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Für eine persönlichere Erfahrung

Fiat Grande Panda 1.2 Turbo (2026) im Test: Pop ohne Show

Unterwegs im absoluten Basismodell mit 100-PS-Benziner und Schaltgetriebe

Fiat Grande Panda (2026) im Test
Bild von: Motor1.com Deutschland

Heutzutage werden Neuwagen immer teurer. Früher war das zwar anders, oft war ab Werk aber auch nur das inklusive, was die Behörden zwingend vorschrieben. Bestes Beispiel ist der heute so beliebte Fiat 500 ab 1957. Anfangs fand er kaum Käufer, denn er galt als zu spartanisch. Spitzname: "La Povera", die Arme.

Zum Turiner Autosalon im Herbst 1957 wurde ein stärkerer Motor präsentiert, der 11 kW (15 PS) leistete. Der kleine Fiat 500 war jetzt 90 km/h schnell. Nach einigen Monaten senkte man auch den Verkaufspreis, um den neuen 500er deutlicher vom Fiat 600 nach unten abzugrenzen. Käufer der ersten Stunde wurden sogar entschädigt. 

Bildergalerie: Fiat Grande Panda (2026) im Test

Der Fiat 500 war vor allem anfangs äußerst nackt. Die Scheiben in den Türen konnten nicht heruntergekurbelt werden, Frischluft kam nur durch die Ausstellfenster in den Türen und Luftschlitze im Frontblech, von denen Schläuche bis zu Klappen unter dem Armaturenbrett führten. Dafür hatten die frühen Versionen ein langes Faltdach, das sich bis zu den Kühlluftschlitzen über der Motorhaube öffnen ließ. 

Schnelle Daten Fiat Grande Panda 1.2 Turbo Pop (2026)
Antrieb Dreizylinder-Turbobenziner, 1.199 ccm
Getriebe Sechsgang-Schaltgetriebe
Leistung / Drehmoment 74 kW (100 PS) / 205 Nm
0 - 100 km/h 10,6 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h
Verbrauch (WLTP) / CO2-Emissionen 5,7 Liter/100 km, 131 g CO2/km
Basispreis 19.990 Euro

Warum ich Ihnen das alles erzähle? Weil die Basis des aktuellen Fiat Grande Panda auch auf Verzicht setzt. Einen so nackten Testwagen hatten wir schon lange nicht mehr. Aber der Reihe nach.


Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit


Karosserie/Design

Das optische Erscheinungsbild des Fiat Grande Panda ist geprägt von einer konsequenten Retro-Schiene, die recht unverstellt den Ur-Panda aus den 1980er-Jahren zitiert. Von den eckigen Scheinwerfern über den asymmetrischen Kühlergrill bis hin zur prägnanten Form der Heckleuchten werden Reminiszenzen an das historische Vorbild wach. Für Personen, die womöglich vergessen könnten, welches Modell sie fahren, wird der Modellname an sämtlichen Ecken und Enden direkt in das Blech gefalzt oder im Rahmen der äußeren Formgestaltung prägnant in Plastik gegossen.

Diese gestalterische Umsetzung wirkt durchaus eigenständig und sticht im Straßenverkehr heraus. In der Basisversion Pop bekommt die Kundschaft lediglich schlichte Stahlfelgen geliefert, was angesichts der Preisgestaltung als recht frech empfunden werden kann. Die schwarze Lackierung und die Nabenabdeckungen sorgen zwar dafür, dass die Räder (im Format 205/60 R16) optisch nicht allzu negativ auffallen und fast schon als nostalgisches Stilelement durchgehen, ein echter Gewinn ist das jedoch kaum.

Fiat Grande Panda (2026) im Test
Fiat Grande Panda (2026) im Test
Fiat Grande Panda (2026) im Test

Fiat Grande Panda (2026) im Test

Bilder von: Motor1.com Deutschland
Bilder von: Motor1.com Deutschland

Immerhin: Ohne Aufpreis gäbe es "Limone Gelb" als Lackierung, womit der Wagen gleich viel sympathischer wirkt. Gesetzte Farben stehen dem Grande Panda nicht. Trotz der kompakten Abmessungen mit exakt vier Meter Länge erweist sich das Einparken aufgrund der extrem breiten C-Säule ohne Rückfahrkamera als spürbare Herausforderung. Man muss sich hier in der Basis mit einfachen Parkpiepsern begnügen. 

