Wie viel Sprit verbraucht das SUV mit starkem Diesel im realen Straßenverkehr?

[Bei der Veröffentlichung des letzten Verbrauchstests fiel uns ein interessanter "Consumi reali"-Test zum BMW X2 mit Dieselmotor auf. Er stammt zwar aus dem Jahr 2018, aber das Auto wurde seither nicht wesentlich verändert. Daher reichen wir diesen Test nun nach.] 

Schon wieder spielt ein SUV mit Dieselmotor die Hauptrolle in unserem Test zum realen Kraftstoffverbrauch. Diesmal geht es um den BMW X2, genauer gesagt den X2 xDrive 25d, der mit seinem 231 PS starken Zweiliter-Selbstzünder, Allradantrieb und Achtgang-Automatik sehr dynamisch ausgelegt ist. Trotzdem legt das coupéhafte Kompakt-SUV auf unserer 360-km-Teststrecke einen guten Durchschnittsverbrauch hin: Wir brauchten nur 4,30 Liter/100 km, was bei den aktuellen deutschen Spritpreisen 4,69 Euro/100 km entspricht.

Schlägt sogar weniger PS-starke Modelle

Wie sparsam dieses Auto ist, zeigt unser Verbrauchs-Ranking mit allen bisherigen Testergebnissen. Hier ordnet sich der Wagen zwar hinter dem kürzlich getesteten Mercedes GLA 200 d 4Matic ein, der mit 3,40 Liter deutlich sparsamer war. Aber sonst gibt es (seit wir die Originaltests übersetzen), kein Diesel-SUV der Kompaktklasse, das ähnlich effizient unterwegs war.

Kollege Fabio von Motor1.com Italien führt diese Tests bereits viel länger durch. Aber auch in seinem Ranking gab es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (29. August 2018) kaum bessere Konkurrenten.

Der X2 mit seinen 4,30 Liter/100 km wurde nur vom Peugeot 3008 BlueHDi 130 S&S EAT8 (3,70 Liter) geschlagen. Knapp hinter dem BMW liegen weniger leistungsstarke Modelle: Nissan Qashqai 360 dCi 130 4WD (4,33 Liter), Toyota C-HR Hybrid (4,43 Liter) und der alte VW Tiguan 1.6 TDI mit 115 PS (4,45 Liter). Noch weiter abgeschlagen liegen der Honda CR-V 1.6 i-DTEC Diesel 2WD und der Mini Cooper D All4 Countryman (4,65 Liter), der Kia Niro Hybrid (4,83 Liter) und der Volvo XC40 D4 Geartronic AWD mit 5,25 Liter.

BMW X2 (2018)
BMW X2 (2018)

Sportlichkeit und Ausstattung müssen bezahlt werden

Wo liegen Stärken und Schwächen unseres BMW X2 mit dem Top-Motor und der Top-Ausstattung (M Sport X der italienischen Version)? Für die beachtliche Summe von rund 70.000 Euro (italienischer Preis mit Extras, in Deutschland kostet diese Version ohne Extras 50.153 Euro) erhalten Sie ein SUV mit nahezu perfekten Materialien sowie überraschender Beschleunigung, ein hervorragendes Steptronic-Automatikgetriebe (von Aisin) und Assistenzsystemen der neuesten Generation.

Weniger positiv sind die massive hintere Dachsäule, die das Rückwärtsfahren nicht gerade erleichtert, und der begrenzte Platz für die Beine der Fondpassagiere. Trotz des hohen Preises  fehlen klimatisierte Sitze und LED-Matrix-Scheinwerfer.

