Hoppe, hoppe Hilux ...

Ein Pick-up wie der Toyota Hilux macht ja eigentlich nur dann wirklich Sinn, wenn Sie des Öfteren äußerst sperrige Dinge transportieren müssen, die aus irgendwelchen Gründen an Orte gelangen sollen, wo man nicht mit einem normalen Transporter oder Kleinbus hinkommt. Trotzdem ist nicht nur der Toyota, sondern diese gesamte Fahrzeugklasse auch bei PrivatnutzerInnen in den letzten Jahren in Europa immer beliebter geworden.

Der Markt wächst also. Und er soll weiter wachsen. Um ein weiteres Drittel in den nächsten drei Jahren – so verlauten es die Prognosen. Und weil der neue Kundenstamm nicht nur pragmatisch veranlagt ist, sondern auch ein immer aktuelles Design, mehr Komfort, Sicherheit und Assistenz sowie die neusten Antriebe verlangt, müssen Hersteller, die ein solches Ladeflächen-Modell anbieten, gelegentlich ein Update vornehmen. Der Frische wegen.

Was soll sich geändert haben?

Toyota hat dem Hilux im Zuge des letzten Facelifts also ein neues Frontdesign und einen neuen 2,8-Liter-Diesel spendiert. Auch Komfort und Fahreigenschaften sollen sich verbessert haben. Hinzu kommen aufgewertete Ausstattungen und Extras sowie eine erweiterte Modellpalette. Wir haben das Modell mit dem neuen Motor ausprobiert und sind den Toyota Hilux 2,8-l-D-4D mit 6-Gang-Automatik, Allradantrieb und Doppelkabine gefahren.

Toyota Hilux (2021) im Test
Toyota Hilux (2021) im Test

Ob Ihnen die neue Optik nun taugt oder nicht, überlassen wir Ihrem Geschmacksempfinden. Unserer Meinung nach ist die Front eben bulliger geworden. Kann man mögen, muss man aber nicht. Wir fanden das alte Design etwas "eleganter" – im Pick-up-Maßstäben.

An der Länge des Fahrzeugs hat sich praktisch nichts geändert. 5.325 Millimeter sind es. Darüber hinaus ist die Ladefläche in der gefahrenen Double Cab-Version 1.525 Millimeter lang, die Nutzlast beträgt eine Tonne und an die Anhängerkupplung können bis zu 3,5 Tonnen gehängt werden. Ford Ranger, Nissan Navara oder Mitsubishi L200 rangieren alle in den selben Sphären.

Toyota Hilux (2021) im Test

Kernstück der jüngsten Überarbeitung ist aber ja auch der neue Motor. Während Sie bislang lediglich einen etwas trägen 2,4-Liter-Vierzylinder-Diesel mit nur 150 PS ordern konnten, schraubt Toyota jetzt auch ein auf 2,8 Liter vergrößertes Aggregat unter die wuchtige Haube.

Wir drücken den Startknopf und trotz des eigentlich ganz nett verarbeiteten Innenraums (unter Ford-Niveau, aber gleichwertig zu Nissan oder Mitsubishi) mit zwar eher praktischen Materialien aber einer komfortabel-ansprechenden Gestaltung, merkt man sofort, dass es sich hier um einen Nutzfahrzeug-Antrieb handeln muss.

Schneller ... aber nicht leiser und spontaner

Akustisch ist der Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen (DOHC) und 16 Ventilen stets präsent und nagelt genüsslich vor sich hin. Wir schieben den langen Hebel der weiterentwickelten Sechsgang-Automatik auf "D" und rollen im 2WD-Modus mit Hinterradantrieb los. Theoretisch könnte es mit dem neuen Motor und der Automatik in 10,7 Sekunden auf Tempo 100 gehen. Klingt langsam, ist aber rund 2 Sekunden schneller als das Hilux-Modell mit 2,4-Liter-Motor. Die Höchstgeschwindigkeit ist mit 175 km/h ebenfalls etwas besser. Allerdings lediglich fünf Kilometer pro Stunde.

