Citroën Berlingo XL (2026) im Test: Lohnt sich der Diesel noch?
Der Franzose bietet Platz en masse – wer auf den Selbstzünder gehen will, muss gut durchrechnen
Der Marktanteil des Diesels lag im ersten Halbjahr 2026 in Deutschland bei nur noch 13,0 Prozent. Tendenz weiter fallend. Schuld daran ist nicht nur das verschwindende Angebot. Wer derzeit an den Tankstellen des Landes vorbeifährt, wird Bauchschmerzen beim Blick auf den Dieselpreis bekommen: Der bundesweite Durchschnitt liegt aktuell bei rund 2,14 bis 2,21 Euro.
Tendenz in Richtung Zukunft? Eher steigend. Bei einem Auto wie dem Citroën Berlingo hätte man noch vor ein paar Jahren ohne nachzudenken gerufen: "Ein Kasten? Kauf den Diesel!" Der einstige unausweichliche Kilometerfresser-Spartipp wird so zum ernsthaften Rechenfall. Bei Stellantis ist der Diesel nach wie vor eine verbreitete Antriebsoption. Gerade bei Nutzfahrzeugen oder welchen, die auf ihnen basieren.
| Schnelle Daten | Citroën Berlingo XL Diesel 130 Max (2026) |
| Antrieb |
- 1,5-Liter-Vierzylinder-Turbo-Diesel - Frontantrieb |
| Getriebe | 6-Gang Handschaltung |
| Systemleistung / Drehmoment | 96 kW (131 PS) / 300 Nm |
| 0 - 100 km/h | 12,9 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 184 km/h |
| Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission | 5,6 l/100 km / 148 g/km |
| Basispreis | 31.570 Euro |
Die Vorteile sind nach wie vor dieselben: Eine große Reichweite, ein geringer Verbrauch und reichlich Drehmoment, um auch mal entspannt was ziehen zu können. Der 1,5-Liter-Diesel des Franzosen kommt mit 131 PS und 300 Nm Drehmoment. Nur 5,6 Liter sollen laut WLTP auf 100 Kilometer zusammenkommen. Bei 50 Litern Tankinhalt lässt es sich damit gut 850 Kilometer reisen.
Das klingt doch eigentlich noch immer angenehm. Gerade wenn ein Fahrzeug gesucht wird, das vor allem funktional ist. Der Berlingo ist eigentlich der Inbegriff von Funktionalität, hat er doch eine ganze Ära begründet: die der Hochdachkombis. Zudem ist er innerhalb des Stellantis-Konzerns Teil einer Großfamilie.
Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit
Karosserie/Design
Und in Großfamilien muss man manches Mal genauer hingucken, wer von den fünf Kindern jetzt eigentlich vor einem steht. Das ist ja im Profil oft gar nicht so einfach ... und von hinten erst. Jetzt dreh dich doch Mal um: Ah, massiver Doppelwinkel! Nicht Peugeot Rifter, Opel Combo, Fiat Qubo oder Toyota Proace City Verso, sondern Citroën Berlingo.
Eines der markanteren Gesichter dieser so vorbildlichen Plattformteilung. Die Nase steht fast plan im Wind. Die neue Generation trägt das auffällige Gesicht der C3, C4, C5 Familienmitglieder. Die Scheinwerfer tragen den doppelten Lidstrich und ... dann war es das auch schon. Oder wie es meine Schwester beschreibt: "Äääh", die Pause dazwischen dauerte eindeutig zu lange, "schööön!" Ja nee, is kla!
Der Franzose ist ein klassischer Kasten. Das ist vorwiegend praktisch, aber wenig prickelnd im Design. Vor 30 Jahren war er fast noch ein wenig charmanter. Es gibt halt nur wenige Möglichkeiten wie viel Raum auf vier Rädern aussehen kann. Der Design-Spielraum hört zudem nach der Front auf. Vor allem, wenn du Mitglied einer Großfamilie bist. Stellantis bindet da schon clever Ressourcen.
