Während sie in Südeuropa bis heute beliebt sind, griff man in Westeuropa lieber zum Steilheck oder ging eine Klasse höher. Und so bietet heute kaum noch ein Hersteller etwas derartiges an.

Bestes Beispiel ist der VW Jetta: Man versuchte ihm später mit neuen Namen wie Vento und Bora die Spießigkeit zu nehmen. Doch wirklich erfolgreich war (und ist er zum Teil) nur in den USA und China. Noch heute fallen die Stufenheck-Brüder des Golf unter Oldtimer-Fans in der Beliebtheit massiv ab. Im Schatten des groß zelebrierten Jubiläums "50 Jahre Golf" wird die zweite Generation des Jetta jetzt 40 Jahre alt.

Bildergalerie: VW Jetta II (1984-1992)

Im Februar 1984 wird der Jetta II vorgestellt, ein Jahr nach der Premiere des Golf II – mit dem er von Anfang an gemeinsam entwickelt wurde. Der Jetta II präsentiert aber wie sein Vorgänger ein eigenständiges Heck: Nichts erinnert an den kompakten Bruder mit Heckklappe. Die Innenmaße der 4,31 Meter langen Limousine wachsen auf eine nochmals komfortablere Größe, der Kofferraum bietet ein Volumen im Oberklasse-Format: 550 Liter sind in Zeiten, in denen es noch keinen Golf Variant gibt, ein Argument.

Technisch sind Golf II und sein Pendant Jetta weiterhin eng verwandt. Vorne unterscheiden ihn Rechteck-Scheinwerfer. Die Gesamtlänge beträgt 4.315 Millimeter, das Leergewicht ist auf 910 Kilogramm gestiegen.

VW Jetta II (1984-1992)

Es gibt vier Ausstattungslinien: C, CL, GL und Carat. Die Ausstattungsvariante Carat ist nur mit dem 1,8-Liter-Motor (90 PS) und vier Türen erhältlich. Die Sondermodelle lauten Strada, Beach, Coach, Court, Pacific, Flair, TX und Style.

Im Februar 1984 wird der Jetta II mit folgenden Motorisierungen eingeführt: 1,3 Liter (55 PS), 1,6 Liter (75 PS), 1,8 Liter (90 PS), 1,6 Liter Diesel (54 PS) und der 1,6-Liter-Turbo-Diesel mit 70 PS. "Kraftvoll und dynamisch" jubelt der Verkaufsprospekt.

Bereits im ersten Produktionsjahr wird der Jetta im Oktober für schöne Herbstausfahrten mit dem 1,8-Liter-GTI-Motor (112 PS) ausgestattet, der mit einer Höchstgeschwindigkeit von knapp über 190 km/h ein absolutes Understatement ist. Optisch fällt die GT genannte Variante durch schwarze Kotflügelverbreiterungen, einen kleinen Heckspoiler und vor allem durch rote Streifen an den Stoßfängern, rote Embleme sowie Scheibenbremsen auch hinten auf. Gefahren wird mit einem Sportfahrwerk, das bei der GT-Version um zehn Millimeter abgesenkt ist.

VW Jetta II (1984-1992)

Ebenfalls ab 1984 gibt es ein ABS als Extra, zunächst nur für die stärkeren Versionen ab 90 PS. Das neue ABS ist mit den hinteren Scheibenbremsen gekoppelt.

Im Frühjahr 1987 legt Volkswagen nach: Eine zweite GT-Variante mit 1.781 ccm Sechszehnventiler ergänzt das Programm und leistet ohne Abgasreinigung 139 PS - oder mit Katalysator leicht gebremste 129 PS. Äußerlich unterscheidet sich der GT 16V vom Achtventiler durch eine Dachantenne, einen dezent knurrenden Endschalldämpfer mit Doppelendrohr sowie rote 16V-Embleme an Kühlergrill, Heck und Handschuhfach. Der Jetta 16V ist nur als Viertürer erhältlich und liegt noch einmal zehn Millimeter tiefer als der 112 PS starke GT.

Die folgenden Motoren sind zudem nun mit Katalysator erhältlich: 1,6 Liter mit 72 PS, 1,8 Liter mit 84 PS (beide U-Kat) und ab März 1,6 Liter mit 70 PS (G-Kat). Der ADAC testet einen Jetta GL mit 72 PS zum Preis von 22.195 DM. Man lobt das übersichtliche Cockpit und den ausgewogenen Motor, der "nur" 7,8 Liter verbraucht. Nur optional gibt es damals ein Fünfgang-Getriebe, offiziell "4+E" genannt. 13,9 Sekunden benötigt der 910 Kilogramm (!) schwere Wagen auf Tempo 100, 162 km/h Spitze sind 1987 völlig ausreichend. In früheren Tests besiegt der Jetta mit 1,8 Liter sogar den BMW 316 ... 

