Unterwegs mit dem 120-PS-Benziner und DCT-Automatik

Nach Rio fahren ist dank Covid-19 aktuell eher weniger möglich. Aber im Rio fahren erfreut sich einer gewissen Beliebtheit. Seit 2017 ist die aktuelle Generation des Kia Rio auf dem Markt, vor kurzen wurde der stets fünftürige Kleinwagen überarbeitet. Wir sind das Resultat gefahren. Sind gravierende Änderungen feststellbar?

Was hat sich denn alles geändert?

Optisch nicht wirklich viel, auch wenn Kia das naturgemäß etwas anders sieht. Hier spricht man von "weiter ausgefeiltem Design". Der Kühlergrill in der Kia-typischen Form der "Tigernase" ist etwas schmaler und fokussierter als bisher, der tiefere, breitere Frontstoßfänger beinhaltet besonders markant gestaltete Nebelscheinwerfer.

Nun ja, merken würde man das wohl erst, wenn man direkt neben dem bisherigen Modell parkt. Ich kann festhalten: Ein "Facelifting" im wahrsten Wortsinne blieb aus, aber warum auch? Schließlich ist der Kia Rio immer noch nett anzusehen. 

Aus meiner Sicht etwas übertrieben wirkt die sportlich angehauchte Ausstattung "GT Line", die unser Testwagen hatte. Zu den charakteristischen Elementen gehören die Sportstoßfänger, hinten mit Diffusoroptik und Doppelrohrauspuff, sowie Nebelscheinwerfer mit jeweils vier LED-Spots. Hinzu kommen Seitenschweller, 17-Zoll-Leichtmetallfelgen mit speziellem Design, ein Kühlergrillrahmen in „Dark Chrome“ und verschiedene Karosseriedetails in Klavierlackschwarz.

Kia Rio GT-Line (2021) im Test

Durchaus schick zwar, aber die Rundum-Verspoilerung kostet Bodenfreiheit. Beim Einparken nach vorne muss man wie ein Schießhund aufpassen, dass der Bordstein nicht zu hoch ist. Meine Meinung: GT Line muss nicht unbedingt sein, es sei denn, man steht total auf diesen Look.

Aufgefrischt wurde auch die Farbpalette beim Rio: Zu den neun Lackierungen gehören die neuen Metallictöne Perennialgrau und Bathysblau. Die auffälligsten Neuerungen im Interieur sind die größeren Displays des Infotainmentsystems und der Instrumenteneinheit. An Armaturenbrett und Türen kommen zudem hochwertigere Kunststoffe zum Einsatz.

Moment mal. Hochwertigere Kunststoffe? Um ehrlich zu sein, habe ich davon nur wenig gemerkt. Es regiert (teils genarbtes) Hartplastik im Innenraum. Teilweise wirkt das billig und dem gar nicht so niedrigen Preis nicht angemessen. Auch in der Kleinwagen-Klasse geht das mittlerweile besser.

Kia Rio GT-Line (2021) im Test

Überhaupt wirkt der Rio in manchen Bereichen etwas angestaubt, was aber nicht immer von Nachteil sein muss. So behält er klassische analoge Instrumente, die Anzeige dazwischen wächst leicht von 3,5 auf 4,2 Zoll.  Gelungen ist auch der neue 20,2-cm-Touchscreen in der Mitte (8 Zoll, bisher 17,8 cm respektive 7 Zoll), der es in Sachen Mäusekino nicht übertreibt. Insgesamt geht die Bedienung gewohnt einfach von der Hand, daran sollte Kia unbedingt festhalten.

Das Platzangebot hingegen ist nur Mittelmaß, etwa im Vergleich zu den geräumigen Kleinwagen aus dem Volkswagen-Konzern. Doch auf die gibt der Hersteller keine sieben Jahre Garantie.

Wie fährt er sich?

Der von uns gefahrene Topmotor mit 120 PS Leistung bekommt zum Facelift ein wenig Elektro zur Unterstützung. Das Mildhybridsystem namens EcoDynamics+ beinhaltet eine 48-Volt-Batterie und einen Startergenerator, der beim Beschleunigen den Verbrennungsmotor unterstützt und beim Abbremsen, Bergabfahren oder Ausrollen unter bestimmten Bedingungen zur Stromerzeugung dient.

Darüber hinaus ermöglicht die 48-Volt-Technologie im Vergleich zu 12-Volt-Start-Stopp-Systemen längere Abschaltphasen des Verbrennungsmotors. Die Elektrifizierung reduziert die CO2-Emissionen der Topmotorisierung um rund zehn Prozent.

Kia Rio GT-Line (2021) im Test

Der 1,0-Liter-Turbobenziner, der auch in einer zweiten Variante mit 74 kW (100 PS) erhältlich ist, wurde ebenfalls optimiert und besitzt nun eine CVVD-Ventilsteuerung (Continuously Variable Valve Duration). Während die Leistung beider Varianten unverändert geblieben ist, entfaltet der 1.0 T-GDI 120 mit DCT jetzt ein maximales Drehmoment von 200 Nm, 16 Prozent mehr als bisher.

