Bis zum 5. September zeigt das "Museo nazionale dell'Automobile" in Turin (MAUTO) die Ausstellung "What a car!", in deren Mittelpunkt der Fiat 127 steht, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert. Die Ausstellung würdigt auch den Konstrukteur, der die Form des Wagens entworfen hat: Pio Manzoni, alias Manzu, Sohn des bekannten Bildhauers Giacomo.

Ähnlich wegweisend wie der Fiat 127 des 1969 viel zu früh bei einem Autounfall verstorbenen Manzu ist sein auf dem 850 basierenden Prototyp namens Fiat City Taxi, der heute Teil der konzerneigenen Heritage Vintage Collection ist und normalerweise im Heritage HUB in Turin ausgestellt wird.

Es handelt sich um ein originelles Projekt für den öffentlichen Personennahverkehr und mit Recht um ein echtes Konzeptfahrzeug. Es genügt zu sagen, dass Fiat nicht weniger als 15 neue Patente angemeldet hat, um das 850 City Taxi zu entwickeln.

Natürlich blieb der auf dem Turiner Autosalon vorgestellte Prototyp im Versuchsstadium, obwohl viele seiner innovativen Lösungen, die vom Centro Stile Fiat ausführlich entwickelt wurden, später in den Serienfahrzeugen zum Einsatz kamen. Die Linien, vor allem die der hinteren Motorhaube, wurden 1972 im Kleinstwagen Fiat 126 wieder aufgegriffen, der zunächst ein Gegenstück, dann der Ersatz für den ruhmreichen Fiat 500 war.

Fiat City Taxi (1968)

Sein Debüt gab das 850 City Taxi am 30. Oktober 1968 auf dem 50. Turiner Autosalon. Auf den Straßen waren viele Taxis zu sehen, die auf dem genialen Fiat 600 Multipla basierten, der 1956 von Dante Giacosa kreiert und parallel zum äußerst populären Fiat 600 entwickelt wurde, von dem er abgeleitet war.

Ab 1964 und bis zur Produktion des letzten Modells im Jahr 1969 stellte der Turiner Automobilhersteller dem 600 seinen natürlichen Nachfolger zur Seite: den Fiat 850. Zur gleichen Zeit beschäftigten sich die Fiat-Konstrukteure mit der Entwicklung einer Version des 850, die speziell auf den öffentlichen Nahverkehr ausgerichtet war und den damals veralteten 600 Multipla ersetzen sollte.

Es handelte sich nicht um eine bloße Überarbeitung eines bestehenden Autos, sondern um ein Fahrzeug, das von Anfang an für den Einsatz als Taxi konzipiert war. Damals drückte sich die Inspiration der großen italienischen Karosseriebauer in Entwürfen für bestimmte Autos aus. In diesem Fall wurde die Aufgabe jedoch direkt dem Centro Stile Fiat anvertraut, das sich zum ersten Mal der externen Mitarbeit eines der kreativsten Designer der Epoche bediente: Pio Manzu.

Fiat City Taxi (1968)

Das Projekt begann mit der Mechanik des Fiat 850: Um eine intensive Nutzung in der Stadt zu ermöglichen, wählte man die Version "Idromatic". Sie wurde 1966 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt und verfügte über eine hydraulische Kupplung samt Drehmomentwandler, um das Fahren in der Stadt zu erleichtern.

Es handelte sich nicht um ein Automatikgetriebe, sondern um ein System ohne Kupplungspedal, das die vier Gänge des 850 Super unverändert ließ. Ähnlich konzipiert waren zum Beispiel auch die Halbautomatiken im NSU Ro 80, dem Porsche 911 und dem VW Käfer.

Die Abmessungen des 850 City Taxi waren kompakt, aber der Raum wurde maximal ausgenutzt, sowohl um den flexiblen Einsatz in der Stadt zu begünstigen als auch um den Passagieren das Ein- und Aussteigen zu erleichtern. Die zweigeteilte Form mit reduzierten Überhängen hatte eine eher straffe Linienführung, mit einer kurzen, abfallenden Motorhaube, großen Fenstern, um den Fahrgästen einen guten Blick auf die Stadtlandschaft zu ermöglichen, und einem Fahrgastraum, der höher als üblich angeordnet war, um den Komfort an Bord zu verbessern.

