Wie viel Sprit braucht der neue Allrad-Prius?

Stellen Sie sich für einen Moment vor, dass es eine (vielleicht nicht allzu große) Gruppe von Autofahrern geben könnte, die mehr an der Sparsamkeit des Autos interessiert sind als an jedem anderen Aspekt. Versuchen Sie nun, sich das perfekte Auto für diese Verbraucher auszudenken. Wenn Ihnen nichts eingefallen ist, hier ist ein Tipp: der Toyota Prius AWD-i. Wir haben die neue Version mit Allradantrieb in unseren Verbrauchstest geschickt, um zu sehen, wie viel Sprit der Wagen im realen Straßenverkehr benötigt.

Auf unser 360 Kilometer langen Standardstrecke von Rom nach Forlì zeigt der Japaner seine Sparsamkeit und stellt gleich zwei Rekorde auf. Mit 3,20 Liter/100 km ist der neue Prius AWD-i das sparsamste Vollhybrid-Auto überhaupt und außerdem das sparsamste Allradfahrzeug. Die Spritkosten auf Basis des derzeitigen deutschen Durchschnittspreises liegen damit bei 4,83 Euro/100 km.

Mit diesem außergewöhnlichen Ergebnis belegt der Toyota Prius AWD-i auch den fünften Platz im Gesamtranking unseres Verbrauchstests. Er liegt hinter den besten Plug-in-Hybriden und des überraschend sparsamen Mercedes A 180 d, der auf 3,00 Liter/100 km kam.

Toyota Prius AWD-i 2019

Die 3,20 Liter des neuen Allrad-Prius übertrifft auch die Ergebnisse des frontgetriebenen Vor-Facelift-Prius (3,46 Liter), des Lexus CT Hybrid (3,88 Liter), des brandneuen Toyota Corolla 1.8 Hybrid (3,90 Liter) und des Hyundai Ioniq Hybrid (3,95 Liter). Auch das bisher effizienteste Allradmodell, der BMW X2 xDrive 25d, war mit 4,30 Liter deutlich schlechter.

Der Toyota Prius AWD-i wird in Italien ab Juni 2019 der Preisliste hinzugefügt. [Anm. des Übersetzers: Wann das Auto ach Deutschland kommt, wurde noch nicht mitgeteilt.] Der Neuling besitzt das gleiche Hybridsystem aus 1,8-Liter-Benziner, einem Elektromotor und 122 PS Systemleistung wie der Fronttriebler, doch kommt ein zweiter Elektromotor an der Hinterachse hinzu. So ergibt sich ein Allradantrieb, der beim Start aktiviert wird. Über 10 km/h kehrt der Prius AWD-i zum reinen Frontantrieb zurück. Der elektrische Hinterradantrieb wird jedoch bei Geschwindigkeiten bis 70 km/h reaktiviert, wenn die Sensoren eine ungenügende Traktion erkennen.

Toyota Prius AWD-i 2019

Abgesehen vom Antrieb erhält der Prius des Modelljahres 2019 nur Detail-Modifikationen. Dazu gehören außen andere Scheinwerfer, innen schwarze Pianolack-Oberflächen. Dazu kommt eine größere Fläche für das drahtlose Aufladen von Smartphones und die Sicherheitssysteme von Toyota Safety Sense.

Toyota Prius AWD-i 2019

Rekordverdächtig oder zumindest auf Top-Niveau für Autos, die man nicht aufladen kann, ist auch der Verbrauch in einzelnen Fahrsituationen. Das auffälligste Beispiel ist der Einsatz im römischen Verkehr, wo der japanische Hybrid auf einen außergewöhnlichen Wert von 4,6 Liter/100 km kam und damit das Ranking anführt.

Mit 3,7 Liter/100 km im gemischten Stadt- und Außerortsverkehr steht der Allrad-Prius ebenfalls an der Spitze seiner Kategorie, während der Verbrauch auf der Autobahn auf den immer noch ausgezeichneten Durchschnitt von 4,9 Liter steigt. Außergewöhnlich niedrig ist auch der Verbrauch in den beiden Extremtests: Bei konstant 60 bis 70 km/h ergaben sich 2,5 Liter, maximal verbrauchte der Wagen 17,5 Liter, ein absoluter Rekord für unseren "Bergtest" mit starkem Gaseinsatz. Am Ende der insgesamt 900 gefahrenen Kilometer verzeichnete der Bordcomputer einen Durchschnittsverbrauch von 4,0 Liter und liegt damit an zweiter Stelle hinter dem Mercedes A 180 d.

Daten

Fahrzeug: Toyota Prius AWD-i
Testdatum: 7. Juni 2019
Wetter: heiter, 33 Grad
Insgesamt gefahren: 907 km
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 79 km/h
Reifen: Bridgestone Turanza T002 - 215/45 R17

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer-Anzeige: 3,4 l/100 km
An der Zapfsäule ermittelter Verbrauch: 3,0 l/100 km
Mittel aus diesen Zahlen: 3,20 Liter/100 km
Kraftstoffpreis: 1,51 Euro/Liter (Super E10)
Kraftstoffkosten: 4,83 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat seine Tankrechnungen aufbewahrt und sich daraus einen Verbrauch errechnet. Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna). Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr. Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule. Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung). Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und den durchschnittlichen Strompreis von deutschen Haushalten, wie von www.stromauskunft.de angegeben. Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.

Bildergalerie: Toyota Prius AWD-i (2019)