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EU-Strafzölle auf in China gebaute Elektroautos: Die Reaktionen

Die deutsche Autoindustrie ist von den Plänen nicht begeistert ...

China vs. Europa

Kommen Strafzölle auf Elektroautos aus China? Die EU hat nämlich offiziell beschlossen, die Steuern auf die Einfuhr zu erhöhen, indem es zu den normalen 10 Prozent Zoll eine zusätzliche Steuer hinzufügt, die bis zu 38,1 Prozent betragen kann und damit insgesamt 50 % erreicht.

Dies ist weit entfernt von dem kürzlich von den USA angekündigten Superzoll von 100 Prozent, aber die Auswirkungen auf den Handel werden wahrscheinlich viel größer sein, wenn man die Anzahl der bereits in Europa verkauften chinesischen Autos sowie die gegenseitige Handelsabhängigkeit zwischen unserem Kontinent und China berücksichtigt.

Noch müssen aber die nationalen Regierungen zustimmen. Hinzu kommt die Frage, welche Veränderungen bei EU-Kommission und EU-Parlament sich nach der Europawahl 2024 ergeben. Auf dem deutschen Markt stellen chinesische Marken noch keine Gefahr dar. MG als erfolgreichste Marke kam von Januar bis Mai 2024 auf 8.444 Neuzulassungen, ein Marktanteil von 0,7 Prozent. BYD? 777 Fahrzeuge und 0,1 Prozent. 

Peking-Ausstellung 2024

Der Eingang zur Peking-Ausstellung 2024

Erste Reaktionen aus China

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Lin Jian, kündigte Gegenmaßnahmen an, um die Rechte der chinesischen Hersteller "entschieden zu verteidigen", und fügte hinzu, dass die Zollerhöhung gegen marktwirtschaftliche Prinzipien verstoße. (Was indes angesichts der kommunistischen Herrschaft im Land eher kurios klingt ...)

"Wir fordern die EU auf, ihrer Verpflichtung zur Unterstützung des Freihandels nachzukommen, sich dem Protektionismus zu widersetzen und mit China zusammenzuarbeiten, um die gesamte bilaterale Wirtschafts- und Handelskooperation zu sichern.", so Jian.

Der italienische Minister Adolfo Urso (der auch dafür sorgte, dass der Alfa Romeo Milano zum Junior wurde) hingegen freute sich und schrieb: "Es ist eine Maßnahme, die wir mit Genugtuung begrüßen und die mit der Vision unserer Regierung übereinstimmt."

 

BMW hingegen ist dagegen und kommentiert durch den Vorstandsvorsitzenden Oliver Zipse, der den von Brüssel eingeschlagenen Weg als "falsch" bezeichnet und das Risiko von Gegenmaßnahmen befürchtet.

"Diese Entscheidung über zusätzliche Importzölle ist der falsche Weg. Die EU-Kommission schadet damit europäischen Unternehmen und europäischen Interessen. Protektionismus droht eine Spirale in Gang zu setzen: Zölle führen zu neuen Zöllen, Isolation statt Kooperation.

Protektionistische Maßnahmen, wie die Einführung von Importzöllen, tragen aus Sicht der BMW Group nicht zu einem erfolgreichen Wettbewerb auf den internationalen Märkten bei. Freier Handel bleibt das Leitmotiv der BMW Group. Dazu bekennt sich unser Unternehmen".

Ebenfalls nicht wirklich begeistert ist der europäische Branchenverband ACEA, in dem 37 Automarken zusammengeschlossen sind.

"Der ACEA hat immer wieder erklärt, dass freier und fairer Handel für die Schaffung einer weltweit wettbewerbsfähigen europäischen Automobilindustrie unerlässlich ist, während ein gesunder Wettbewerb Innovationen und die Wahlfreiheit der Verbraucher fördert. Freier und fairer Handel bedeutet, gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Wettbewerber zu schaffen, aber er ist nur ein wichtiger Teil des Puzzles der globalen Wettbewerbsfähigkeit.

Der europäische Automobilsektor braucht vor allem eine solide industrielle Strategie für die Elektromobilität, um weltweit wettbewerbsfähig zu sein. Dies bedeutet, dass der Zugang zu wichtigen Werkstoffen und Energie zu erschwinglichen Preisen, ein kohärenter Rechtsrahmen, eine ausreichende Infrastruktur für das Aufladen und Betanken von Wasserstoff, Marktanreize und vieles mehr gewährleistet werden müssen.

Die Untersuchung wird noch mehrere Monate andauern, bis die Kommission entscheidet, ob sie endgültige Antisubventionsmaßnahmen vorschlagen wird. Die Mitgliedstaaten werden dann über diesen Vorschlag abstimmen".

