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GWM Wey 03 im Test (2026): Premium-Angriff noch einmal vertagt

Der Chinese setzt den Fokus auf den Fahrgastraum, schwächelt aber bei Fahrwerk und Software. Lohnt sich der Plug-in-Hybrid dennoch?

GWM Wey 03 (2026) im Test
Bild von: Motor1.com Deutschland

Wer im Internet nach Wey sucht, stößt auf unterschiedliche Übersetzungen. Während die Google-KI ein umgangssprachlich mexikanisch Spanisches Wort für "Dude", "Bro" oder das deutsche "Alter" gefunden haben will, gibt der Übersetzer Wey als somalisch für "Es ist groß" aus. Letzteres würde tatsächlich passen, denn als ich eine Freundin das erste Mal mit dem 03 einsammle, entgleist ihr ein: "Is' der hoch, wie sollich da denn rein?"

Als Marke von Great Wall Motor würde das Groß ebenfalls treffend passen, aber die tatsächliche Antwort ist wieder einmal viel langweiliger. "Wey", so Wikipedia, "leitet sich vom Namen des Gründers, Wei Jianjun, des Herstellers GWM ab". Warum ich das so ausschweifend erzähle? Eine Gegenfrage: Wie viele Weys haben Sie bisher auf der Straße gesehen? 57 Wey 03 sollen es 2026 bisher gewesen sein. Genau deshalb trägt unser Testwagen, der GWM Wey 03, auch einen QR-Code in der Seitenscheibe: für weitere Informationen, falls jemand Interesse haben sollte.

Bildergalerie: GWM Wey 03 (2026) im Test

Meinen Gesichtsausdruck können Sie sich vermutlich vorstellen, als ich den 03 das erste Mal zum Einkaufen ausführe und in unmittelbarer Nähe einen weiteren, älteren Wey sehe (vermutlich ein Coffee 01). Da scheint sich tatsächlich jemand in Bochum mit der erst in 2016 entstandenen Marke auseinandergesetzt zu haben. Sachen gibt's!

Aber zurück zu Wey (übrigens eher wie ein Ausruf der Freude ausgesprochen als dem englischen "why" ähnelnd): Erst 2022 kommen die nach Europa – mit dem Auftrag zur Perfektion im Koffer: "Das Streben nach Perfektion ist Ausdruck unserer inneren Überzeugung", steht da in der Broschüre zum Wey 03. Anders als Haval und Ora will man hier also nicht im unteren bis mittleren Budget-Bereich nach Interessenten fischen, sondern direkt die Premiumklasse angreifen.

Schnelle Daten GWM Wey 03 Luxury AWD (2026)
Antrieb 1.998 ccm Turbo-Benziner + 2 E-Motoren (Vorder- und Hinterachse), Allradantrieb
Getriebe 9-Gang-DCT
Systemleistung / Drehmoment 325 kW (442 PS) / 685 Nm
0 - 100 km/h 5,3 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h
Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission

25,1 kWh + 0,5 Liter (8,1 bei entladener Batterie)

15 g/km (183 g/km bei entladener Batterie)

Batteriekapazität / Max. Ladegeschwindigkeit 28,9 kWh (netto) / 50 kW
Basispreis 55.900 Euro

Karosserie/Design | Innenraum | Antrieb/Fahreindrücke | Verbrauch/Preis | Fazit


Karosserie/Design

Bei 4,67 Meter tritt der GWM Wey 03 damit direkt gegen Audi Q5 und Kollegen an. Warum nenne ich aber nur Ersteren? Nun ja, irgendwie hat GWM Gefallen an den Vormodellen der aktuellen Audi-Palette gefunden. Das war bei Haval H6 und Jolion Pro schon so und das lässt sich auch beim 03 nicht von der Hand weisen.