BMW X2 (2018)

Bei konstantem Tempo am besten

Der getestete BMW X2 xDrive 25d M Sport X verbrauchte im gemischten Einsatz innerorts und außerorts durchschnittlich 6,1 Liter/100 km, was für die Kategorie respektabel ist. Bei Fahrten im dichten Verkehr Roms stieg der Verbrauch auf 7,5 Liter an. Auf der (italienischen) Autobahn erzielte das SUV ein bemerkenswertes Ergebnis von 6,0 Liter. Unser Spritspar-Test, der wie immer auf einer ebenen Straße bei niedriger Geschwindigkeit durchgeführt wurde, ergab einen Wert von 3,3 Liter. Am Ende des gesamten Testzeitraums, in dem wir 1.202 km fuhren, zeigte der Bordcomputer 5,3 Liter/100 km an.

Daten des Testfahrzeugs

Fahrzeug: BMW X2 xDrive 25d M Sport X
Listenpreis: 50.153 Euro (deutscher Preis, ohne Extras) 
Testdatum: 29. August 2018
Wetter: heiter, 30 Grad
Insgesamt gefahren: 1.202 km
Durchschnittsgeschwindigkeit auf der Strecke Rom-Forlì: 82 km/h
Reifen: Pirelli PZero XL runflat - 225/40 R20

Verbrauch und Kosten

Bordcomputer-Anzeige: 4,1 Liter/100 km
An der Zapfsäule ermittelter Verbrauch: 4,5 Liter/100 km
Mittel aus diesen Werten: 4,30 l/100 km
Kraftstoffpreis: 1,09 Euro/Liter (Diesel)
Spritkosten: 4,69 Euro/100 km

Und so ermitteln wir den Verbrauch

Wenn Sie einen Freund nach dem Verbrauch seines Autos fragen, nennt er Ihnen wahrscheinlich einen Wert, der keinen Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebt. Vielleicht hat er den Wert vom Bordcomputer abgelesen, oder er hat seine Tankrechnungen aufbewahrt und sich daraus einen Verbrauch errechnet.

Ähnlich ermitteln wir unseren Testverbrauch: Er ergibt sich als Mittel aus Bordcomputer-Wert und dem an der Tankstelle ermittelten Verbrauch. Die Testautos werden stets von Fabio Gemelli von Motor1.com Italien gefahren. Der Journalist fährt häufig fürs Wochenende von der Redaktion in Rom in seine Heimat Forlì (in der Emilia-Romagna).

Dabei bewegt er die Autos bewusst sparsam: Er bleibt knapp unter der Höchstgeschwindigkeit (auf der italienischen Autobahn: 130 km/h), vermeidet abruptes Beschleunigen und Bremsen und fährt vorausschauend. Die Teststrecke Rom-Forlì ist etwa 360 Kilometer lang und umfasst 65 Prozent Superstrada (autobahnähnliche Schnellstraße, Tempolimit zwischen 90 und 110 km/h), 25 Prozent Autostrada (Autobahn, Tempolimit 130 km/h), fünf Prozent Strada Statale (Bundesstraße, Tempolimit 90 km/h) und fünf Prozent Stadtverkehr.

Dabei wird der Apennin überquert, die Strecke enthält also durchaus auch Steigungen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt in der Regel bei 70 bis 80 km/h. Am Ende der Strecke notiert unser Tester die Bordcomputer-Anzeige und berechnet (bei Autos mit Verbrennungsmotor) den Verbrauch an der Zapfsäule.

Dabei wird "von voll bis voll" gemessen, wobei voll bedeutet: Das Tanken wird beim ersten Klick der Zapfpistole beendet. Dann berechnet Fabio den Mittelwert. Die Kosten berechnen wir jedoch anhand der deutschen Preise (Durchschnittskosten laut ADAC zum Zeitpunkt der Veröffentlichung).

Bei Elektroautos verwenden wir den Bordcomputer-Verbrauch und einen durchschnittlichen Strompreis von 30 Cent pro kWh (gerundeter Durchschnittspreis für 1 kWh Haushaltsstrom in Deutschland laut BDEW, Stand 7/2019). Bei Erdgas- und Autogas-Fahrzeugen wird der Durchschnittspreis von www.gas-tankstellen.de in Anschlag gebracht.

Bildergalerie: BMW X2 (2018)