Update vom 16. April 2024: Die Milano/Junior-Affäre hinterlässt einen Beigeschmack. Dem Publikum zeigt sich das neue kleine SUV der Marke aktuell in der Boutique Larusmiani in Mailand. Jene Stadt, die nun auf einen Werbeeffekt verzichtet. Gleichzeitig mutet seltsam an, das die Entscheidung der Umbenennung am gestrigen nationalen Tag des "Made in Italy" in Italien verkündet wurde.

Zudem stand der Name Milano schon seit Mitte Dezember 2023 fest. Doch damals meldete sich kein aufgeregter Minister zu Wort. Unsere italienischen Motor1-Kollegen kritisieren das Hickhack als fatales Signal an internationale Investoren. Worauf sollen diese sich verlassen können, wenn die italienische Politik so sprunghaft agiert? Wie auch immer: Wir haben unsere Galerie des Milano/Junior auf über 100 Bilder erweitert. Dort finden Sie jetzt mehr Fotos wie diese:

Alfa Romeo Milano, der Kofferraum
Alfa Romeo Milano

Ein eigentlich unauffälliger Name: Milano, das italienische Wort für Mailand. Und doch sorgte der so getaufte neue kleine Alfa Romeo für mächtig Ärger in Italien. Deshalb wird er jetzt umgetauft. Aus Milano wird Junior. Kein Witz.

Damit reagiert die Marke auf die Vorwürfe des italienischen Ministers für wirtschaftliche Entwicklung, Adolfo Urso. Der Politiker der "Fratelli d'Italia" warf dem Stellantis-Konzern vor, die Kunden zu täuschen, indem sie ein in Polen hergestelltes Auto nach einer italienischen Stadt benannt hat. Quasi Parmaschinken aus Schlesien.

Bildergalerie: Alfa Romeo Junior (ehemals Milano, 2024)

Die Marke hat deshalb eine historische Entscheidung getroffen: "um ein Klima der Gelassenheit zu fördern", wird das neue Auto von nun an "Alfa Romeo Junior" heißen. Kurzum, der kleine italienische Wagen hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich.

Der Auslöser

Ein Auto namens Milano kann nicht in Polen produziert werden. Das verbietet das italienische Gesetz, das 2003 eingeführt wurde und besagt, dass keine Angaben gemacht werden dürfen, die den Verbraucher in die Irre führen. (Fragt sich nur, was Ferrero mit der Piemont-Kirsche macht, die gar nicht existiert ...) "Es handelt sich um irreführende Angaben, die ausdrücklich mit geografischen Angaben verbunden sind", so der Vorwurf des Ministers, der im Anschluss an die Präsentation erhoben wurde.

Das Logo des Alfa Romeo Junior

Alfa Romeo hatte jedoch beschlossen, die Äußerungen des Ministers nicht sofort zu kommentieren und wahrscheinlich seine nächsten Schritte zu überdenken. Stattdessen wurde heute eine Pressekonferenz einberufen, auf der CEO Jean-Philippe Imparato selbst das Wort ergriff:

"Wir haben uns entschlossen, den Namen zu ändern, obwohl wir wissen, dass wir dazu nicht verpflichtet sind, weil wir die positiven Emotionen, die unsere Produkte immer hervorgerufen haben, bewahren und jede Art von Kontroverse vermeiden wollen."

Hommage an die Heimatstadt

Imparato und seine Leute möchten dennoch vier Punkte hervorheben:

  • Der Name des Wagens gibt keinen Hinweis auf seine geografische Herkunft, um andere Beispiele aus der Vergangenheit zu zitieren;
  • es gibt einen genauen Hinweis auf die polnische Herkunft des Fahrzeugs;
  • der Alfa Romeo Milano wird in Italien entworfen, konstruiert, getestet und zugelassen;
  • der Name ist eine Anspielung auf die historische Tradition und Kultur von Alfa Romeo. "Der Name Milano wurde als Hommage an die Stadt gewählt, in der alles 1910 seinen Ursprung hatte", fügt Imparato hinzu.

Zudem bedankt sich der Alfa-Boss leicht süffisant bei der italienischen Regierung: "Die Aufmerksamkeit, die wir in den letzten Tagen für unseren neuen 'Sports Compact' erhalten haben, ist sehr aufregend, denn wir hatten eine noch nie dagewesene Anzahl von Zugriffen auf den Online-Konfigurator, was dazu führte, dass die Website für ein paar Stunden zusammenbrach."

Alfa Romeo GT 1300 Junior

Alfa Romeo GT 1300 Junior

Neuer Name aus der Markenhistorie

Immerhin hat auch der neue Name "Junior" viel mit Alfa Romeo zu tun, zumal auch er beim Milano in der engeren Auswahl war: Nach dem Erfolg der Giulia und ihrer Coupé-Version Giulia Sprint GT, die von Giugiaro für Bertone entworfen wurde, wollte Alfa Romeo ein jüngeres Publikum ansprechen, das ein brillantes, exklusives Auto ohne übermäßige Anschaffungs- und Betriebskosten suchte.

Am 26. September 1966 wurde in Balocco der GT 1300 Junior vorgestellt. Unter dem Blech gab es einen 1.290-ccm-Doppelnocker mit nun 89 PS, der für mehr als 170 km/h sorgte, was nur geringfügig unter dem Niveau des 1600ers lag. Mit über 92.000 verkauften Exemplaren wurde der GT 1300 Junior schnell zum Bestseller der Modellreihe. Ob das auch der neue Milano .... Verzeihung ... Junior schaffen wird?