Wie schlägt sich der kompakte Blitz im Alltag?

Seit geraumer Zeit begleitet uns ein Opel Astra 1.2 Turbo in Argon-Silber, amtliches Kennzeichen GG-OA 408, durch den Redaktionsalltag. Immer wenn Fotos oder Videos anstehen, ist er zur Stelle. Welche Eindrücke haben sich bislang angesammelt? Meist subjektiver Natur natürlich und so verschieden, wie unser Team von Motor1.com Deutschland ist. 

Interessanterweise stießen wir beim Betrachten "unseres" Astra auf einen kuriosen Fakt: Unser Kollege Stefan Leichsenring hatte das gleiche Fahrzeug bereits im Testbericht. Aber das muss ja kein Schaden sein, ganz im Gegenteil: Noch mehr Eindrücke zum Abgleich.

in einem Punkt sind wir uns alle einig: Der Opel Astra ist geräumig. 370 bis 1.210 Liter Gepäck passen in den Kofferraum. Allerdings misst der Fünftürer auch durchaus stattliche 4,37 Meter in der Länge. Im Cockpit findet man sich schnell zurecht. Seit der Modellpflege 2019 gibt es im Astra teildigitale Instrumente. Gut ist aber, dass Opel hier (noch nicht) alle Knöpfe in Touchscreens versteckt hat. Man mag sich darüber mokieren, dass der Astra relativ viele Schalter hat. Im Gegenzug muss man aber kaum etwas in irgendwelchen versteckten Menüs suchen. 

Schön auch: Der 7-Zoll-Touchscreen ist fein integriert, weshalb die Oberkante des Armaturenbretts angenehm niedrig liegt und für gute Sicht nach draußen sorgt. Apropos Sicht: Optional hat der Astra eine beheizbare Windschutzscheibe. Zu Recht bemängelt wurden die wenigen Ablagen, es gibt auch einen Dosenhalter zwischen den Sitzen. 

Opel Astra (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Auch die nicht ganz premiöse Materialanmutung wurde schon 2019 bemängelt, speziell im Bereich der Türen und der Mittelkonsole. Da ist was dran, aber man kann damit leben, zumal etwas Chrom den Innenraum aufpeppt. Und schließlich ist ein Astra weitaus günstiger als ein Audi A3. 

Erstaunlich geteilt sind die Meinungen zu den ergonomischen Aktiv-Sitzen (gemeinhin AGR-Sitze genannt) für Fahrer und Beifahrer. Die einen mögen sie ohne Vorbehalte, die anderen bemängeln eine zu dünne Polsterung und Unbequemheit speziell beim Beifahrersitz. Kaufinteressenten sollten also zur Sicherheit im Autohaus eine Sitzprobe machen. Richtig gut, insbesondere im Sommer, ist die Sitzbelüftung vorne. Im Fond gibt es optional eine Sitzheizung.

Opel Astra (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Das Navigationsystem "Multimedia Navi Pro" kostet 900 Euro extra und ist einfach zu bedienen. Kritisiert wurde aber die Neigung des Systems, einen fast immer über die Autobahn zu führen, selbst wenn der Weg deutlich länger wird. Noch deutlich optimierbar ist die Spracheingabe: Ein Kollege befand in dieser Hinsicht seinen Opel Insignia A für besser.

Wie fährt sich unser Astra? Opel hat mit der Modellpflege die Benziner umgestellt, es sind nun fast allesamt Leistungsstufen eines neu entwickelten (und nicht mit PSA verwandten) 1,2-Liter-Turbomotors. Wir haben 130 PS unter der Haube, dazu bemerkenswerte 225 Newtonmeter Drehmoment. 

Opel Astra (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Doch diese 225 Newtonmeter stehen erst ab 2.000 Umdrehungen bereit, was man im Alltag spürt. Darunter gibt sich der Motor unwillig, besonders beim Anfahren ist Geschick gefragt. Dazu passt das etwas seltsame Start-Stopp-System: Zum Neustart müssen Kupplung und Bremse getreten werden.

Die manuelle Sechsgang-Schaltung weist etwas lange Wege auf, gibt sich sonst aber unauffällig. Schade, dass keine Automatik im Angebot ist, sie würde gut zum Motor passen. Lediglich den Topbenziner mit 145 PS gibt es optional mit stufenlosem CVT-Getriebe.

Opel Astra (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Versprochen wird seitens Opel "reichlich Fahrkomfort mit minimaler Geräuschentwicklung". So reduziert unter anderem eine gegenläufige Ausgleichswelle im Motorblock mögliche Vibrationen. Tatsächlich gefällt die Laufruhe des Dreizylinders, ab etwa 120 km/h mischen sich aber Windgeräusche darunter. 

Die elektrische Lenkung sorgt für unterschiedliche Eindrücke zwischen "in der Mittellage indirekt" und "gut austariert". Kollege Leichsenring schrieb 2019: "Das Fahrwerk ist auf manchen Oberflächen vielleicht ein kleines bisschen zu hart, geht aber völlig in Ordnung. Auch die etwas indirekte Lenkung stört mich nicht."

Opel Astra (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Beim Fahrwerk hat er recht, sensiblen Naturen kommt es ruppig oder holprig vor, speziell an der Hinterachse. Hier könnte sich ein wenig Experimentieren mit diversen Reifenfabrikaten lohnen. Ein adaptives Fahrwerk bietet Opel für den Astra nicht an. Einen adaptiven Tempomaten hat unser Testfahrzeug nicht. Leider gibt es diese Option nur für den Top-Benziner im Paket für 800 Euro und anderen zwingenden Extras. Hier sollte Opel mehr Flexibilität walten lassen, zumal selbst Kleinwagen mit ACC daherkommen. 

Insgesamt gefällt der Opel Astra als ausgewogener Gegenpol in Zeiten, in denen Kompaktwagen zum Smartphone mit zufällig anwesendem Motor mutieren. "Wo bleiben die Emotionen?" schrieb ein Kollege ins Test-Tagebuch. Der ausgereifte Altmeister Astra regt vielleicht nicht an. Aber er regt einen auch nicht auf. Und das ist besonders im Alltag eine Eigenschaft, auf die Opel stolz sein kann. Wie sagt Hans Sachs noch gleich in "Die Meistersinger von Nürnberg"? Verachtet mir die Meister nicht!

Bildergalerie: Opel Astra (2020) im Motor1-Dauertest, Teil 2

Opel Astra 1.2 Turbo (130 PS) Fünftürer GS Line

Motor Dreizylinder-Turbobenziner, 1.199 ccm, mit Otto-Partikelfilter
Leistung 96 kW / 130 PS bei 5.500 U/min
Max. Drehmoment 225 Nm bei 2.000–3.500 U/min
Getriebeart Sechsgang-Schaltung
Antrieb Frontantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 9,9 Sek.
Höchstgeschwindigkeit 215 km/h
Verbrauch 4,3 Liter/100 km (Werksangabe, WLTP)
Emission 99 Gramm CO2/km, Euro 6d
Länge 4.370 mm
Breite 1.871 mm
Höhe 1.485 mm
Kofferraumvolumen 370–1.210 Liter
Leergewicht 1.280 kg
Zuladung 525 kg
Anhängelast 1.350 kg (gebremst, 12% Steigung)
Basispreis 23.150 Euro (mit 19 Prozent Mehrwertsteuer)
Preis des Testwagens 33.485 Euro (mit 19 Prozent Mehrwertsteuer)