Zugstark mit Allradantrieb und Untersetzung

Wenn Sie in der schwierigen Situation sind, dass Sie ein Auto suchen, das genau diese Kriterien erfüllt, dann wird die Auswahl plötzlich klein. Und der Preis hoch. Anforderungen, die vor 15 Jahren selbstverständlich waren, erfüllen inzwischen nur noch wenige Geländewagen/SUVs. Der Jeep Cherokee (getestet in der Overland-Ausstattung) ist eines dieser Modelle.

Er zieht Anhänger bis 2,5 Tonnen, besitzt einen variablen Allradantrieb mit Schnee-, Sand- und Sport-Einstellung sowie Untersetzung. Er wiegt rund zwei Tonnen und misst 4,60 Meter in der Länge – das entspricht einem Audi Q5. Der Preis: Ja, da wird es… mittelgut. In der Basis kostet der Cherokee 47.500 Euro. Als Overland 51.500 Euro.

Überraschung: doch nicht so teuer

Das klingt im ersten Moment nicht nach einem Schnäppchen. Doch eine Sache müssen Sie wissen: Der Jeep Cherokee hat einen enormen Wertverlust und das schon nach dem ersten Anlassen. Gehen Sie zum Händler, finden Sie Rabatte von 10 bis 20.000 Euro. Und das auf Modelle, die weniger als 10.000 Kilometer gelaufen sind oder lediglich eine Tageszulassung haben.

Jeep Cherokee (2020) im Test

Für Preise um 35.000 Euro ist der Cherokee in der Overland-Ausstattung ein interessantes Angebot. Vor allem, da Overland viel Ausstattung bedeutet. Sogar Extras wie 19-Zoll-Felgen und das zweiteilige Panorama-Glasschiebedach sind serienmäßig. LED-Scheinwerfer, Infotainment, Connectivity-Angebote, Rückfahrkamera und Tempomat gehören ohnehin zur Serienausstattung. Obendrein gibt es Sitzheizung- und Kühlung und ein beheizbares Lenkrad.

Platzangebot und Verarbeitung

Maximal fasst der Kofferraum 1.555 Liter, bei aufrechten Rückenlehnen 448 Liter. Die Sitze klappen allerdings nicht zu einer komplett ebenen Ladefläche, wenngleich keine störende Kante entsteht. Die Verarbeitung ist super und die Materialien solide. Der Cherokee versucht nicht unbedingt luxuriös zu wirken indem sich der Innenraum in Alcantara hüllt, doch billig ist er nicht.

Zum Vergleich: Der etwas größere Ford Edge macht einen deutlich schlechteren Eindruck. Die Verarbeitungsklischees amerikanischer Autos treffen auf den Edge deutlich eher zu als auf den tadellosen Cherokee. Über dauerhafte Haltbarkeit kann ich leider nichts sagen, da es ein neues Auto ist. Im Test machen die Materialien allerdings einen robusten Eindruck.

Hat er Schwächen?

Leider ja! Motor und Getriebe lassen zu wünschen übrig. Der 2,2-Liter- Diesel leistet 195 PS. Schwer zu glauben, denn der Cherokee schiebt sich zäh voran. Nicht, dass Beschleunigungswerte wichtig wären, aber sie geben das subjektive Empfinden gut in Zahlen wieder: Mit dem Allradsystem Active Drive II dauert es 9,3 Sekunden bis 100 km/h. Mit Active Drive I 8,8.

Jeep Cherokee (2020) im Test

450 Newtonmeter liegen bei 2000 U/min an und lassen trotzdem den kraftvollen Antritt vermissen, der für Diesel typisch ist. Das liegt nicht alleine am Motor. Die Neungangautomatik frisst einen Teil der Kraft und besitzt obendrein zu viele Gänge, die den Vierzylinder des Öfteren an der Kraftentfaltung hindern.

Motor und Getriebe harmonieren einfach nicht gut miteinander. Der 2,2-Liter-Diesel stammt mit seiner rauen Laufkultur und seinem schmalen Drehzahlband aus einer anderen Zeit. Einer Zeit, in der Getriebe maximal sechs Gänge besaßen.

Verbrauch und Fahreigenschaften

Der Wechsel in den Sportmodus bestätigt diesen Eindruck, denn die Schaltstrategie scheint hauptsächlich darin zu bestehen, nicht alle Gänge zu benutzen. Das funktioniert gut, ist aber nicht die sparsamste Methode. Die wäre das Auto-Setting. Im Durchschnitt liegt der Testverbrauch bei 8,5 Litern auf 100 Kilometern. In Ordnung für einen rund zwei Tonnen schweren Allrad-Diesel (Euro 6d-temp).

Jeep Cherokee (2020) im Test

Das Fahrverhalten hat natürlich nicht das Geringste mit Sportlichkeit zu tun! Eigentlich ein Grund zum Feiern, denn ein solches Auto sollte nicht sportlich fahren. Wozu!? Jedoch fährt der Cherokee auch nicht außergewöhnlich bequem. Obwohl sich die Karosserie in der Kurve neigt und eine weiche Abstimmung suggeriert, rattern die Räder über kurze Unebenheiten.

Es fehlt das kleine bisschen zusätzlicher Komfort. Als hätte Jeep es nicht gewagt, sich dem Trend zu straffen Fahrwerken gänzlich zu verweigern. Schade, denn bequeme Autos sind inzwischen schwerer zu finden als angeblich "sportliche".

Fazit: 7/10

Der Listenpreis des Cherokee ist schlichtweg übertrieben. Das scheint auch der FCA-Konzern zu wissen, oder zumindest die Händler. In Anbetracht der möglichen Rabatte und der sehr guten Serienausstattung passt das Preisleistungsverhältnis allerdings wieder. Deshalb sind auch die Schwächen verzeihlich. Außerdem besitzt er überdurchschnittliche Geländefähigkeiten und zieht größere Lasten. Rundum fähig und solide.

Bildergalerie: Jeep Cherokee (2019) im Test

Jeep Cherokee Overland Active Drive II

Motor Diesel-4-Zyl; 2.184 ccm
Antrieb Allradantrieb
Getriebeart 9-Gang-Automatik
Leistung 143 kW (195 PS)
Max. Drehmoment 450 Nm bei 2.000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Verbrauch Normverbrauch: 6,9l; Testverbrauch 8,5l
Emission 179 g/km CO2
Leergewicht 2.013 kg
Kofferraumvolumen 448 - 1.555l
Bodenfreiheit 208 mm
Höhe 1.707 mm
Breite 1.859 mm (ohne Spiegel)
Länge 4.623 mm
Anhängelast 2.494 kg (gebremst); 450 kg (ungebremst)
Basispreis 47.500 Euro
Preis des Testwagens 51.500 Euro