VW Jetta II (1984-1992)

Ein weiteres neues Modell ist 1987 der Jetta syncro. Sein bekannter Allradantrieb wird wegen des günstigen Drehmomentverlaufs ausschließlich mit dem 1,8-Liter-Motor (zunächst 90 PS, später 98 PS) geliefert. Für die syncro-Varianten ist eine umlegbare Rücksitzbank erhältlich. 

1987 entfallen zudem die Basisversion C (unser Titelbild) und die Luxusvariante Carat. Zwei neue Versionen mit sportlicher Optik erscheinen: Parallel zum Golf GT gibt es auch einen gleichartigen Jetta GT mit 90 PS, außerdem wird ein GTD mit 70-PS-Turbodiesel-Motor angeboten.

1988 wird das Modell GTX eingeführt, mit der Motorenpalette 107/112 PS und 129/139 PS (je nachdem ob mit ohne ohne Kat). Die GTX-Modelle sind erkennbar am GTX-Emblem im Kühlergrill, bei Sechzehnventiler noch um ein "16V" ergänzt.

VW Jetta II (1984-1992)

Der Jetta syncro erstarkt mit G-Kat auf 98 PS aus 1,8 Liter Hubraum. Anfang 1989 hält eine neue Zentralelektrik aus dem Passat 35i Einzug in den Jetta, erkennbar am Warnblinkschalter an der Lenksäule. Alle Modelle erhalten nun große Stoßfänger, an der Front entsprechen sie mit der Spoilerlippe denen des Golf GTI. Beim GT ist der Heckspoiler in Wagenfarbe lackiert, die neuen Stoßfänger verlängern das Fahrzeug um sieben Zentimeter. Serienmäßig erhält der GL eine Servolenkung. Die Modellbezeichnung GTX entfällt, alle Sportversionen heißen wieder GT bzw. GT 16V.

1989 wird zudem die interne Typenbezeichnung von 16E/19E in 1G2 geändert. Den Zweitürer gibt es nur noch als "CL". Nach dem Wegfall der Basisversion "Jetta" ist der CL nun auch das Basismodell. Der 1,8-Liter-Motor des Jetta Syncro wird auf G-Kat umgestellt und die Leistung auf 72 kW (98 PS) erhöht.

Der GL erhält serienmäßig eine Servolenkung, dafür entfallen die elektrische Außenspiegelbetätigung und die Durchladeeinrichtung. Der Chromzierrat beschränkt sich nun auf je zwei blanke Zierleisten an den Stoßfängern. Das Modell GTX entfällt, alle sportlichen Versionen heißen wieder GT oder GT 16V.

VW Jetta II (1984-1992)

In Großbritannien prangte das GTI-Logo am Jetta II

Die 16V-Modelle erhalten vorn größere Bremsen aus dem VW Passat 35i und stehen daher nun serienmäßig auf 14-Zoll-Rädern. Die ABS-Bremse ist nun auch in Verbindung mit Trommelbremsen hinten für die schwächeren Versionen erhältlich.

Ab Februar 1989 kommt eine neue Zentralelektrik aus dem Passat 35i bzw. Corrado zum Einsatz, erkennbar am Warnblinkschalter an der Lenksäule (beim Golf geschah dies erst ein halbes Jahr später mit dem Facelift zum Modelljahr 1990).

Die größte sichtbare Modellpflege erhält der Jetta II im August 1989: Alle Modelle tragen nun massive Stoßfänger mit in Wagenfarbe lackierten Schürzen (beim Golf nur GL und GTI) und großem Frontspoiler (wie beim Golf GTI). Die Seitenansicht wird durch schmale Türaufsatzleisten und schwarze Schwellerverbreiterungen (wie beim Golf GTI) aufgewertet.

Der Heckspoiler des GT ist nun ebenfalls in Wagenfarbe lackiert, er besteht nun aus Hartkunststoff. Schließlich erhält die Heckklappe bei allen Versionen eine großflächige Kunststoffblende zwischen den Rückleuchten. Durch die neuen Stoßfänger ist der Jetta nun sieben Zentimeter länger als zuvor.

Mit dem Facelift erweitert VW das Dieselangebot um zwei neue Aggregate. Stärkster Selbstzünder ist nun der 1,6-Liter-Turbo-Diesel mit zusätzlichem Ladeluftkühler und 80 PS. Als "Umweltdiesel" wird der gleiche Motorblock als Softturbo und mit Oxi-KAT, ausgelegt auf 60 PS, angeboten. Letzterer ist wie der Saugdiesel nicht als GTD erhältlich.

Die Produktion des Jetta II läuft in den westlichen Märkten Anfang 1992 mit dem Erscheinen des Vento aus. In der Volksrepublik China wird er ab 1991 weiterhin als FAW-VW Jetta gefertigt und weiter entwickelt. Erst 2013 endet dort die Fertigung.