Der eine, mit dem alles begann

Name: Pagani Zonda C12
Debüt: März 1999, Genfer Autosalon
Technische Daten: 6,0-Liter V12; 394 PS, 570 Nm; 5-Gang-Schaltgetriebe; Hinterradantrieb; 0-100 km/h: 4,2 Sekunden; Vmax: 298 km/h

Wir wissen nicht, ob auch Sie letzte Woche Ihre Tastatur vollgesabbert haben. Auf jeden Fall gäbe der neueste Pagani einigen Anlass dazu. Die Rede ist vom übertrieben atemberaubenden, lächerlich teuren, 800 PS starken Huayra Roadster BC. Wenn Sie also gerade wieder mal dem neuesten +3-Millionen-Streich aus San Cesario sul Panaro auf Instagram hinterherschmachten, dann tun Sie das doch bitte mit etwas Kontext. Wir helfen da gerne aus. Mit einer kleinen Pagani-Geschichtsstunde. Heuer jährt sich die Enthüllung von Paganis allererstem Auto, dem 12C,  nämlich zum genau 20sten Mal. Grund genug, ihn auch zum ersten Protagonisten unserer neuesten Serie "Supercar Sonntag zu machen. 

Das Original

Horacio Pagani gründete Pagani Automobili im Jahr 1992. In seinem ersten Jahr begann das nahe Modena beheimatete Unternehmen mit der Konstruktion eines Fahrzeugs, das intern als "C8 Project" bezeichnet wurde. Das fertige Serienfahrzeug sollte eigentlich "Fangio F1" heißen. Als Tribut an den fünfmaligen Formel-1-Weltmeister Juan Manuel Fangio (der wie Horazio Pagani aus Argentinien stammte), der auch an der Entwicklung des Ur-Modells beteiligt war. Nach dem Tod Fangios im Jahr 1995 verwarf man die Pläne jedoch und änderte den Namen des Autos in Zonda C12. Der Name "Zonda" bezieht sich auf einen argentinischen Föhnwind.

1994 schließlich einigte man sich mit Mercedes-Benz auf eine Motoren-Partnerschaft. Hier war Fangio durch seine hervorragenden Verbindungen zum Stuttgarter Konzern maßgeblich beteiligt gewesen. Demnach sollte jeder Pagani mit einem AMG-V12 ausgerüstet werden. Das Unternehmen befand sich auf der Überholspur in Richtung Produktion. Dennoch dauerte es weitere fünf Jahre bis das erste, komplett fertige Pagani-Supercar der Weltöffentlichkeit sein Gesicht zeigte. Der Zonda C12 debütierte auf dem Genfer Autosalon im März 1999.

1999 Pagani Zonda C12
1999 Pagani Zonda C12
1999 Pagani Zonda C12
1999 Pagani Zonda C12
1999 Pagani Zonda C12

Pagani widersetzte sich dem Aluminium-Leichtbau-Trend dieser Zeit und baute auf die extensive Nutzung von Carbon. Bis heute ist die Kohlefaser das Steckenpferd des kleinen Sportwagenbauers. Horacio Pagani gilt als Vater des leichten Verbundwerkstoffs, seit er mit seiner Arbeit bei Lamborghini in den 1980ern dessen Durchbruch einleitete. Aber es waren vor allem die Details, die den Zonda so sehr aus der Masse herausstechen ließen; die Lederriemchen an der Karosserie, die unglaublich liebevollen Details im Interieur, die Schalter, die Pedale und dann noch diese unsagbar opulente Karosserie, die vier Auspuffendrohre mittig zwischen den Rückleuchten, die pedantische Verarbeitungsqualität - dieses Auto sah genauso exklusiv aus, wie es das Preisschild vermuten ließ.

"Die Form sollte sinnlich sein, die Radhäuser sollten an die weibliche Brust erinnern, das Heck an die Hüften", erklärt CEO Horazio Pagani. "Innen sollten die Sitze wie eine umgedrehte Pyramide geformt sein, um sich um die Schultern zu schmiegen, um dem Mann ein Gefühl von Stärke zu vermitteln und der Frau ein Gefühl von Schutz. Eine komplizierte Suche nach einfachen Ideen. Mit einem Wort: Zonda."

Bei aller Gefühligkeit sollte man aber auf keinen Fall den mächtigen V12 hinter den beiden Sitzen vergessen. Zum Start leistete der von Mercedes gelieferte 6,0-Liter-Zwölfzylinder 394 PS und 570 Nm Drehmoment. Per Fünfgang-Schaltgetriebe ging die Kraft an die Hinterräder. Dank seiner Leichtbau-Konstruktion brachte der C12 lediglich 1.250 Kilo auf die Waage. Ein Grund für seine (zumindest für damalige Verhältnisse) hervorragenden Fahrleistungen. Für den Spurt von 0-100 km/h benötigte er 4,2 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 298 km/h.  

Frische Perspektive

Insgesamt wurden überwältigende ... ähm ... fünf Exemplare des Zonda C12 mit dem Sechsliter-V12 gebaut. Inklusive eines Exemplars für Crashtests und Homologation sowie eines Show- und Demo-Autos. Drei Stück wurden tatsächlich an Kunden ausgeliefert. Natürlich folgten diverse Variationen des Zonda mit 7,0- und 7,3-Liter-Motoren sowie deutlich angehobener Leistung. Gegen Ende der 2000er lag man bereits bei 670 PS, 2017 brachte man dann nochmal ein Sondermodell mit 800 PS. Die Autos wurden über die Jahre technisch aufwendiger und wesentlich teurer, aber den Status des Originals kann dem C12 keiner seiner stärkeren, extrovertierteren Nachfolger je streitig machen.   

Der Zonda C12 bedeutete den Durchbruch für Horazio Pagani. Er verankerte Pagani Automobili als seriösen Player im Supercar-Segment und tat das mit unendlich viel Stil. Verglichen mit anderen Luxus-Sportlern dieser Zeit - direkten Konkurrenten wie dem Lamborghini Diablo oder noch abenteuerlicheren Kreationen wie dem Mercedes CLK GTR - erzeugte der C12 eine Wirkung, die man heute noch spüren kann. 

1999 Pagani Zonda C12
1999 Pagani Zonda C12

Der erste je gebaute Zonda C12, das weiter oben angesprochene Homologationsauto, befindet sich nun übrigens wieder im Besitz von Pagani. Das Unternehmen unterzog Chassisnummer 001 einer vollständigen Restaurierung im Zuge seines "Pagani Rinascimento"-Programms (auf den Bildern sehen Sie Chassisnummer 002). Pagani zeigte das Auto passenderweise auf dem Genfer Autosalon 2019, zu Ehren seines 20. Jubiläums. 

Bildergalerie: Pagani Zonda C12 1999