Abmessungen Fiat Grande Panda 1.2 Turbo Pop (2026)
Länge x Breite x Höhe 3.999 x 1.763 x 1.586 mm
Radstand 2.540 mm
Kofferraumvolumen 412 - 1.386 Liter
Leergewicht 1.225 kg
Zuladung 475 kg
Anhängelast 600 kg

Innenraum

Beim Einstieg offenbart sich eine veritable Plastikwüste aus Hartplastik der einfachsten Sorte. Gewiss, man sitzt immer noch in einem Fiat, nicht in einem Bentley. Aber die Buchhalterausstattung "Pop" wirkt entgegen ihres Namens nackt und karg, wobei selbst Dekorelemente wie der Silberstreif am Schaltknauf lediglich aus einfachem Kunststoff gefertigt sind. Einzig der Klavierlack am Lenkrad sticht heraus, was das haptisch anstrengende Gefühl des schlichten Kunststoffkranzes jedoch kaum wettmacht.

Höchstens die Formensprache, der blau eingefärbte Kunststoff sowie die transparent-gelbe Einfassung der Mittelkonsole samt eingeprägtem Autoprofil setzen sympathische, kleine Akzente. Die Ergonomie lässt zu wünschen übrig: Die Sitzposition ist zwar angenehm hoch und erlaubt einen bequemen Einstieg, allerdings fehlt eine Höhenverstellung für den Fahrersitz völlig. Man kann den Sitz lediglich vor und zurück schieben sowie den Lehnenwinkel anpassen.

Fiat Grande Panda (2026) im Test
Fiat Grande Panda (2026) im Test
Fiat Grande Panda (2026) im Test

Fiat Grande Panda (2026) im Test

Bilder von: Motor1.com Deutschland
Bilder von: Motor1.com Deutschland

Ein modernes Infotainmentsystem sucht man vergebens, stattdessen dient eine fummelige und zu kleine Halterung zur Befestigung des eigenen Smartphones, welches dann zwingend als Navi, Radio und Entertainmentzentrale herhalten muss. Eine klassische Kofferraumbeleuchtung fehlt ebenso wie unterschäumter Kunststoff, Stoffeinlagen oder ähnliche Dinge, die etwas Glanz in die Hütte bringen würden. Aber Italiener fühlen sich offenbar angesprochen: Die Sprachlehrerin des Autors fand unseren Testwagen sympathisch.

Selbst wesentliche Sicherheitsmerkmale wie Kopfstützen in der zweiten Reihe fehlen im Basismodell gänzlich, was inakzeptabel ist. Immerhin sind das Platzangebot im Fond sowie die Beinfreiheit und Kopffreiheit ordentlich bemessen. Als Ablage dient vorne unter anderem ein einfaches offenes Fach anstelle eines geschlossenen Handschuhfachs. Positiv und ziemlich "grande" ist das Kofferraumvolumen: 412 bis 1.366 Liter sind mehr als anständig. Die Variabilität leidet jedoch unter einer lediglich einteilig umklappbaren Rücksitzlehne. 

Antrieb und Fahreindrücke

Unter der Haube verrichtet ein 1,2-Liter-Turbobenziner mit 100 PS und 205 Nm Drehmoment seinen Dienst. Der Benziner zeigt von unten heraus einen überraschend guten Durchzug und legt eine gewisse Drehfreude an den Tag. Die erwähnten 205 Newtonmeter sind für einen Kleinwagen wirklich viel Drehmoment. Zum Vergleich: Der 1.8 T im VW Golf IV hatte mit 150 PS einst kaum mehr auf der Pfanne.

Fiat Grande Panda (2026) im Test

Fiat Grande Panda (2026) im Test

Bild von: Motor1.com Deutschland

Im unteren Drehzahlbereich bleibt das Aggregat angenehm gedämmt und vergleichsweise leise. Auch bei höheren Geschwindigkeiten ab etwa 120 km/h bleibt es im Innenraum noch halbwegs leise.