Toyota Hilux (2021) im Test

Den Bärenanteil dieser Verbesserungen fallen auf die 204 PS sowie die 500 Newtonmeter Drehmoment zurück. Auch bei höheren Drehzahlen (bis 2.800 U/min) liegt die maximale Kraft an. So schiebt der Hilux in jedem Gang deutlich länger effektiv nach vorne. Das Getriebe sträubt sich jedoch gegen diese positive Leistungsentwicklung.

Durch eine Wandlerüberbrückung soll das Fahrzeug zwar direkter auf Gaspedalbefehle reagieren, allerdings gilt dies nur für die Wechsel zwischen den Gängen vier, fünf und sechs. Ansonsten ist das Ansprechverhalten eher indirekt und die Fahrstufen werden zum Teil unwillkürlich gewechselt. VW oder Ford machen das besser.

Den Normverbrauch kommuniziert Toyota mit 9,5 Liter/100 km (WLTP). Wir brauchten auf unserer kurzen Testrunde rund 10,3 Liter/100 km. Rechnen Sie also stets mit einem zweistelligen Verbrauch. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht ist jedoch, dass der Motor die aktuell geltenden Abgasnormen erreicht und der Hilux außerdem nicht wirklich mehr braucht als in der Version mit 2,4 Liter Hubraum.

Robuste Technik mit einzelnen Updates

Als einer von wenigen Pick-ups setzt der Hilux noch auf einen Leiterrahmen. Was im Gelände für hohe Robustheit und Torsionssteifigkeit sorgt, ist auf der Straße für die Komfort-bewusste Käuferschaft schon eine Herausforderung.

Dabei hat Toyota einiges getan, um eine Verbesserung herbeizuführen. Die Stoßdämpferabstimmung wurde verändert, die Hinterradaufhängung aus Blattfedern und Doppelstoßdämpfern wurde überarbeitet. Die Blattfedern wurden um sechs Prozent verlängert. Außerdem erhalten sie Unterstützung von einer Zusatzfeder.

Toyota Hilux (2021) im Test
Toyota Hilux (2021) im Test

Ein zusätzlicher horizontalen Stabilisator mit erhöhter Seitensteifigkeit für mehr Lenkstabilität in Kurven sowie bei Spurwechseln kam ebenfalls hinzu und die Servolenkung soll eine direktere Rückmeldung geben. So viel zur Theorie, denn in der Praxis bleibt der Hilux eben ein Pick-up mit Leiterrahmen. Besser ist das Fahrverhalten trotzdem geworden. Wieder mit der Anmerkung: Immer im Bezug auf die Fahrzeugklasse ...

Was hoppelt denn da?

Die veränderte Straßenlage kommt vor allem an der umfangreicher angepassten Hinterachse zum Tragen. Zu leicht wirkende, nervöse und nicht wirklich spurstabile Hinterteile sind ein beliebtes Phänomen bei den Pritschenwagen. Besser wird die Straßenlage dann eigentlich nur, wenn man ordentlich Gewicht ins Ladeabteil packt.

Beim Hilux fällt diese Schwäche im leeren Zustand nicht wirklich auf. Dafür ist die Lenkung nicht wirklich präzise und die Vorderachse ist so hart abgestimmt, dass man eher über schlechte Straßen hoppelt als fährt. Robustheit und Komfort gehen eben leider nicht immer harmonisch Hand in Hand.

Toyota Hilux (2021) im Test
Toyota Hilux (2021) im Test
Toyota Hilux (2021) im Test

Gelände? Kann der Hilux natürlich. Haben wir mit dem neuen Motor während der kurzen Testfahrt aber nicht wirklich ausprobieren können. Okay ... auf einem Schotterparkplatz haben wir mal mittels Drehregler den Allrad und die Untersetzung aktiviert sowie das Hinterachsdifferenzial gesperrt, aber das wars dann auch.

Rein theoretisch wurde die Geländegängigkeit aber durch eine neue elektronische  Funktion verbessert, die man im 2WD-Modus aktivieren kann. Sie wirkt ähnlich wie ein mechanisches Sperrdifferential und verhilft dem Pick-up auf rutschigem Untergrund auch ohne zugeschalteten Allradantrieb zu guter Traktion.

