Der erste Escort mit Frontantrieb wird 40

Es war eine sagenhafte Summe: Fünf Milliarden Mark. Noch nie zuvor hatte ein Automobilhersteller so viel Geld in die Entwicklung eines neuen Pkw gesteckt. Hinter dem gutbürgerlichen Projekt "Erika" verbarg sich die dritte Generation des Ford Escort. Sie wurde im September 1980, also vor 40 Jahren, der Öffentlichkeit vorgestellt. Grund genug für uns, auf den heute fast vergessenen Bestseller zurückzublicken.

Seit 1968 gab es den Escort im Ford-Programm, damit war er ähnlich alt eingesessen wie der 1962 vorgestellte Opel Kadett. Doch beide gerieten im Laufe der 1970er-Jahre in Zugzwang: 1974 debütierte der VW Golf mit Frontantrieb, hinzu kamen Konkurrenz aus Japan und zwei Ölpreisschocks. 

Opel hatte den Kadett schon 1979 auf Frontantrieb umgestellt, während die zweite Generation des Ford Escort eigentlich nur ein lauwarmer Aufguss der ersten Generation war. Die Zeichen standen bei Ford also auf Revolution statt Evolution, womit sich auch die gigantischen Entwicklungskosten erklären. Das Resultat war der Escort Mk3 respektive Escort III: Nüchtern geformt, mit Frontantrieb und großer Heckklappe als Drei- und Fünftürer. Dazu endlich ein neuer Kombi, bei Ford traditionell Escort Turnier genannt. 

Frühe Entwürfe wirkten noch sehr japanisch nach Art des Nissan Sunny, letztlich kristallisierte sich beim Drei- und Fünftürer eine kantige Karosserie mit kurzem Stummelheck (das sogenannte Aero-Heck) heraus. So sollte die Heckscheibe schmutzfrei gehalten werden. Apropos schmutzfrei: Ähnlich wie bei Mercedes gab es geriffelte Heckleuchten. Hinzu kam eine massive Investition in die Rostvorsorge, um die gammeligen 1970er-Jahre vergessen zu machen.

Ford Escort Mk3

Neu waren im Ford Escort Mk3 quer eingebaute, sogenannte CVH-Motoren mit halbkugelförmigen Brennräumen. Im Angebot war ein 1,1 Liter mit 55 und 59 PS, ein 1,3 Liter mit 79 PS und schließlich für den heißen XR3 ein 1,6-Liter-Aggregat mit 96 PS Leistung. Das reichte für 9,7 Sekunden auf Tempo 100 und 182 km/h Spitze. Für Fahrer des Basis-Escort war bei 146 km/h das Ende der Fahnenstange erreicht. Doch auch sie konnten sich über eine Einzelradaufhängung rundum freuen.

Zu Beginn bedeutete das Basismodell des Ford Escort aber noch echte Nacktheit, selbst der Bremskraftverstärker kostete beim 1100er-Aggregat Aufpreis. Am Ende stand neben dem XR3 der sportliche Ghia mit Velours und Cordstoff, Drehzahlmesser, mehr Chrom außen ... und variabler Intervallschaltung für die Scheibenwischer. 14.200 DM berechnete der freundliche Ford-Händler 1980 mindestens für einen dreitürigen Escort Ghia, der schlichteste Escort stand mit 11.295 DM in der Liste. Unglaublich mutet aus heutiger Sicht dessen Leergewicht an: 765 Kilogramm!

Ford Escort Mk3

Der immense Aufwand sollte sich bald auszahlen: Schon Anfang 1981 wurde der 100.000ste Escort in Saarlouis gebaut, 60 Prozent der Gesamtproduktion gingen in den Export. Nicht zu vergessen die in Großbritannien gebauten Escort. Hinzu kam eine große Auszeichnung: "Auto des Jahres" 1981 in Europa.

Anders als beim Vorgänger gab es beim dritten Ford Escort eine enorme Vielfalt an Varianten: 1981 kam der Kleintransporter Escort Express, im gleichen Jahr ein optionales Fünfgang-Getriebe. 1982 folgte der heiße Escort RS 1600i mit Einspritzung und 115 PS. Im selben Jahr lief der einmillionste Escort Mk3 vom Band. Ab Ende 1982 duellierte sich der 105 PS starke XR3i mit dem VW Golf GTI. Preis: 19.515 DM. 

Ford Orion

Im Sommer 1983 betrat der Escort für Biedermeier die Bildfläche: Orion hieß das Stufenheckmodell. Der Ford Orion sollte jene konservative Kunden ansprechen, die noch einen Taunus besaßen, aber den Sierra mit seinem Fließheck zu modern fanden. Wohl aus diesem Grund gab es den Orion nie in nackter Basisausstattung, erst ab GL (17.085 DM als 1,3 Liter) ging es los. Fun Fact: Prinzessin Margaret, die Schwester der Queen, fuhr Orion. Und mehrere tausend Exemplare wurden in die DDR importiert.

Ebenfalls neu im Jahr 1983: Ein mit Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD) entwickelter 1,6-Liter-Diesel. 54 PS, 18,1 Sekunden auf 100, 146 km/h Spitze, aber nur gut sechs Liter Verbrauch im Mix, Bereits auf der IAA 1981 hatte Ford den Prototypen eines Escort Cabriolet mit festem Überrollbügel gezeigt, 1984 ging das bei Karmann gebaute Fahrzeug in Serie. 

Nur 5.000 Einheiten entstanden ab 1984 vom Escort RS Turbo als Homologationsmodell für den Motorsport. Saftige 27.850 DM waren für den 132-PS-Flitzer hinzublättern. 

Ford Escort Mk3

1986 bekam der Ford Escort Mk3 ein Facelift mit geänderten Leuchten, überarbeiteten Motoren und optionalem ABS. Innen wurde das Cockpit völlig neu gestaltet, Sierra und Scorpio standen hier Pate. Ein Jahr später folgte der erste schadstoffarme Motor, ein 1,4-Liter-Benziner mit 73 PS.  Mit diversen Sondermodellen wurde der Escort zudem attraktiv gehalten: Manch einer erinnert sich vielleicht noch an "Bravo" oder "Laser".

Anders als seine weltmeisterlichen Vorgänger konnte der Escort Mk3 im Rallyesport nicht reüssieren. Dabei hätte es anders kommen können: Im Juli 1981 wurde der RS 1700 T der Presse vorgestellt, ein Bolide mit Heckantrieb, 1,8-Liter-Turbo und gut 350 PS für die Gruppe B. Doch das Projekt verzögerte sich und wurde schließlich 1983 eingestellt. Mit Blick auf die wachsende Konkurrenz durch Audi Quattro und Co. forderte das Management einen Mittelmotor-Rennwagen mit Allrad: den späteren RS 200.

Wie geht es "Erika" heute? Nun, auch nach 40 Jahre hat der Escort Mk3 keine große Lobby. Formal bietet er kaum Reize, auf viele wirkt es gar langweilig. Dabei ist er ein dankbarer Einstiegs-Oldtimer, zumal vor dem 1986er-Facelift: Die Preise sind günstig, auf Rost sollte man aber achten (Fahren Sie ihn lieber im Sommer ...). Hinzu kommt moderne Technik, aber überschaubar und ohne Unmengen an Elektronik. Gönnen Sie sich doch mal einen Escort-Service mit Erika ...

Bildergalerie: Ford Escort Mk3 (1980-1990)