Schalten muss der Fahrer vollkommen nach Gehör, da ein Drehzahlmesser im Cockpit schlichtweg nicht vorhanden ist. Die Schaltwege des Getriebes bieten zwar keine besonders knackige Rückmeldung, lassen sich aber  auch dank des ergonomisch gut geformten Schalthebels flüssig und präzise genug bedienen. Das Fahrwerk zeigt sich auf ordentlichen Straßen komfortabel federnd, reagiert auf Unebenheiten jedoch mitunter überraschend rumpelig. Sie werden zudem akustisch ins Fahrzeug übertragen.

Fiat Grande Panda (2026) im Test

Fiat Grande Panda (2026) im Test

Bild von: Motor1.com Deutschland

Die Lenkung erweist sich als arm an Rückmeldung und somit gewöhnungsbedürftig, macht das Auto im städtischen Umfeld aber zumindest wendig. Absolut katastrophal präsentiert sich die elektronische Verkehrszeichenerkennung: Mangels Kopplung an ein integriertes Navigationssystem fehlen der Bordelektronik offenbar wichtige Ortsdaten. Dies führt dazu, dass das System auf einer freien Autobahn grundlos auf Tempo 50 hinweist oder auf einer regulären Hauptverkehrsstraße energisch ein Tempolimit von 30 km/h fordert, was manch Fahrer durch dauerndes Gepiepe regelrecht in den Wahnsinn treibt.

Verbrauch und Preis

In Bezug auf den Kraftstoffdurst schlägt sich der Dreizylinder ordentlich: 5,7 Liter nennt Fiat als Werksangabe, wir kamen im Testmittel auf 6,5 Liter. Kein Glanzlicht, aber auch keine exzessive Trinkerei. 

Die Preisgestaltung steht jedoch in keinem nachvollziehbaren Verhältnis zum gebotenen Gegenwert. Mit einem Einstiegspreis von 19.990 Euro für die Basisvariante wird ein absurder Mondpreis aufgerufen. Wir raten schon aus optischen Gründen zur nächsthöheren Ausstattung "Icon" für 21.990 Euro, zudem gibt es erst hier Extras. Bucht man Pakete wie das Style/Winter-Paket für 1.500 Euro und das dann zwingende Tech-Paket für 1.250 Euro hinzu, klettert der Fahrzeugpreis rasch auf über 24.000 Euro.

In diesem Preissegment bietet der Markt eine Vielzahl an attraktiven Alternativen. Ein Dacia Sandero ist um ein Vielfaches günstiger. Mit 100-PS-Turbo, manuellem Getriebe, höchster Ausstattungslinie und Metallic-Lack liegt dieser bei 16.840 Euro. Auch ein Citroën C3 mit gleichem Motor wie der Grande Panda ist in höherer Ausstattung etwas günstiger als der Fiat. 

Fazit: 6/10

In der nackten Basisversion präsentiert sich der Grande Panda als automobilgewordene Tupperware – eine schlichte Plastikschüssel, die zu diesem Einstiegspreis schwer zu rechtfertigen ist und allenfalls absoluten Minimalisten genügt. Wer jedoch einen Blick auf die höheren Ausstattungsvarianten wirft, erlebt ein deutlich attraktiveres Gesamtpaket.

Das gilt in doppelter Hinsicht: Einerseits wird der Innenraum durch wertigere Materialien, modernere Infotainment-Optionen und sinnvolle Komfortfeatures spürbar aufgewertet. Unabhängig von der Ausstattungslinie weiß zudem der kräftige 100-PS-Basisbenziner zu überzeugen, der dem Wagen einen spritzigen Charakter verleiht.

Wer also nicht starr auf das karge Einstiegsmodell schielt, findet im Grande Panda ein charmantes Retro-Auto mit Charakter, das in den höheren Ausstattungen viel von seiner anfänglichen Tristesse ablegt. Und bei den Preisen gilt: Achten Sie auf Angebote ihres Händlers.