Gelände? Keine Frage ...

Die Absenkung der Leerlaufdrehzahl von 850 auf 650 U/min sollen ebenfalls das Gelände-Handling verbessern. Das gleich gilt für das modifizierte ESP, die spezielle Offroad-Kennlinie der Servolenkung sowie die neue Reifenwinkelüberwachung.

Die harten Fakten: Die Double-Cab-Version hat eine Bodenfreiheit von 31 Zentimetern, einen Böschungswinkel von 29 Grad vorne und 26 Grad hinten sowie eine Wattiefe von 70 Zentimeter. Damit sollten sich alle Offroad-Fragen beantworten lassen.

Toyota Hilux (2021) im Test

Noch ein paar Worte zum Interieur: Die Platzverhältnisse blieben unangetastet. Vorne gut, hinten – trotz Double Cab – eher mäßig. Es gibt neu gestaltete Instrumente und ein 8,0-Zoll-Multi-Info-Display in der Mittelkonsole. Das Multimediasystem reagiert mit verbesserter Software etwas schneller, ist aber immer noch ein wenig chaotisch gegliedert. Die Integration von Smartphones gelingt jetzt aber über Apple CarPlay und Android Auto. Dann geht's mit der Menüführung und wichtige Funktionen lassen sich ohnehin immer noch über gute und alte Knöpfe und Schalter bedienen.

37.970 Euro sind mindestens nötig, wenn man einen solchen Hilux mit dem neuen Motor und vier vollwertigen Türen von einem Toyota-Händler in die eigene Auffahrt befördern möchte. Mit etwas sinnvoller Ausstattung landen Sie dann irgendwo zwischen 40.000 und 45.000 Euro. Nissan Narava-Niveau. Ein vergleichbarer Ford Ranger kostet immer mindestens 45.000 Euro.

Und dann? Dann können Sie sich bei den Zubehöroptionen austoben. 300 Stück gibt es bei Toyota und sie reichen von unterschiedlichen Ladeflächenabdeckungen, über Schutzverkleidungen, Überrollbügeln, Felgen oder Einstiegsstufen bis hin zu 12-Volt-Anschlüssen auf der Pritsche.

Fazit: 7,5/10

Sollten Sie in Ihrem Nutzungsprofil wirklich nicht um einen Pick-up herumkommen, macht man mit dem Hilux sicher nichts falsch. Die Langlebigkeit der Technik ist legendär und dem neuen Motor wird in so gut wie keinem erdenklichen Szenario die Puste ausgehen.

Trotz Doppelkabine, zahlreichen neuen Komfort-Features und Überarbeitungen an Automatik und Fahrwerk fährt sich der Hilux im Straßenverkehr aber immer noch wie ein Nutzfahrzeug mit offener Ladefläche, Leiterrahmen und nagelndem Diesel. Mehr Fahrkomfort bietet aber einzig der Navara, der mit Fünflenker-Hinterachse den Spagat zum Pkw besser schafft.

Bildergalerie: Toyota Hilux (2021) im Test

Toyota Hilux Comfort 2,8-l-D-4D 4x4 Double Cab

Motor 2.755 ccm / 4-Zylinder-Commonrail-Diesel
Getriebeart 6-Gang-Automatik
Antrieb Hinterradantrieb mit manuell zuschaltbarem Allrad und Getriebe-Untersetzung
Leistung 204 PS
Max. Drehmoment 500 Nm (bei 1.600 – 2.800 U/min)
Beschleunigung 0-100 km/h 10,7 s
Höchstgeschwindigkeit 175 km/h
Verbrauch 9,5 l/100km (WLTP) // Testverbrauch: 10,3 l/100km
Länge 5.325 mm
Breite 1.855 mm
Höhe 1.815 mm
Leergewicht 2.090 – 2.355 kg
Zuladung 1.005 – 1.060 kg
Anhängelast 3,5 t (gebremst bei 12% Steigung)
Wattiefe 700 mm
Bodenfreiheit 310 mm
Böschungswinkel 29 Grad
Böschungswinkel hinten 26 Grad
Basispreis 37.970 Euro