Grill, Schürze, Scheinwerfer, Gürtellinie und Seitenscheibenlinie wurden nahezu 1:1 vom Q5 FY übernommen. Die Gürtellinie nur nicht ganz so prägnant, aber schauen Sie in unseren Vergleich unten. Es ist verblüffend! Nur die Heckleuchten und der Dachspoiler gönnen sich ein paar differenzierte Ecken. Ob dreiste Kopie oder ehrfürchtige Verbeugung überlasse ich Ihnen.

Audi Q5

Audi Q5

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

Serienmäßig gibt es 20-Zoll-Alus, LED-Scheinwerfer mit Lichtsensor und eine elektrische Heckklappe. Das gezeigte Snow White Metallic ist übrigens serienmäßig. Schwarz und Blau kosten 850 Euro Aufpreis.

Klar ist, die Proportionen funktionieren natürlich, Trends gehen in ähnliche Richtungen und Hersteller inspirieren sich gegenseitig. So wirkt der Chinese natürlich stimmig und vertraut. Gleichzeitig aber auch viel zu mutlos und generisch. Vor allem, weil er sich an einem gut fünf Jahre alten Modell orientiert. Und ja, hoch isser wirklich!

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

Bilder von: Motor1.com Deutschland
Bilder von: Motor1.com Deutschland

Innenraum

Alcantara, Infinity-Sound-System, Head-up-Display, 20-Zoll-Alus, Sprachassistent, teilautomatisiertes Fahren, Parkassistent und mehr. Der Fokus des GWM Wey 03 liegt klar auf dem Innenraum. Vieles gibt es hier schon in der Serie, der Luxury setzt mit den oben genannten noch mal einen drauf.

Auf den ersten Blick macht der Null-Drei einen guten Eindruck. Die teils gesteppten Bezüge und Nähte wirken gut verarbeitet. Im Sichtbereich wurde an Aufpolsterungen nicht gespart, das Cockpit ist funktional und modern ausgerichtet.

Auf den zweiten Blick offenbaren sich jedoch gerade bei den Plastikblenden in Holzoptik auf der Mittelkonsole recht dünne Materialien. Bei direkter Sonneneinstrahlung entstehen zudem unangenehme Gerüche im Innenraum, die sich nach dem Start recht schnell verflüchtigen. Auch sinnvolle physische Bedienelemente suchen wir hier zumeist vergebens.

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

Bilder von: Motor1.com Deutschland
Bilder von: Motor1.com Deutschland

Das ist vor allem ein Problem, weil die Bedienung des Infotainment-Systems etwas undurchsichtig und langsam vonstatten geht. Hinzu kommen Ausfälle des Bildschirms beim Start und zwischenzeitliche Verbindungsabbrüche bei Android Auto. Selbst für die Einstellungen der Klima-Automatik hat GWM dem Wey 03 einen zweiten riesigen Bildschirm am oberen Ende der Mittelkonsole gegönnt, der beim Fahren weiter massiv ablenkt – gerade aufgrund der tiefen Platzierung.

Auch die Tasten am Lenkrad lassen sich nicht eindeutig haptisch unterscheiden und unmittelbar erfolgreich bedienen. Zwar gibt es eine Sprachsteuerung, unser Assistent "Charlie" kennt aber nur vorgefertigte Phrasen. Sobald davon abgewichen wird, kann er uns leider nicht weiterhelfen. Als Alternative ist er damit kaum zu gebrauchen.

Auch die Parkkamera inklusive Vertonung wirkt ungenau. Der tatsächliche Abstand zur Bordsteinkante ist oft nicht zu erkennen, was zwar zu Felgen-schonendem Parken führt, vor allem aber viel zu viel Raum einnimmt – gerade beim Parken am Fahrbahnrand. Im Dunkeln irritiert zudem der Toter-Winkel-Warner mit einer viel zu hellen Einstellung.

