Normalerweise sind Autofirmen vernünftig: Sie befragen das Marketing und ihre Kunden, welche Modelle gerade angesagt sind oder in Zukunft gut ankommen werden. Aber es gibt bei fast jeder Marke auch Ausnahmen: Ungewöhnliche Ideen am Rande des Wahnsinns, die von kreativen Köpfen erdacht werden, es aber nicht in die Serie schaffen. Etwa der BMW X5 Le Mans.

Dieses ziemlich verrückte SUV konnten wir nun im Rahmen des Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2024 an der Villa Erba bewundern, die sich ebenfalls am Comer See befindet. 25 Jahre nach der Premiere des BMW X5 Le Mans wurde das Fahrzeug dort präsentiert. Leider etwas ungünstig unter Bäumen geparkt, was die Faszination jedoch nicht schmälert.

Bildergalerie: BMW X5 Le Mans (2000) an der Villa Erba 2024

Auch wenn heutzutage jeder Nobelhersteller gefühlt ein SUV mit exorbitanter Leistung herausbringt und über die Nordschleife des Nürburgrings jagt, ist der Mega-X5 immer noch ein Faszinosum des feinen Wahnsinns. Namensgebend war der V12-LMR-Rennwagen, mit dem BMW im Jahr 1999 beim 24-Stunden-Rennen siegte. Dessen Motor wurde für den Einsatz im damals brandneuen X5 (E53) von 580 auf 700 PS aufgepumpt.

Indes wollten auch 2.130 Kilogramm dynamisch bewegt werden. Für diese Aufgabe griff kein geringer als Hans-Joachim Stuck zum Hebel der manuellen Sechsgang-Schaltung. Im Juni 2001 beschleunigte er den bis zu 311 km/h schnellen X5 Le Mans zu einer Zeit von 7:49,92 Minuten auf der Nordschleife. Doch trotz aller Fähigkeiten ahnte BMW, dass dieser Wagen zu viel des Guten sein könnte und entschied sich gegen eine Serienfertigung. Inzwischen gibt es als geistigen Nachfolger einen X5 M, der aktuell bis zu 625 PS aus einem Biturbo-V8 holt.

BMW X5 Le Mans (2000)
BMW X5 Le Mans (2000)
BMW X5 Le Mans (2000)

Auffallend im direkten Kontakt ist der mächtige Lufteinlass in der Motorhaube, hinten gibt es eine Art Diffusor mit zwei großen Endrohren. Und trotz geschlossener Türen lässt sich innen der verbaute Überrollbügel erkennen. Ebenso die vier Schalensitze. Fehlt nur noch der Klang des V12 ...

SUVs mit Zwölfzylinder blieben und bleiben die Ausnahme: Schon in den 1980er-Jahren hatte Lamborghini den sehr geländegängigen LM002 mit 455-PS-V12 aus dem Countach gebaut, Audi bot von 2008 bis 2012 den Q7 V12 TDI mit 500 PS an.

Erwähnenswert sind auch der Mercedes-AMG G 65 und der Bentley Bentayga W12 Speed. Letzterer bringt es auf 635 PS. Rolls-Royce hat den Cullinan mit bis zu 600 PS im Angebot. Porsche pumpt bis zu 739 PS in den Cayenne Turbo E-Hybrid. 666 PS gibt es im Lamborghini Urus Performante.

Stärkstes derzeitiges SUV bei BMW ist der umstritttene XM Label Red. Er ist mit seinem Plug-in-Hybrid sogar stärker als der X5 Le Mans und bringt es auf 748 PS. Der Verbrenner selbst ist aber ein V8 mit "nur" 585 PS.

Bildergalerie: BMW X5 Le Mans Concept (2001)