Wie viel Sprit braucht der Dreizylinder im realen Straßenverkehr?

Werden Dieselautos in Zukunft bald komplett aus den Preislisten gestrichen? Die gesunkene Nachfrage und immer strengere Abgasgrenzwerte für Partikel und Stickoxide scheinen es nahezulegen. Aber es gibt noch Hoffnung für Diesel-Fans.

Trotz diverser Fahrverbote für Diesel gibt es Hersteller, die weiter Dieselautos bauen, und Autofahrer, die sich darüber sehr freuen. So bietet Opel im jüngst gelifteten Astra sogar einen neuen 1,5-Liter-Diesel mit 122 PS an. Diese Dreizylinder-Version ist der Protagonist unseres neuen Verbrauchstests.

Der Opel Astra 1.5 Diesel mit 122 PS und Sechsgang-Handschaltung erzielte ein wirklich herausragendes Ergebnis: Er brauchte nur 3,15 Liter/100 km. Das entspricht derzeit (deutschen) Spritkosten von 3,31 Euro/100 km.

Im Ranking der Verbrauchstests landet der Astra 1.5 Diesel auf dem ersten Platz in der Diesel-Kategorie. Dabei schließt diese Kategorie sogar Hybride und Plug-in-Hybride ein, und auch das Plug-in-Diesel-Modell Mercedes E 300 de war mit 3,45 Liter nicht so sparsam wie der Opel.

Auch viele andere Effizienz-Champions werden vom Opel Astra 1.5 Diesel geschlagen, so der (in Deutschland nicht angebotene) Toyota Prius AWD-i (3,20 Liter) mit Benzin-Hybrid-Antrieb und der Citroen C3 BlueHDi 100 (3,28 Liter).

[Anmerkung des Übersetzers: Unser Ranking enthält nur die ins Deutsche übersetzten Verbrauchstests. Im Ranking unserer italienischen Kollegen landet der Astra auf Platz fünf aller getesteten Wagen, also einschließlich Benziner, Diesel, Hybride und Plug-in-Hybride.

Nach der (italienischsprachigen) Tabelle von Fabio Gemelli noch sparsamer als der Astra waren zum Beispiel der (kleinere) Mazda 2 1.5 Skyactiv-D (3,10 Liter) und der Mercedes A 180 d (3,00 Liter). Auch zwei Benzin-Plug-in-Hybride waren noch sparsamer, nämlich der Hyundai Ioniq Plug-in-Hybrid (2,90 Liter) und der Toyota Prius Plug-in-Hybrid (2,50 Liter).]

Opel Astra restyling 2019
Opel Astra restyling 2019

Der Opel Astra mit dem 122-PS-Diesel liefert auch in unseren sonstigen Tests rekordverdächtige Ergebnisse. So benötigte er im Zentrum von Rom nur 5,7 Liter/100 km, was eine der besten Leistungen unter nicht elektrifizierten Verbrenner-Autos überhaupt ist. Die 3,9 Liter/100 km im gemischten Verkehr inner- und außerorts sind ebenfalls fast ein neuer Rekord, und selbst bei Fahrten auf der (italienischen) Autobahn bleibt der Astra unter 4,6 Liter/100 km.

Opel Astra restyling 2019

Bei unseren Tests zum minimalen und zum maximalen Spritverbrauch schlägt sich der Diesel-Astra ebenfalls hervorragend. Bei extrem sparsamer Fahrweise erreichte er einen Durchschnitt von 2,8 Liter/100 km, der maximale Verbrauch lag bei 14,3 Liter/100 km. Am Ende unserer Testfahrten von insgesamt fast 900 Kilometer meldete der Bordcomputer einen Durchschnitt von 4,0 Liter/100 km.

Daten

Fahrzeug: Opel Astra 1.5 Diesel (122 PS) mit Sechsgang-Schaltung
Testdatum: 22. Mai 2020
Wetter (Abfahrt/Ankunft): heiter, 32 Grad / heiter, 28 Grad
Insgesamt gefahren: 898 km
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 83 km/h
Reifen: Continental EcoContact 6 - 225/45 R17

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer-Anzeige: 3,2 Liter/100 km
An der Zapfsäule bestimmter Verbrauch: 3,1 l/100 km
Mittel aus diesen Werten: 3,15 Liter/100 km
Kraftstoffpreis: 1,05 Euro/Liter (Diesel)
Kraftstoffkosten: 3,31 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat seine Tankrechnungen aufbewahrt und sich daraus einen Verbrauch errechnet.

Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna).

Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr.

Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule.

Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung).

Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und einen durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro kWh (gerundeter Durchschnittspreis für 1 kWh Haushaltsstrom in Deutschland laut BDEW, Stand 7/2019). Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.

Bildergalerie: Opel Astra Facelift (2019)