Nach Toyota glaubt auch Volkswagen, zu viele Modelle zu haben
Der Automobilgigant will die Komplexität reduzieren und sich auf weniger Modelle konzentrieren, die höhere Stückzahlen generieren
Das Sparprogramm des Volkswagen-Konzerns läuft auf Hochtouren. Allein 2025 wurden die Werkskosten an den deutschen Standorten um mehr als 20 Prozent gesenkt. Bis Ende des Jahrzehnts sollen konzernweit bei Volkswagen, Audi, Porsche und der Software-Tochter CARIAD bis zu 50.000 Stellen wegfallen. Vereinbarungen für mehr als 28.000 Beschäftigte sind bereits unterzeichnet.
Doch selbst das reicht offenbar noch nicht aus, um den Autoriesen in ein schlankeres, effizienteres Unternehmen zu verwandeln.
Auf der Hauptversammlung in dieser Woche skizzierte der VW-Konzern die nächste Phase seines Transformationsprozesses. Der Plan umfasst acht zentrale Initiativen – und die erste zielt darauf ab, die Komplexität im Portfolio zu reduzieren. Ähnlich wie Toyotas Bestreben, eine weit ausufernde Modellpalette zu straffen, will der deutsche Konzern weniger Modelle und Varianten bauen. Ziel ist es, stärker auf volumenstarke Produkte zu setzen, also auf das, was sich am besten verkauft – statt eine Vielzahl von Modellen mit nur mittelmäßiger Performance im Programm zu halten.
„Komplexität reduzieren. Volkswagen will die Orientierung im Modell- und Variantenangebot erleichtern und noch gezielter auf die Erwartungen der Kunden in den Regionen eingehen. Das soll höhere Stückzahlen pro Modell ermöglichen.“
Audi A1
Audi Q2
Weniger Plattformen, weniger Produktionsüberkapazität
Die zweite Initiative ist eine direkte Folge der ersten. Der VW-Konzern plant außerdem, die Zahl der Plattformen und elektronischen Architekturen zu verringern. Das soll Kosten senken, die Komplexität reduzieren und die Fahrzeugentwicklung beschleunigen. Der dritte Schritt hängt ebenfalls eng damit zusammen: Das Unternehmen will Überkapazitäten in Werken abbauen, in denen die Nachfrage nach den dort produzierten Fahrzeugen nicht mehr zur Auslastung passt.
Die vollständige Liste findet sich auf der Website des Unternehmens. Wenn alles nach Plan läuft, rechnet der VW-Konzern bis 2030 mit jährlichen Nettokosteneinsparungen von mehr als 6 Milliarden Euro. Zugleich räumt CEO Oliver Blume ein, „die Lage bleibt herausfordernd“, zeigt sich aber optimistisch mit Blick auf das, was vor dem Unternehmen liegt.
Altes raus, Neues rein
Welche Modelle überleben und welche vor dem Aus stehen, lässt sich zwar noch nicht seriös sagen – erste „Opfer“ gibt es jedoch bereits. Audi hat jüngst A1 und Q2 eingestellt, während Volkswagen den in die Jahre gekommenen Touran aus dem Programm genommen hat. 2027 wird zudem auch das T-Roc Cabriolet aus der Modellpalette verschwinden.
Das heißt allerdings nicht, dass der VW-Konzern seine Produktoffensive drosselt. Im vergangenen Jahr brachte das Unternehmen mehr als 30 neue Modelle auf den Markt und will 2026 weitere 20 einführen. Einige davon haben wir bereits in diesem Jahr gesehen, darunter ID. Polo, Cupra Raval, Skoda Epiq und Audi A6 Allroad. Später in diesem Jahr soll der Audi A2 offiziell als elektrisches Einstiegsmodell zurückkehren. Gleichzeitig steht Skoda nur wenige Tage davor, sein siebensitziges Elektro-SUV Peaq zu enthüllen – in der Produktplanung bleibt also weiterhin viel in Bewegung.
Volkswagen T-Roc Cabriolet (2022)
Motor1 meint: Der VW-Konzernchef nimmt kein Blatt vor den Mund: „Die nächsten Jahre sind entscheidend.“ Ob sich diese umfassende Transformation auszahlt, bleibt abzuwarten – die aggressiven Restrukturierungsmaßnahmen dürften die Kosten im gesamten Unternehmen jedoch spürbar senken und das Ergebnis verbessern.
Wie immer ist das wichtigste Element jedes Geschäftsplans das Produkt – und davon ist bei allen Marken reichlich in der Pipeline. Nicht alles, was heute im Angebot ist, wird bleiben: Der VW-Konzern prüft genauer, was funktioniert, um zu entscheiden, was bleibt und was gehen muss.
Auch interessant
VW ID. Buzz wird zum Camper: Gute-Nacht-Paket kostet 2.600 Euro
Das schnellste Lego-Auto aller Zeiten ist ein Koenigsegg
VW California und Multivan (2026): Bulli-Facelift mit neuem Cockpit
Wie baut BMW eine neue Alpina-Limousine? Was wir bisher wissen
Verbrenner-Zukunft: VW Taigo bleibt bis in die 2030er-Jahre
KGM Musso (2026): Neuer Pick-up kommt auch als Langversion
VW Caddy Facelift (2026): Erster Blick ins neue Cockpit