Dem neuen Allradsystem und dem nochmals stärkeren Fünfzylinder sei Dank

Wenn Audi eine Pressemitteilung mit den Worten "Mehr quer" beginnt, dann ist das ein eindeutiges Zeichen, dass in dieser verrückten Welt wirklich alles möglich ist. Und natürlich habt ihr damit unsere maximale Aufmerksamkeit, liebe Audianer. Oder wie es bei euch ja neuerdings etwas ungelenk heißt - liebe Audianer_innen.

In diesem Fall geht es um den neuen RS 3 und man hat uns zum digitalen Experten-Treff geladen, um uns zu erklären, warum er viel toller ist als vorher und natürlich toller als der ganze Rest. Eine ganze Menge davon hat mit dem neuen Torque Splitter zu tun. Damit meint Audi die beiden Hinterachs-Kupplungen seines neuen Allradsystems, das jetzt so funktioniert wie etwa beim Ford Focus RS, dem Mercedes-AMG A 45 oder dem neuen Golf 8 R

Das sind ganz hervorragende Nachrichten, denn während der RS 3 nun wirklich noch nie Probleme mit der Längsdynamik hatte, war er querdynamisch durch seinen frontlastigen Haldex-Allrad bisher doch immer kastrierter und plumper als erhofft. Das soll sich nun durch den Wegfall der zentralen Lamellenkupplung ändern. Von der Kardanwelle geht die Kraft künftig also über die Tellerräder direkt an die beiden neuen Lamellenkupplungen, die jeweils mit einer Antriebswelle verbunden sind. 

Bei sportlicher Fahrweise erhöht der Torque Splitter das Antriebsmoment auf das kurvenäußere Hinterrad mit der höheren Radlast, was die Neigung zum Untersteuern deutlich reduzieren soll. In Linkskurven leitet er das Moment auf das rechte Hinterrad, in Rechtskurven auf das linke hintere Rad, beim Geradeausfahren auf beide Räder.

Audi RS 3 (2021) Sneak Preview
Audi RS 3 (2021) Sneak Preview

Jede der beiden Lamellenkupplungen besitzt ein eigenes Steuergerät, das die Raddrehzahlsensoren des ESP, Längs- und Querbeschleunigung, Lenkwinkel, Gaspedalstellung, gewählten Gang und der Gierwinkel einbezieht. Außerdem ist der Torque Splitter mit dem modularen Fahrdynamikregler, also dem zentralen Steuergerät, das die Daten aller querdynamisch relevanten Komponenten erfasst, vernetzt.

Wenn Sie die beiden letzten Absätze schrecklich langweilig fanden, dann wird Ihnen folgende Erklärung vielleicht besser gefallen: Der neue RS 3 driftet wie die Sau! Zumindest im Video das man uns gezeigt hat. Dort sitzt Entwickler Meic Diessner am Steuer und hält das Auto ziemlich lange in ziemlich absurden Winkeln. Das gelingt im sogenannten RS Torque Rear-Modus, einer von insgesamt sieben Fahrstufen des RS 3. Dort können bis zu 100 Prozent des nach hinten geführten Antriebsmoments auf das kurvenäußere Rad kanalisiert werden. Und was das dann für rauchige Auswirkungen hat, können Sie hier sehen: 

Was Sie ebenfalls in diesem Video gesehen haben dürften, ist, wie gut sich das Heck eindreht und die Hinterachse mithilft, die Linie zu schärfen. Also wenn Sie ausnahmsweise mal richtig schnell und nicht richtig seitwärts unterwegs sein wollen. Dafür hat Audi den RS Performance-Modus entwickelt der "für die Rundstrecke ausgelegt ist". Er soll ganz besonders gut mit den 
optionalen Pirelli P Zero Trofeo R Semislicks funktionieren. Der Torque Splitter sorgt hier mit seiner Auslegung für möglichst wenig Unter- und Übersteuern und das ist am Ende in der Regel relativ schnell.

