Die Zukunft der Marke besteht nicht nur aus ID-Modellen

So manch ein Freund der Marke VW konnte in den letzten Jahren den Eindruck erhalten, dass dort die klassischen Baureihen langsam aufs Abstellgleis rollen. Die Zukunft heißt Elektroautos, irgendwann ist alles ID. Doch ganz so ist es nicht: Im Rahmen der Volkswagen-Strategie bis 2030 wurde nun offiziell bestätigt, dass unter anderem der Golf und der Passat einen Nachfolger bekommen.

Im Vorfeld war lange darüber gemunkelt worden, ob der 2019 präsentierte VW Golf 8 nicht der letzte seiner Art sein könnte. Noch lauter rumorte es mit Blick auf den Passat. Da das Werk in Emden, wo er vom Band läuft, bis 2022 auf die Produktion des ID.4 und anderer Elektromodelle umgestellt wird, sah man schon das Totenglöckchen für den Passat läuten. Zumal dessen Verkaufszahlen auch nicht mehr den Glanz alter Tage erreichen, Stichwort SUVs als interne Konkurrenz. 

Doch schon damals hieß es: "Die Produktion der Modelle Passat Limousine und Variant, Arteon sowie der neuen Variante Shooting Brake wird für eine mehrjährige Übergangszeit weiterlaufen." Nun verkündet VW folgendes: Parallel zur beschleunigten E-Offensive wird auch die Verbrenner-Flotte weiterentwickelt. Deshalb werden alle Kernmodelle - wie Golf, Tiguan, Passat, Tayron und T-Roc – noch einmal einen Nachfolger bekommen.

VW Arteon R und Arteon Shooting Brake R
VW Arteon R und Arteon Shooting Brake R

VW-Markenchef Ralf Brandstätter: "Wir brauchen den Verbrenner noch auf bestimmte Zeit, aber so effizient wie möglich. Deshalb bekommt die nächste Generation unserer Kernprodukte – die allesamt Weltmodelle sind – auch die neueste Generation der Plug-in-Hybrid Technik, mit bis zu 100 Kilometern elektrischer Reichweite."

Was bedeutet das? Zunächst einmal das Festhalten an legendären Namen wie Passat (seit 1973) und Golf (seit 1974). Aber das Modellprogramm wird auf weltweite Nutzung hin gestrafft. "Kernmodelle" bekommen einen Nachfolger. Es kommt also irgendwann ein Golf 9, aber kein neuer Arteon. Auch für Touran und Sharan wird die Luft dünn, ebenso für Derivate innerhalb der Baureihen wie eine Passat Limousine, einen Tiguan Allspace oder ein T-Roc Cabrio.

Wird der Polo (seit 1975 im Programm) überleben? Explizit nennt ihn Brandstätter nicht. Plug-in-Hybridtechnik würde den Kleinwagen auch deutlich verteuern, zudem gibt es ihn in Märkten wie den USA nicht. Denkbar erscheint hier folgendes Szenario: Der Polo erhält 2021 ein größeres Facelift, was ihn für die Zeit bis 2025. Dann soll ein Elektroauto unterhalb des ID.3 kommen, welches VW um zwei Jahre vorgezogen hat und auch den Up sowie e-Up beerbt.

Anders formuliert: Einen neuen Polo mit Plug-in-Hybrid zu konstruieren oder gleich einen ID.1 oder ID.2, nimmt sich beim Endpreis nichts. Und was zwischen den Worten Brandstätters auch durchscheint: Der Diesel im Pkw könnte bis 2030 aufs Abstellgleis rollen, zumal mit Blick auf eine Abgasnorm Euro 7.

Hier würde sich der technische Aufwand kaum noch lohnen, um Europa als einzigen relativen Diesel-Markt abzudecken. Aktuell liegt der Diesel-Anteil bei den Neuzulassungen in Deutschland bei rund 25 Prozent.

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