Der große Bruder des 924 wird 40 und ist längst bei den Fans akzeptiert

Unsere geschätzten Leser haben bestimmt schon einmal die Rubrik "Kennen Sie den noch?" studiert. Dort stellen wir Autos von früher vor, die inzwischen fast vergessen sind. Doch was ist mit den Modellen, die durchaus noch zahlreich im Straßenverkehr umherfahren? Jene Typen, die jeder kennt, die schon deutlich über 20 Jahre, teilweise aber auch viel weniger auf dem Buckel haben.

Werden sie einmal Oldtimer? Das birgt Zündstoff für kontroverse Diskussionen. Einige dieser Modelle wollen wir in unserer Reihe "Klassiker der Zukunft?" vorstellen.

Porsche-Boss Peter W. Schutz ist leicht genervt. 1981 ins Amt gekommen, muss er seitdem andauernd den 944 gegen die 911-Fans verteidigen. So etwa in einem Interview, welches sich im "Das große Porsche-Buch" findet. Ob es ein Problem sei, dass es auf der einen Seite bei Porsche den 911 mit Heckmotor gebe und andererseits Fahrzeuge mit wassergekühltem Motor vorn? Antwort: "Für solch eine Frage habe ich kein Verständnis. Das ist so, als wenn einem Restaurantbesitzer vorgeworfen würde, dass er gleichzeitig Geflügel, Fisch und Kalbfleisch anbietet."

Porsche 944 (1981-1991)
Peter W. Schutz am Porsche 944

Und weiter: "Ein 911-Begeisterter schwärmt von seinem Fahrzeug, der 944-Begeisterte von seinem. So soll es auch sein, denn es wäre ja töricht, zwei verschiedene Autos zu bauen, die schließlich die gleichen Emotionen auslösen." Eines ist dem Deutsch-Amerikaner Schutz nämlich klar: Der 944 spült Geld in die klammen Porsche-Kassen. Und das macht er auch seinen Mitarbeitern klar: "Wenn wir die Vierzylinder-Baureihe nicht auf die Beine stellen und sie nicht zum Erfolg machen, dann wird es hier ganz, ganz schlimm."

Die Idee zum Porsche 944 entsteht bereits um 1977 herum. Zu diesem Zeitpunkt debütiert der 928 mit V8 als potenzieller Nachfolger des 911, der 924 mit 125-PS-Vierzylinder und VW/Audi-Genen ist da bereits zwei Jahre auf dem Markt. In der sogenannten Transaxle-Technik (Motor vorne, Getriebe hinten) sieht Porsche seine Zukunft. Und der 944 soll hier die Mitte zwischen 924 und 928 abdecken.

Porsche 944 Turbo
Der Innenraum des Porsche 944 ab 1985

Nicht nur Ferry Porsche selbst hätte sich lieber den Audi-Fünfzylinder im 924 gewünscht, dieser kommt aber erst 1976 und damit zu spät. 100.000 Vierzylinder vom Typ EA 831 verspricht VW/Audi für den 924, von dem letztlich 150.000 Fahrzeuge gebaut werden. Zudem möchten auch einige Kunden mehr Leistung (und mehr Prestige mit "richtigem" Porsche-Motor), ohne gleich zum deutlich teureren 928 greifen zu müssen.

Porsche experimentiert zunächst tatsächlich mit dem Audi-Fünfzylinder und sogar dem PRV-Europa-V6 von Peugeot-Renault-Volvo. Doch die Finanzlage wird nicht rosiger, zumal die Entwicklung des 928 viel Geld gekostet hat. Und auch eine dritte hauseigene Motorenentwicklung möchte man nicht. So entsteht der 944-Antrieb aus einer Zylinderbank des 928-Aggregats. Die Eckdaten: 2,5 Liter Hubraum und 163 PS Leistung, später mit Kat 150 bis 160 PS. 1988 gibt es 2,7 Liter und 165 PS, finaler Hubraum-König ist der 944 S2 mit 211 PS aus 3,0 Liter.

Porsche 944 Turbo
Porsche 944 Turbo

Wer noch mehr Leistung will, greift zu den Turbo-Modellen mit bis zu 250 PS. Auch Cabrio-Fans kommen beim 944 auf ihre Kosten. Obgleich die Designer im Laufe der Jahre den 944 optisch immer eleganter und eigenständiger machen, sorgt die Optik beim Debüt im Jahr 1981 für Kritik. Zu sehr ähnelt der 944 dem 924, insbesondere dem 924 Carrera GT. Doch Porsche muss auch hier aufs Geld achten, Gleichteile und die gemeinsame Produktion mit dem 924 in Neckarsulm schonen die Kasse. Erst 1991 laufen die letzten 944 in Zuffenhausen vom Band.

An den Fahrleistungen des nur 4,20 Meter langen 944 gibt es kaum etwas auszusetzen: Schon das Grundmodell erreicht nach 8,4 Sekunden Tempo 100 und schafft 220 km/h Spitze. 5,9 Sekunden und 260 km/h sind es bei den stärksten Turbo-Varianten. Doch gerade der "Basis-944" folgte der Tradition des einstigen Porsche 912: Vier Zylinder, aber dennoch nicht unflott und deutlich günstiger als ein 911.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: Im ersten Produktionsjahr gingen bereits mehr als 30.000 Bestellungen bei den Händlern ein. Und das trotz recht hohen Preisen: Bei der Einführung kostete das Grundmodell des 944 mit manuellem Getriebe 38.900 DM, mit Automatikgetriebe 40.400 DM, im letzten Produktionsjahr 61.900 Mark und mit Automatikgetriebe 64.500 D-Mark.

Insgesamt wurden 163.302 Exemplare des Porsche 944 gebaut, 1991 setzte der 968 den Schlusspunkt unter das Kapitel Transaxle. Das ist aber eine andere Geschichte. Heute liegen gut erhaltene 944 zwischen 13.500 und 36.000 Euro. Doch Vorsicht: Bei den Teile- und Reparaturkosten ist der 944 ein "echter" Porsche. 

Bildergalerie: Porsche 944 (1981-1991)