Vergessene Studien: Bertone Emotion (1991)
Das Konzept interpretierte den Lotus Esprit mit einem puristischen Stil neu
Wir schreiben das Jahr 1991, als Bertone auf der Detroit Motor Show ein Concept Car präsentierte, das mit seinem unkonventionellen Stil für Aufmerksamkeit sorgte. Es trug den Namen Emotion und war ein Prototyp, der auf der technischen Basis des damals schon 15 Jahre alten Lotus Esprit entstand. Lotus war damals Teil des General-Motors-Konzerns.
Das Projekt bestätigte eine bereits etablierte Zusammenarbeit zwischen Bertone und dem US-Konzern, nachdem die Concept Cars Ramarro (1984) und Nivola (1990) vorgestellt worden waren, beide angetrieben vom Motor der Chevrolet Corvette.
Der Bertone Emotion basierte technisch vollständig auf dem Fahrgestell des damals aktuellen Lotus Esprit. Obwohl das Konzeptfahrzeug den identischen Radstand von 2,45 Metern aufwies, unterschieden sich die Proportionen maßgeblich vom Ausgangsmodell. Mit einer Gesamtlänge von lediglich 4,06 Metern war der Emotion extrem kompakt gestaltet und wies sehr kurze Überhänge auf.
In seinen gestalterischen Dimensionen erinnerte das Mittelmotor-Coupé an historische Bertone-Klassiker wie den Lancia Stratos oder den Lamborghini Bravo. Das Design zeichnete sich durch eine bewusste Abkehr vom damals populären "Biodesign" aus und setzte stattdessen auf eine strenge, minimalistische Linienführung ohne stilistische Exzesse.
Lancia Stratos
Lamborghini Bravo
Eine nahezu horizontale Gürtellinie, flächenbündige Verglasungen und eine keilförmige Front prägten das Erscheinungsbild. Ein besonderes Gestaltungsmerkmal war die Fenstergrafik: Die Seitenfenster verengten sich nach hinten hin stark, was in einer spitz zulaufenden Heckscheibe mündete und dem Dach eine markante, dreieckige Form verlieh. Zudem verfügte die Studie über einen geschwindigkeitsabhängigen, ausfahrbaren Heckspoiler.
Hinter den Kulissen der Entwicklung gab es hartnäckige Gerüchte bezüglich der Entstehungsgeschichte des Designs. Es wurde spekuliert, dass der Entwurf ursprünglich von Nuccio Bertone als Designvorschlag für den kommenden Supersportwagen Bugatti EB110 eingereicht, dort jedoch abgelehnt worden war. Daraufhin adaptierte das Studio die Formsprache für das Lotus-Chassis, in der Hoffnung, Lotus für einen potenziellen Nachfolger des Esprit zu begeistern.
Lotus Emotion Concept (1991)
In der Realität handelte es sich bei dem in Detroit gezeigten Exponat um ein rein statisches Modell ohne Funktion. Rein theoretisch war das Konzept jedoch für den Einbau des Lotus-Serienantriebs vorgesehen. Dabei handelte es sich um den bewährten 2,2-Liter-Vierzylinder-Benziner mit Turboaufladung und Ladeluftkühlung ("Chargecooler"), der eine Leistung von 268 PS sowie ein maximales Drehmoment von 354 Newtonmeter lieferte.
Die Kraftübertragung sollte über ein manuelles Fünfgang-Schaltgetriebe an die Hinterräder erfolgen. Auf dem Papier wurden für das leichte Coupé sportliche Fahrleistungen errechnet: Der Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde sollte in exakt fünf Sekunden erfolgen, während die theoretische Höchstgeschwindigkeit mit 273 Kilometern pro Stunde beziffert wurde. Zu einer Serienfertigung oder einer Weiterentwicklung des Konzepts kam es jedoch nie.
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