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Lucid Air Grand Touring (2026) im Test: Kann er nur Reichweite?

Bis auf die Verkaufszahlen stimmt hier so gut wie alles. Ein herausragendes Oberklasse-Auto mit ein paar nervigen Eigenheiten

Lucid Air Grand Touring (2026) im Test
Bild von: Lucid Motors

Es ist ein Hauen und Stechen im Rennen um die größte elektrische Reichweite. Audi legt beim A6 e-tron inzwischen bis zu 777 Kilometer vor, BMW und Mercedes arbeiten bereits an Modellen mit 800 oder sogar mehr als 900 Kilometern. Doch es gibt einen Kalifornier, den bislang niemand schlagen konnte – den Lucid Air Grand Touring. Und das, obwohl die Luxuslimousine bereits seit Ende 2021 auf dem Markt ist.

Der Air ist technisch nach wie vor hochinteressant und obendrein eine echte Augenweide – außen wie innen. Umso erstaunlicher wirken die überschaubaren Verkaufszahlen in Deutschland. Liegt es an der unbekannten Marke, an der Akzeptanz oder gibt es Schwächen, die potenzielle Käufer abschrecken?

Was ist das?

Der Fall ist eigentlich klar: Eine amerikanische Elektro-Limousine der Oberklasse hatte es auf dem deutschen Markt nie leicht. Schließlich kämpfen selbst Mercedes EQS, BMW i7 oder Porsche Taycan mit einer eher überschaubaren Nachfrage. Dabei bringt der Lucid Air eigentlich alles mit, um auch anspruchsvolle Kunden zu überzeugen.

Dass das Modell inzwischen mehr als viereinhalb Jahre auf dem Markt ist, merkt man ihm technisch kaum an. Im Gegenteil: Der Air war seiner Zeit bei seiner Vorstellung weit voraus und gehört noch heute zu den modernsten Elektroautos überhaupt. Seine 900-Volt-Architektur, zwei Permanentmagnetmotoren mit 611 kW (831 PS), ein 117-kWh-Akku und Ladeleistungen von bis zu 300 kW sind auch 2026 Spitzenwerte.

Bildergalerie: Lucid Air Grand Touring (2026) im Test

Hinzu kommt eine außergewöhnlich effiziente Antriebstechnik. Mit 19-Zoll-Rädern gibt Lucid einen WLTP-Verbrauch von lediglich 13,5 kWh pro 100 Kilometer an. Selbst mit den optionalen 21-Zoll-Rädern stehen noch 820 Kilometer WLTP-Reichweite im Datenblatt.

Wir reden hier wohlgemerkt von einem 2,4 Tonnen schweren Luxusauto mit 831 PS. Einen wesentlichen Anteil daran hat der Luftwiderstandsbeiwert von nur 0,197 – laut Lucid der beste Wert eines Serienautos weltweit. Anders als etwa ein Mercedes EQE oder EQS verbindet der Air diese Aerodynamik aber mit einer ausgesprochen eleganten Linienführung. Verantwortlich dafür ist Designer Derek Jenkins, der unter anderem am Audi A2 und am Mazda MX-5 ND mitgewirkt hat.

Innen präsentiert sich der Air wie eine moderne Luxusvilla in den Hollywood Hills – hochwertig eingerichtet und mit einem Ambiente, das sich deutlich von vielen deutschen Premiumkonkurrenten unterscheidet. Gleichzeitig bewegt sich der Lucid preislich und konzeptionell irgendwo zwischen Tesla Model S, Porsche Taycan und Mercedes S-Klasse – muss sich inzwischen aber auch gegen immer mehr Angebote aus China behaupten.

Abmessungen, Design und Innenraum

Mit 4,98 Metern Länge und 1,93 Metern Breite bewegt sich der Air auf dem Niveau eines Mercedes EQE, fällt aber mit nur 1,40 Metern Höhe deutlich flacher aus. Das sorgt für eine elegante Erscheinung, ohne die Platzverhältnisse einzuschränken. Im Gegenteil: Vor allem im Fond herrscht ausgesprochen großzügiges Raumgefühl.

Leider setzt auch Lucid auf elektrisch ausfahrende Türgriffe – eine Lösung, die nicht immer besonders komfortabel ist. Auch der Frunk bietet Anlass zur Kritik: Er fasst problemlos zwei große Reisetaschen, schließt auf Knopfdruck jedoch recht energisch.

Lucid Air Grand Touring (2026) im Test
Bild von: Lucid Motors
Lucid Air Grand Touring (2026) im Test
Bild von: Motor1

Bei den Rädern gilt das bekannte Dilemma: Die optionalen 21-Zöller sehen hervorragend aus und beeinträchtigen den Federungskomfort nicht im Geringsten. Wer jedoch maximale Reichweite möchte, sollte zu den 19-Zoll-Felgen greifen. Laut WLTP beträgt der Unterschied vollaufgeladen stolze 140 Kilometer.

Im Innenraum überzeugt der Air durch eine außergewöhnlich hochwertige und geschmackvolle Materialauswahl mit Holz, Metall, Leder und Stoffen. Die Displays wirken harmonischer integriert als in vielen Konkurrenten. Das große Zentraldisplay lässt sich bei Bedarf auch einfahren.

Allerdings erlaubt sich der Air bei der Bedienung einige Eigenheiten. Lenkrad und Außenspiegel werden ausschließlich über das Infotainment und die Lenkradtasten eingestellt. Die Bedienung der Scheibenwischer erfolgt über den Screen links neben dem Instrumentendisplay, was sich im Alltag als wenig intuitiv erweist. Hinzu kommt, dass die Sprachsteuerung beim Test nicht funktionierte und ein Head-up-Display selbst gegen Aufpreis nicht erhältlich ist.

Lucid Air Grand Touring (2026) im Test
Bilder von: Lucid Motors
Lucid Air Grand Touring (2026) im Test

Abgesehen davon bietet der Air ein außergewöhnlich angenehmes Reiseambiente. Google übernimmt die Navigation inklusive Ladeplanung und Batterievorkonditionierung. Ein Highlight ist zudem das riesige Glasdach, das sich nahezu über die gesamte Fahrzeuglänge erstreckt und dennoch wirksam vor starker Sonneneinstrahlung schützt.

Auch das Raumangebot überzeugt. Fahrer und Beifahrer sitzen ausgesprochen komfortabel, im Fond entsteht Business-Class-Atmosphäre. Der Kofferraum fasst 627 Liter, zusammen mit dem Frunk stehen insgesamt 910 Liter Stauraum zur Verfügung. Werden die Rücksitze umgeklappt, nennt Lucid ein maximales Ladevolumen von 1.835 Litern inklusive Frunk.

Preise und Rivalen

Mit einem Grundpreis von 129.900 Euro tritt der Lucid Air Grand Touring gegen etablierte Oberklasse-Stromer an. Zu den wichtigsten Konkurrenten zählen der Mercedes-AMG EQE 53, der Porsche Taycan GTS sowie – je nach Ausrichtung – auch Mercedes EQS und BMW i7.

Der AMG EQE 53 leistet bis zu 625 PS, sprintet in 3,5 Sekunden auf Tempo 100 und bietet bis zu 502 Kilometer Reichweite. Der Porsche Taycan GTS kommt auf bis zu 700 PS, schafft bis zu 637 Kilometer nach WLTP und lädt mit maximal 320 kW etwas schneller als der Lucid. Dafür bleibt der Air Grand Touring in Sachen Reichweite und Effizienz weiterhin einer der Maßstäbe seiner Klasse.

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