Die orangefarbene Karosserie sollte die Erkennbarkeit als öffentliches Verkehrsmittel erleichtern, zu einer Zeit, als die Taxis in Italien noch in Grün und Schwarz gehalten waren. (In Deutschland waren sie damals noch schwarz.)

Fiat City Taxi (1968)

Mehr noch als durch seine größere Höhe fiel das 850 City Taxi durch seine Asymmetrien auf: Auf der linken Seite befand sich eine konventionelle Tür, die nur vom Fahrer benutzt werden konnte, während die Fahrgäste auf der rechten Seite durch eine untypische und innovative elektrisch gesteuerte Schiebetür einsteigen konnten.

Die unterschiedlichen Abmessungen der Türen führten auch zu unterschiedlichen Maßen der ersten zwei Seitenfenster. Die beiden Scheibenwischer waren besonders lang, da sie eine viel höher als normal platzierte Windschutzscheibe reinigen mussten: Auf der Fahrerseite war der Wischer in einer "Pantograph"-Konfiguration ausgeführt, bestehend aus zwei Armen.

Er blieb, wie damals bei einigen Wagen üblich, im Ruhezustand senkrecht. Der andere Scheibenwischer war keineswegs konventionell, bewegte er sich doch in einem Bogen von innen nach außen, also entgegengesetzt zu anderen Fiat-Fahrzeugen dieser Zeit.

Die Rücksitze boten Platz für drei Passagiere: Wenn für kurze Fahrten gelegentlich Platz für eine vierte Person benötigt wurde, wurde ein zusätzlicher Klappsitz neben dem Fahrer angebracht. Der Klappsitz war in der Regel hochgeklappt und der Raum rechts neben dem Fahrer wurde für Gepäck genutzt, das mit einem speziellen Gurt gesichert werden konnte.

Fiat City Taxi (1968)

Andere Taschen konnten in dem Raum hinter den Rücksitzen, oberhalb des Motors, untergebracht werden. Der Zugang zum letztgenannten Raum war auch von außen durch eine große Glastür leicht zu erreichen. Die Besonderheiten des Innenraums gingen sogar noch weiter: Das Fiat City Taxi hatte ein futuristisches Armaturenbrett, das mit einem flexiblen Material gepolstert war und die Instrumententafel und den Taxameter abdeckte.

Auch ein kleiner TV-Bildschirm war mit dem gleichen Material gepolstert. Außerdem konnte der Fahrer über ein Funktelefon, dessen Mikrofon in der Sonnenblende eingebaut war, direkt mit seiner Zentrale sprechen.

Wesentlich sind die Sicherheitsinnovationen, die später in den Serienfahrzeugen zum Standard werden sollten. Dazu gehörten eine gelenkige Lenksäule zum Schutz des Fahrers bei einem Frontalaufprall, ein mit flexiblem Material gepolstertes Armaturenbrett und Gurte zur Sicherung von Gepäckstücken.

Das Sprechfunksystem mit dem Mikrofon in der Sonnenblende war ein weiterer Vorläufer der heutigen Freisprechanlage für Mobiltelefone. Auch der Fernseher in der Mitte des Armaturenbretts kann als Vorläufer der modernen Infotainment-System-Bildschirme angesehen werden. Einige seiner funktionalen Lösungen wurden Jahre später wieder aufgegriffen, wie die verglaste Heckklappe, wie sie bei Schräghecklimousinen verwendet wird, oder das Kartenfach im Dachhimmel, das noch heute in Vans zu sehen ist.

Erst gut 30 Jahre später griff VW die Idee des Fiat 850 City Taxi in ähnlicher Form wieder auf: Das Berlin/Milano/London Taxi von 2010/11 auf der Basis des späteren Up blieb aber auch nur ein Prototyp. 

Bildergalerie: Fiat 850 City Taxi (1968)