Abmessungen GWM Wey 03 Luxury AWD (2026)
Länge x Breite x Höhe 4.668 x 1.890 x 1.730 mm
Radstand 2.745 mm
Kofferraumvolumen 517 - 1.289 Liter
Leergewicht 2.295 kg
Max. Zuladung 375 kg
Max. Anhängelast 2.000 kg
Max. Stützlast 100 kg

Komfortabel ist hingegen das Raumgefühl und der Sitzkomfort. Die knapp 4,67 Meter wirken tatsächlich größer. Eine angenehme Sitzposition ist mit achtfach elektrischer Verstellung schnell gefunden und bietet auch auf der Langstrecke ergonomische Unterstützung. Im Fond sitzt es sich ebenfalls angenehm: Für ausreichend Bein- und Kopffreiheit wurde auch hier gesorgt. 

Allerdings geht der Sitzkomfort zulasten des Gepäckabteils. Zwar packt der Kofferraum mit stehender Rücksitzbank noch klassenübliche 517 Liter, bei umgelegter Lehne sind es jedoch nur 1.289 Liter. Zum Vergleich: Der Q5 kommt hier auf 520 bis 1.473 Liter, der etwas längere (4,76 Meter) BMW X3 sogar auf 570 bis 1.700 Liter.

Antrieb/Fahreindrücke

Technisch kommt der Plug-in-Hybrid auf dem Papier mit richtig üppigen Daten. Die Chinesen kombinieren einen 2,0-Liter-Turbo-Benziner mit 150 kW (204 PS) in der Luxury-Version gleich mit zwei E-Motoren. Durch die Zugabe von maximalen 120 kW (163 PS) an der Vorder- und 135 kW (184 PS) an der Hinterachse entsteht eine Systemleistung von saftigen 325 kW (442 PS), inklusive Allradantrieb.

Mit 685 Nm geht's in 5,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Schluss ist erst bei 230 km/h für das knappe 2,3-Tonnen-Gefährt. Doch da hört der Gigantismus noch nicht auf. Die elektrische Energie speist sich der 03 aus einer 28,9-kWh-Batterie (netto). Zur Einordnung: Das ist mehr als der Renault Twingo Urban Range (27,5 kWh) als vollelektrisches Modell mit sich trägt.

Damit soll eine Reichweite von 124 Kilometern bei 25,1 kWh gewährleistet werden. Eine Schnellladefunktion bis zu 50 kW ist beim Plug-in-standesgemäß mit an Bord. 

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

Bilder von: Motor1.com Deutschland
GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

Bilder von: Motor1.com Deutschland

Bei knapp 2,3 Tonnen Leergewicht geht das schon ordentlich nach vorne, wenn man denn will. Der Hybrid-Antrieb macht insgesamt 'ne gute Arbeit. Ist die Batterie geladen, rollt man geräuschlos und komfortabel durch Stadt und Land. Auf der Autobahn wird der Verbrenner gerne mal etwas lauter. Der Wey 03 ist klar für gut ausgebaute, gemäßigt kurvige Straßen ausgelegt – genau hier funktioniert er. Lediglich die zu langsame Autohold-Funktion bringt ihn aus der Fassung, was zu ruckartigem Anfahren führt.

Sobald er dieses Terrain verlässt, wird er etwas nervös, lässt Straßenschäden, Kopfsteinpflaster und Straßenbahngleise nahezu ungefiltert in den Innenraum. Straff ist der Chinese dennoch nicht, bei Lastwechseln lehnt er sich gerne auf. Ihm fehlt es schlicht an einer guten Balance.

Die größten Auswirkungen zeigt das Fahrwerk dann auch bei Geschwindigkeiten um die 150 bis 160 km/h auf der Sauerlandlinie (A45). Genau hier, wo sich die Autobahn durch das hügelige Land schlängelt, ist im Auto immer was los. Es wirkt instabil und schwammig. Erschwerend hinzu kommt die recht teilnahmslose Lenkung, die kaum Feedback geben mag. Und so mag auch die Fahrerin nicht über diese Grenze hinaus: 230 km/h wären, wie bereits gesagt, theoretisch möglich, aber nicht empfehlenswert! 