Auch der Verband der deutschen Automobilindustrie lehnt Strafzölle ab:

"Die Ankündigung der EU ab Anfang Juli vorläufig hohe zusätzliche Zölle von bis zu 38,1 Prozent auf E-Pkw aus China zu erheben, ist ein weiterer Schritt weg von globaler Zusammenarbeit. Durch diese Maßnahme wächst das Risiko eines globalen Handelskonfliktes weiter an. Fakt ist außerdem: Ausgleichszölle für aus China importierte E-Pkw sind nicht geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie zu stärken.

Die deutsche Automobilindustrie setzt sich für freien und fairen Handel ein. Grundsätzlich gilt: Jede protektionistische Maßnahme, dazu zählen zusätzliche Zölle genauso wie ungerechtfertigte und marktverzerrende Subventionen, schränken freien Handel ein und bergen das Risiko von Handelskonflikten, die sich letztlich zum Nachteil aller Seiten auswirken. Der potenzielle Schaden, der von den jetzt angekündigten Maßnahmen ausgehen könnte, ist womöglich höher als der mögliche Nutzen für die europäische – und insbesondere die deutsche – Automobilindustrie."

(VDA-Präsidentin Hildegard Müller)

Lars Stevenson, CEO des deutschen Elektroauto-Anbieters Elaris AG, warnt vor erheblichen Herausforderungen für die europäische Automobilindustrie und kritisiert die wirtschaftspolitische Unberechenbarkeit dieser Überlegung.

"Die Entscheidung ist wirtschaftspolitisch sehr schwierig, weil jetzt auch die chinesische Seite mit neuen Importregelungen für europäische Autos reagieren wird. Damit wird einer der größten Märkte der Welt für uns nicht einfacher. Der chinesische Markt für E-Mobilität wächst stark - und genau deshalb ist die Entscheidung kaum nachvollziehbar. Es wäre besser, den heimischen Markt zu stärken, als zu versuchen, chinesische Hersteller zu 'bestrafen'.

China hat bereits 2015 mit der Vorbereitung und Planung der Transformation von Verbrennungsmotoren zur E-Mobilität begonnen. Ein solch gewaltiger Prozess hin zu neuen Antriebs- und Versorgungssystemen kann nicht wie bei uns von der Wirtschaft allein gestaltet werden. Es gibt keine Verlässlichkeit für langfristige Investitionen, weil immer wieder neue Förderungen aufgelegt und wieder gestrichen werden. Das ist ein echtes Problem."

In einer ersten Stellungnahme von Jochen Tüting, Geschäftsführer der Chery Europe GmbH in Raunheim, heißt es:

"Chery Europe bedauert die Entscheidung der EU-Kommission und hofft weiter auf fairen Wettbewerb. Die wichtigste Aufgabe besteht nun in der Klärung von Detailfragen hinsichtlich der geplanten Umsetzungen, insbesondere was die technische Abgrenzung von Importen zu lokal produzierten Fahrzeugen angeht. Hierzu liegen bislang noch nicht die nötigen Informationen vor."

Die nächsten Schritte

Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Maßnahmen nur angekündigt, aber nicht endgültig, da nun ein Dialog zwischen der Europäischen Kommission und den chinesischen Herstellern und Behörden beginnen wird, um ein hartes Durchgreifen zu vermeiden.

Jenes harte Durchgreifen würde am 2. November beginnen, wenn keine Einigung zwischen den Parteien erzielt wird, und würde rückwirkend ab dem 4. Juli gelten.

Betroffene Marken

Die Auswirkungen auf den Markt und insbesondere auf die Preise von in China hergestellten und in Europa verkauften Fahrzeugen sind noch schwer abzuschätzen.

Die ersten Preiserhöhungen könnten aufgrund der oben erwähnten Rückwirkung am 4. Juli ausgelöst werden und betreffen mehrere Marken wie BYD, MG, Lotus, Polestar, Smart, Volvo (für in China produzierte Modelle wie den EX30) und Tesla selbst, das das Model 3 in China produziert und das - wie die Kommission erklärt - "nach einem mit Gründen versehenen Antrag vorübergehend von den Zöllen befreit zu sein scheint, so dass ein individueller Zollsatz in der endgültigen Phase berechnet werden wird".

Nicht vergessen wollen wir auch Modelle wie den Dacia Spring oder den BMW iX3, die in China für den europäischen Markt gebaut werden.

MG4

Der von SAIC hergestellte MG4

Polestar 4

Der von der Geely-Gruppe hergestellte Polestar 4

BYD Atto 3

BYD Atto 3