Apropos: Kernstück bleibt trotz aller neuen Drift-Gaudi natürlich der gloriose 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbo. Allen Spekulationen zum Trotz verharrt dessen Output mit 400 PS auf Vorgänger-Niveau. Allerdings liegt die Leistung jetzt früher und länger an - zwischen 5.600 und 7.000 Touren. Das Drehmoment wächst von 480 auf 500 Nm. Die volle Ladung gibt es zwischen 2.250 und 5.600 U/min. Und damit das Ding nach wie vor so wundervoll klingt wie gewohnt, kommt eine neue Auspuffanlage mit vollvariabler Klappensteuerung zum Einsatz.

Die Zeit für den 0-100-km/h-Sprint sinkt um 0,3 auf 3,8 Sekunden. Da schaut sogar der etwas stärkere AMG A 45 knapp in die Röhre. Laut Entwickler Marvin Schwätter ist der brachiale Sprintwert ein Ergebnis des verbesserten Allradsystems, ein wenig Gepfriemel an der Launch Control sowie kürzerer Schaltzeiten des 7-Gang-DSG. Letzteres wurde mit einem verstärkten Winkeltrieb für das höhere Drehmoment und die aggressivere Spreizung der Gänge ausgelegt. 

Auch beim Topspeed wird der RS 3 die Nase im Segment vorne haben. Zumindest, wenn Sie ordentlich dafür blechen. 250 km/h sind Standard. Sie können auf 280 erhöhen oder das RS Dynamikpaket inklusive Keramikbremse ordern - dann sind sogar 290 Sachen drin. 

Die Bremse war beim RS 3 ja immer so ein bisschen das Sorgenkind. Das soll nun danke verbesserter Luftleitschaufeln und dickerer Bremsscheiben der Vergangenheit angehören. Und was kann der RS 3 sonst noch so in Sachen Fahrwerk?

Audi RS 3 (2021) Sneak Preview

Nun, er kriegt ein eigenes Sportfahrwerk mit "betont straffen" Feder- und Dämpfersettings. Gegen Aufpreis ist ein Adaptiv-Fahrwerk mit drei unterschiedlichen Stufen zu haben. Die Lenkung ist ebenfalls RS-eigen und dreistufig einstellbar. 

Gegenüber dem S3 ist das Auto 10 Millimeter tiefer, im Vergleich zum Standard-A3 sind es 25 Millimeter. Außerdem gibt es 33 Millimeter mehr Spur vorne. Hinten sind es 10 Millimeter. Die RS 3-Eigenheit, breitere Vorder- als Hinterreifen zu fahren, wird hier mit 275er- und 245er-Pneus auf die Spitze getrieben.

Vorne ist eine McPherson-Federbeinachse mit RS 3-spezifischem Schwenklager, versteiften unteren Querlenkern, Hilfsrahmen und Stabilisator verbaut. An der Hinterachse kommt eine Vierlenker-Konstruktion mit separater Feder-Dämpfer-Anordnung, Hilfsrahmen und einem an den Torque Splitter angepassten Rohrstabilisator zum Einsatz.

Versteifte Radträger sollen die Querdynamik und die Reaktion auf Lenkbefehle erhöhen. Außerdem verfügt der RS 3 an der Vorderachse über knapp ein Grad mehr negativen Sturz als der A3. An der Hinterachse ist es ein halbes Grad.

Im Rahmen des Technik-Workshops wurde uns auch schon das fertige Serienfahrzeug präsentiert, aber diese Bilder dürfen wir Ihnen erst in ein paar Wochen zeigen. Freuen Sie sich schon mal auf ein veritables Biest. Der Marktstart des neuen RS 3 erfolgt sowohl für die Limousine als auch für den Sportback im Herbst dieses Jahres. Zu den Preisen hat sich Audi noch nicht geäußert.  

Bildergalerie: Audi RS 3 (2021) Sneak Preview