Doch nach den ersten Kilometern komme ich mir vor wie ein Parteichef in der Krise: Wo sind die 16 Prozent geblieben? Obwohl ich bei jedem Start den Normal-Fahrmodus auswähle, ist die Anfahrschwäche des 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe eklatant. Erst nach einer Gedenksekunde kommt der 120-PS-Motor in die Puschen. Und selbst dann fühlt er sich nicht nach 120 PS an. 10,3 Sekunden auf Tempo 100? Mir kam es langsamer vor, obgleich der präsente Dreizylinder durch kernigen Klang etwas anderes vorgaukelt.

Auch deshalb sollte man ruhig einen Blick auf den 100-PS-Turbobenziner werfen, der auch schon 172 Nm Drehmoment bereitstellt. Das Doppelkupplungsgetriebe wird nämlich künftig auch für den 1.0 T-GDI 100 angeboten, dessen serienmäßiges Schaltgetriebe nun sechs Gänge hat (bisher fünf).

Kia Rio GT-Line (2021) im Test

Der dritte Motor des Rio, der 1,2-Liter-Saugbenziner mit 62 kW (84 PS), wurde im Zuge der Überarbeitung übrigens mit einem Dual-Port-Einspritzsystem ausgestattet. Alle Motorisierungen des neuen Modelljahrgangs erfüllen die neueste Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM, die ab Januar 2021 für Neufahrzeuge verbindlich wird.

Zurück zum von uns getesteten Rio mit 120 PS: Ich erwähnte bereits den kernigen Klang des Motors. Er passt zwar zur sportlichen Note von Lenkung und Fahrwerk. Doch es gibt Defizite im Bereich NVH (Noise, Vibration, Harshness). Ein Leisetreter ist der Motor nicht, oberhalb von 140 km/h fallen die Windgeräusche negativ auf. Das "Popometer" meldet zudem eine unruhige Hinterachse.

Stichwort Assistenzsysteme: Zum Modelljahr 2021 kommen je nach Ausführung und Sonderausstattung weitere Hightech-Helfer sowie neue aktive Eingriffsmöglichkeiten hinzu. Für die Automatikversionen werden eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage sowie Totwinkelwarner und Querverkehrwarner mit Bremseingriff angeboten.

Erhältlich sind zudem unabhängig von der Getriebeart eine Verkehrszeichenerkennung für Geschwindigkeitsbegrenzungen und ein neuartiger Ablenkungswarner bei stehendem Verkehr: Reagiert der Fahrer nicht, wenn sich das vorausfahrende Fahrzeug in Bewegung setzt, macht ihn das System durch einen Warnhinweis darauf aufmerksam. Ob es sowas wirklich gebraucht hat?

Was kostet er?

Gar nicht einmal so wenig, wie wir gleich sehen werden. Zunächst noch ein schneller Blick auf unseren Testverbrauch: 7,1 Liter im Normal-Modus. Einen wirklichen Nutzen hat die 48V-Technik also nicht erbracht. Mindestens 23.700 Euro kostet der Kia Rio mit 120 PS und Automatik, weil es diese Kombination erst ab der üppig ausgestatteten "GT Line" gibt. Für die "Platinum Edition" werden sogar 25.100 Euro fällig. In beiden Fällen bekommt man schon einen größeren Ceed. Und zwar nicht die Basis. 

Der Aufpreis für die Automatik beträgt übrigens beim 120-PS-Rio 1.350 Euro. Unser Tipp: Wenn Rio mit 120 PS, dann als Handschalter. Oder Sie werfen einen Blick auf die 100-PS-Variante als "Vision". Bei dieser Ausstattung ist unserer Meinung nach das Preis-Leistungsverhältnis am Besten.

Fazit: 7/10

Der überarbeitete Kia Rio ist kein schlechtes Auto. Aber die Jahre sind nicht gerade gnädig an ihm vorbeigegangen. Die Kleinwagen-Konkurrenz, selbst die interne in Gestalt des neuen Hyundai i20, macht mittlerweile vieles besser. Und selbst beim Preis kann der Kia nur bedingt punkten.

Bildergalerie: Kia Rio GT-Line (2021) im Test

Bild von: Fabian Grass

Kia Rio 1.0 T-GDI (88 kW) GT Line (2021)

Motor Dreizylinder-Turbobenziner mit 48-Volt-Technik, 998 ccm Hubraum
Leistung 88 kW (120 PS) bei 6.000 U/min
Max. Drehmoment 200 Nm von 2.000 - 3.500 U/min
Getriebeart 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Antrieb Frontantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 10,3 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 190 km/h
Länge 4.070 mm (GT Line)
Breite 1.725 mm
Höhe 1.450 mm
Kofferraumvolumen 325 - 1.103 Liter
Leergewicht 1.230 - 1.328 kg
Zuladung 450 kg
Anhängelast 900 kg
Verbrauch 4,7 Liter/100 km (WLTP umgerechnet auf NEFZ)
Emission 108 g/km CO2, Euro 6d-ISC-FCM
Basispreis 23.700 Euro