Unser Test-Kasten steht hier in der Fünfsitzer-XL-Version mit zwei praktischen Schiebetüren an den Seiten (die allerdings etwas zu krass einrasten und sich nur mit Kraft wieder öffnen lassen) auf 4,75 Metern Länge. Der ausladende Radstand von 2,98 Metern streckt ihn noch mal gewaltig, macht aber auch die Überhänge praktisch kurz. Aber mal ehrlich. Das Ding hier kauft sich niemand wegen der Optik. Also, schnell rein.
Innenraum
Gekauft wird er wegen seiner inneren Flexibilität. Und die ist als XL wahrlich gewaltig. Hinter der zweiten Reihe wartet eine voluminöse Fläche auf Nutzung. 1.050 Liter erstrecken sich durchs Heck, ohne dass man auch nur einen Finger rühren muss. Die drei Einzelsitze können jeder extra umgeklappt werden und ergeben eine ebene Fläche. Insgesamt stehen im Berlingo satte 2.693 Liter zur Verfügung.
Für einen über 1,90 Meter hohen Schrank reichte beispielsweise das Umklappen eines Sitzes. Wer kleine Kinder hat, die noch nen Kinderwagen benötigen, Campen fährt, ständig im Garten rumrödelt oder Hobbys mit ausladenden Utensilien hat, für den ist der Berlingo ein Traum. Hinzu kommen etliche Ablagefächer - auch über dem Fahrerhaus.
Der Sitzkomfort ist auf SUV-Niveau, die Ausrichtung des Armaturenbretts ist ebenfalls funktional. Wer fancy will, muss woanders suchen, hier ist alles praktikabel und vorwiegend aus Hartplastik gefertigt. Neben einigen physischen Tasten und einer höher gelegten Schaltkulisse steht ein überschaubares Infotainment-System zur Verfügung. Android Auto kann kabellos eingebunden werden. Allerdings hatten wir im Test mit einigen Ausfällen zu kämpfen. Zudem kam es zu Ton-Abstürzen und eingefrorenen Bildern.
Die großen Fensterfronten ermöglichen einen guten Rundumblick. Zudem kommt der Berlingo mit ausreichend großen Spiegeln. Die 4,75 Meter lassen sich daher auch visuell wunderbar rangieren, ohne eine Kamera an Bord haben zu müssen. Allerdings spiegelt sich das helle Kombidisplay des Nachts etwas zu krass im linken Seitenfenster.
| Abmessungen | Citroën Berlingo XL Diesel 130 Max (2026) |
| Länge x Breite x Höhe | 4.753 x 1.848 x 1.844 mm |
| Radstand | 2.975 mm |
| Kofferraumvolumen | 1.050 - 2.693 Liter |
| Leergewicht | 1.595 - 1.732 kg |
| Max. Zuladung | 483 - 620 kg |
| Max. Anhängelast | 1.250 kg |
| Max. Stützlast | 74 kg |
Antrieb/Fahreindrücke
Die gute Nachricht zuerst: Das hier ist weiterhin ein waschechter Citroën. Gediegen rollt er über die Straßen und lässt sich von kleinen Unebenheiten nicht aus der Ruhe bringen. Wer noch einen gewissen Komfort im Nutzfahrzeug haben will, sollte auf den Berlingo gehen. Andere sind da durchaus etwas rustikaler unterwegs. Lange Autobahnfahrten reißt der Franzose souverän ab, Kurven sollten natürlich gemächlich genommen werden.
Der Diesel werkelt hörbar nagelnd aber kräftig. Sowohl die drehmomentstarke Beschleunigung als auch die gute Elastizität im höheren Gang wirken sich auf den angenehmen Fahrkomfort aus. So kann man auch aus Baustellen schaltfaul agieren und trotzdem adäquat herausbeschleunigen. Vibrationen des Aggregats übertragen sich im untertourigen Bereich leicht auf den Innenraum. Hier erinnert der Berlingo mal kurz an seine Anpacker-Herkunft.
