Der legendäre Kleinwagen wird jetzt schon 40 Jahre alt

Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die schon deutlich über 20 Jahre, teilweise aber auch viel weniger auf dem Buckel haben.

Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen.

Gefühlt hatte jeder einen als erstes Auto. Oder die Mutter als mobile Einkaufstasche. Oder der sparsame, aber konservative Onkel einen mit Stufenheck alias Derby. Die Rede ist von der zweiten Generation des VW Polo, intern bis 1990 86C genannt. Ein legendärer Polo: Weltweit laut VW rund 2,7 Millionen mal gebaut und mit Facelift satte 13 Jahre lang im Programm.

Außen klein, innen groß: Im Oktober 1981 erscheint die zweite Generation des Polo. Die komplett neu gestaltete Karosserie wächst auf 3,66 Meter und besticht durch eine einzigartige Optik. Mit seinem steil abfallenden Heck wird der Polo zum zweitürigen Kleinkombi mit großzügigen Platzverhältnissen. Vor allem die Kopffreiheit wächst gegenüber der ersten Baureihe erheblich. Selbst eine Waschmaschine soll manch Polo-Fahrer transportiert haben.

Doch nicht wenige der bislang etwas anderes gewohnten Polo-Besitzer fremdeln etwas mit dem würfelförmigen Äußeren, weshalb VW nachlegt: Zusätzlich zum Steilheck kommt im August 1982 das Schrägheck-Coupé ins Programm. Bereits im Februar 1982 debütierte der Derby mit Stufenheck und anderen Scheinwerfer, ansonsten aber Polo-Technik. Er verkauft sich aber nur mäßig und wird 1985 in Polo Stufenheck umbenannt, ehe er 1988 ganz vom deutschen Markt verschwindet.

VW Polo II 86C (1981-1990)

Auch unter der Haube des tut sich einiges: Stärkere Benziner sorgen für flottere Fahrleistungen. Los geht es zunächst mit dem 1,05-Liter-Benziner mit 40 PS, der 1985 auf 45 PS erstarkt und die meisten Polo antreibt. Ab August 1983 ersetzt ein 1,3-Liter-Aggregat mit 54 PS Leistung die bisherigen 1,1- und 1,3-Liter-Maschinen mit 50 respektive 60 PS. 

Diesen neuen Motor gab es zunächst nur mit 75 PS für das Polo Coupé als GT, dem VW so zu einer sportlichen Note verhelfen will. Immerhin wiegt der Polo II nur zwischen 725 und 830 Kilogramm. Erst ab 1987 ist der Antrieb auch für das Steilheck erhältlich, wenngleich es dort schon 1983 den Polo SP als Sondermodell mit der großen Maschine und sportlichen Extras gab. Bereits 1986 hatte VW einen heute sehr seltenen Diesel mit 45 PS Leistung in den Polo gepackt.

Das Topmodell G40 mit mechanischem G-Lader und 85 kW (115 PS) treibt das Polo Coupé ab 1987 auf knapp 200 Stundenkilometer. In einer limitierten Serie von insgesamt 1.500 Fahrzeugen entsteht ab Mai 1987 die bis dato stärkste Variante des Polo: der Polo GT G40 Coupé. Die Leistung des 1,3-Liter-Motors wird hier mithilfe eines mechanischen Spiralladers auf 115 PS gesteigert. Das reicht, um in 8,4 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen.

VW Polo II 86C (1981-1990)

Um die geballte Kraft souverän auf die Straße zu bringen, wird der G40 im Vergleich zum GT-Coupé um 20 Millimeter tiefergelegt, zudem erhält er straffer abgestimmte Federn und Stoßdämpfer. Äußerlich bleibt der "Wolf im Schafspelz" dezent, nur wenige Insignien verraten seine Leistungsfähigkeit. Dieser erste G40 zählt heute zu den gesuchtesten Modellen des 86C.

Das komplette Gegenteil des G40 ist der "Öko-Polo" von VW aus dem Jahr 1988. Der Prototyp war so konzipiert, dass er mit nur drei Litern Kraftstoff 100 km weit fahren konnte, was ihn für die damalige Zeit zu einem sehr sparsamen Auto machte. Er hatte einen Zweizylinder-Dieselmotor mit Direkteinspritzung und einen vom Polo G40 abgeleiteten G-Lader.

Die beiden Zylinder brachten es zusammen auf nur 858 Kubikzentimeter Hubraum. Ein hitzebeständiger Schaumstoff kapselte den Motorraum ein, um die Motorgeräusche und Vibrationen zu minimieren. Nach einem Jahr der Erprobung endete 1988 die Serie nach etwa 50 bis 75 Öko-Polo-Prototypen.

VW Polo II 86C (1981-1990)

Das Polo-II-Programm wird 1984 um ein neues, auf das Wesentliche reduziertes und dadurch günstiges Einsteigermodell ergänzt: Der Fox spricht mit frischen Farben und poppiger Ausstattung vor allem eine jüngere Zielgruppe an. Den "absoluten Launemacher in der Polo Familie" (O-Ton Werbeprospekt) gibt es zunächst in den Farben Türkisblau und Saimagrün und mit passend lackierten Radvollblenden. Unter der Haube kommt zunächst ein Motor mit 33 kW (45 PS) zum Einsatz.

Der poppige und günstige Polo Fox wird ein durchschlagender Erfolg und zum wohl bekanntesten Sondermodell der Baureihe. Ab 1986 ist auch das Coupé als Fox lieferbar, bis 1994 geht er in Dauerserie.

21. Mai 1990: Der erste VW Polo aus Mosel bei Zwickau
21. Mai 1990: Der erste VW Polo aus Mosel bei Zwickau

 

Vom 21. Mai 1990 an wird der VW Polo II auch zum wohl ersten West-Auto, welches in der damaligen DDR montiert wird. An diesem Tag beginnt die Produktion im Werk Mosel bei Zwickau, der Polo wird so quasi zum Nachfolger des Trabant. Heute laufen dort der VW ID.3 und ID.4 vom Band.

Im Oktober 1990 erhält die zweite Generation des VW Polo eine umfangreiche Modellpflege: An der Front fallen die Rechteckscheinwerfer sofort ins Auge. Dazu kommen aerodynamisch gestaltete, integrierte Stoßfänger sowie ein modifizierter Kühlergrill. Im Cockpit bietet das neue Armaturenbrett viele Ablagen, der Radioschacht ist nun benutzerfreundlich hochgelegt, Heizung und Lüftung werden über moderne Drehregler bedient. Doch das ist eine andere Geschichte, die wir Ihnen hier erzählen.

Bildergalerie: VW Polo II 86C (1981-1990)