Dieses mitfahrende mulmige Gefühl unterstützt der etwas zu laue Bremsdruck und die viel zu aggressiv eingreifenden Assistenten. Zumal der Spurhalte-Assistent auch auf feuchte Stellen auf der Straße reagiert und den Nulldrei gerne in eher ungünstige Richtungen zieht (Baustellenbarriere und Co.). 

Da auch der Tempowarner nahezu nie richtig liegt und der Aufmerksamkeits-Assistent regelmäßig mit netten Sätzen wie "Bitte seien Sie nicht gedankenabwesend" glänzt, nehmen Sie sich die Zeit und schalten alle Helfer vor dem Start im undurchsichtigen Infotainment ab.

Verbrauch/Preis

Im Test lag der Verbrauch kombiniert bei 4,5 Litern und 17,1 kWh auf 100 Kilometern. Das WLTP-Verhältnis wendet sich im Alltag, da nicht immer die Möglichkeit besteht, die Batterie unmittelbar zu laden. Zwar braucht der Vorgang von 0 auf 80 Prozent für einen Plug-in nur entspannte 38 Minuten bei 50 kW und unsere Ladekurve gibt dem auch recht, aber auf längeren Strecken ist das dennoch kaum umsetzbar, alle 100 Kilometer für 38 Minuten zu laden.

GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

Bild von: Motor1.com Deutschland
GWM Wey 03 (2026) im Test

GWM Wey 03 (2026) im Test

Bild von: Motor1.com

Leer zieht sich der Wey 03 dann bis zu durstige neun Liter Super durch die Leitungen. Regelmäßig geladen lagen wir im Schnitt vollelektrisch bei üppigen 29 kWh. Keine Glanzleistung, wer das aber mit eigener Wallbox und PV auffangen kann, den wird das kaum stören.

Wenig stören können sich Interessenten auch am Preis. Los geht's nämlich schon bei sehr gut ausgestatteten 47.900 Euro für den Premium. Die Topmodelle teilen sich in Luxury für 51.900 Euro und Luxury AWD (unser Testwagen) für 55.900 Euro auf.

Die Konkurrenz geht mit dem Audi Q5 e-hybrid bei 65.500 Euro ins Rennen, der BMW X3 ruft als Plug-in schon mindestens 66.900 Euro auf. Mercedes GLC (64.755 Euro) und Volvo XC60 (67.990 Euro) spielen in derselben Liga. GWM bietet allerdings fünf Jahre Garantie auf das Fahrzeug und acht Jahre auf die Batterie.

Fazit: 5/10

Preislich steht der GWM Wey 03 im Premium-Segment natürlich gut da. Doch schaut man genau hin, ist gerade in Sachen Materialien und Helfern einiges gar nicht mehr so Premium. Zwar macht der Chinese antriebsmäßig seine Sache gut, doch kann das Fahrwerk bei der gebotenen Leistung unter Anspruch kaum mithalten. Hinzu kommt ein ungewöhnlich hoher Verbrauch, der sich nur durch eine PV-Anlage ausgleichen lässt. 

Damit ist der Wey 03 vielleicht noch was für wenig anspruchsvolle Fahrer und Fahrerinnen, die ihr Augenmerk eher auf Sitzkomfort und Raum legen und sich von einem sperrigen und unzuverlässigen Infotainment-System nicht aus der Ruhe bringen lassen. Also eher was für Menschen, die sonst nicht im Premium-Segment unterwegs sind. Allerdings wäre dann der Weg über den Gebrauchtwagenmarkt vermutlich der empfehlenswertere Weg zu einem zuverlässigen Alltagsbegleiter. Bis zur Perfektion ist es jedenfalls noch ein Stückchen.

   

Pro

  • Üppiges Platzangebot mit Fokus auf Komfort
  • Ordentlicher Hybridantrieb
  • Preis
   

Kontra

  • Schwammiges Fahrwerk
  • Unausgereifte Software & Assistenten
  • Hoher Verbrauch bei leerer Batterie