Die Assistenten halten sich angenehm zurück, lassen sich über einen physischen Knopf aber auch schnell abschalten. Auf Langstrecke zeigt sich vor allem der Spurhalte-Assistent als human.
Verbrauch/Preis
Mit 5,6 Litern Diesel auf 100 Kilometern im Schnitt befindet sich das Fahrzeug in Form eines langen Klemmbausteins natürlich absolut im Rahmen. Zudem treffen wir damit genau den WLTP-Wert – im Test allerdings mit hohem Autobahnanteil. Wer das Aggregat richtig knechtet, wird mehr verbrauchen, aber nicht erheblich mehr. Wer sich auf langen Reisen auf der 100-km/h-Marke einpendelt, kann sicher auch die Fünfer-Marke vorne knacken. Das macht der Berlingo wirklich gut.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Bei ständig steigenden Kraftstoffpreisen und schwindenden Verfügbarkeiten, muss vorab gerechnet werden, ob sich ein Diesel bei den Betriebskosten und den Steuern lohnt oder nicht eventuell ein Mehrpreis und ein, zwei Ladestopps auf Reisen eingeplant werden können, um unabhängiger zu werden. Die Reichweite beim Stromer: Leider nur magere 337 Kilometer. Aber auch 5,6 Liter sind bei optimistisch gerechneten 2,20 Euro pro Liter stolze 12,32 Euro auf 100 Kilometern.
Und dann gucken wir auf den Basispreis des Diesels und sehen in der Plus-Ausstattung als langer Fünfsitzer (XL) humane 28.970 Euro. Der e-Berlingo ist hier laut Liste zwar ganze 10.000 Euro teurer (38.620 Euro), mit Förderung und Bonusprogrammen relativiert sich diese Lücke jedoch recht schnell. Wem der kurze M reicht, der kriegt den kleinen Diesel schon ab 26.770 Euro, den Benziner für 26.170 Euro und den Stromer für ebenfalls überteuerte 37.620 Euro. Wie gesagt, rechnen Sie gut nach und schauen Sie nach (Leasing-)Angeboten.
Der Doppelwinkel soll nicht umhergefahren werden, aber die Form ist generell interessant? Versuchen Sie es mit den Diesel-Brüdern Peugeot Rifter (30.170 Euro), Opel Combo (28.190 Euro), Fiat Qubo (33.990 Euro) oder Toyota Proace City (27.953 Euro). Alle eventuell mit kleinen Nuancen in der Fahrdynamik. Oder setzen Sie wesentlich mehr Geld auf den Klassiker VW Caddy (39.561 Euro). Vielleicht ist aber auch der Dacia Jogger als Vollhybrid für 24.990 Euro eine sparsamere und spannende Alternative.
Fazit: 7/10
Der Citroën Berlingo Diesel macht nen absolut soliden Job. Er ist kraftvoll, sparsam und durchzugsstark und kombiniert seinen souveränen Antrieb mit einem geräumigen und flexiblen Aufbau. Da gibt's nichts dran zu rütteln. Finanziell hat er, gerade mit Förderung, jedoch keinen nennenswerten Vorteil mehr, gegenüber dem Stromer. Hier bleiben lediglich die Reichweite und die Zeitersparnis des Ladens die einzigen Argumente für den Diesel. Auch nach 30 Jahren ist der Berlingo nen toller Familienbegleiter. Ob unbedingt mit diesem Aggregat ist dann eine individuelle Frage.
Auch interessant
Audi A2, Smart Fortwo, Citroen 2CV: Comeback der Legenden
Abarth-Alfa Romeo 1300 Berlinetta (1959): Colani der Zeit voraus
Karmann Davis (2026): Trendstyle und Lifestyle bekommen mehr Platz
H&R-Tieferlegungen und Spurverbreiterungen für den Audi RS 5
Adria Twin (2026): Kult-Campervan komplett neu
Lamborghini Revuelto SV: Ein "super schneller" Stier mit 1.065 PS
Pössl zeigt einen der cleversten 640er-Grundrisse des Jahres