Zählt nur die Marke? Zwei Kleinwagen mit rund 120 PS im Duell

Aufsteiger gibt es nicht nur im Fußball. Auch auf dem Automarkt streben die Kleinen nach Höherem: Modelle wie ein VW Polo sind praktisch bereits dort angekommen, wo einst die Kompaktklasse parkte. Beispiel gefällig? So war anno 1991 ein VW Golf III lediglich 4,02 Meter lang. Ob Platzangebot, Assistenzsysteme oder auch der Preis: Immer mehr, mehr, mehr. Für unseren Vergleichstest haben wir den Ford Fiesta und den noch recht neuen Audi A1 unter die Lupe genommen. Ist teurer unbedingt besser oder bezahlt man nur für einen prestigeträchtigen Namen?

Karosserie/Platzangebot

Wenden wir uns zunächst den Designfragen zu: Ob hübsch oder hässlich liegt natürlich immer im Auge des Betrachters. Für uns macht der Audi A1 gegenüber dem Ford Fiesta einen pfiffigeren Eindruck, wenngleich einige Details wie die drei Lufteinlässe oberhalb des Grills etwas arg verspielt wirken. Der A1-Zielgruppe mag das gefallen: Hier Influencer, beim Fiesta all jene, die mit Influenza zum Arzt gehen. Offiziell trägt der A1 übrigens den Namenszusatz "Sportback", weil es ihn seit dem Modellwechsel nur noch fünftürig gibt. Anders der Fiesta, bei dem die hinteren Zugänge 800 Euro extra kosten.

Sie sollte man aber mitbestellen, weil so der recht enge Fond des Fiesta nicht nur besser zugänglich ist, sondern auch luftiger wirkt. Die Tatsache, dass es hinten im A1 bequemer zugeht, untermauern die Zahlen: In den Abmessungen sind beide Fahrzeuge dicht beieinander, jedoch ist der Fiesta rund fünf Zentimeter höher, während der A1 satte sieben Zentimeter mehr Radstand liefert. Im Klartext: Ein gigantisches Raumwunder ist der Audi natürlich trotzdem nicht, aber hier möchte man zu Viert lieber Langstrecke fahren, zumal auch der Kofferraum größer als der des Fiesta ist. 

Vorne punktet der A1 ebenfalls mit großzügigerem Zuschnitt, links und rechts ist für die Arme schlicht mehr Platz als im Fiesta. Letzterer hat übrigens nur eine sehr kurze, nicht verstellbare Mittelarmlehne, während die Auflage des A1 gut nutzbar ist. Insgesamt merkt man dem Fiesta beim Raumangebot an, dass er im Gegensatz zum A1 keine komplett neue Plattform spendiert bekam.

Die wichtigsten Abmessungen in der Übersicht:

  Audi A1 Sportback Ford Fiesta (5-Türer)
Länge 4.029 mm 4.040 mm
Breite 1.740 mm 1.735 mm
Höhe 1.433 mm 1.476 mm
Radstand 2.563 mm 2.493 mm
Kofferraum 335 Liter 292 Liter
Leergewicht (mit Fahrer) 1.180 Kilogramm 1.164 Kilogramm

 

Bedienung

Widmen wir uns dem Cockpit beider Kontrahenten: Obwohl der Audi seinen Premiumanspruch auch preislich untermauert (wie wir noch sehen werden), kann er sich bei den verwendeten Materialien nicht grundlegend vom Ford absetzen. Speziell die Türverkleidungen aus hartem Kunststoff fallen ins Auge, ebenso die farblich recht wilde Mischung im A1. Natürlich dominiert auch im Fiesta Plastik, doch die Bemühungen um Hochwertigkeit sind hier spürbar. Spätestens in der Topversion "Vignale" muss sich der Ford nicht vor dem Audi verstecken.

Allerdings hängt der A1 den Fiesta beim Infotainment ab: Die sogenannte "MMI Navigation plus" glänzt mit Google-Echtzeitkarten und vorzüglicher Sprachbedienung, kostet aber mit 1.495 Euro auch ein kleines Vermögen. Verzichtbar wäre im Gegenzug das virtuelle Cockpit, da der Touchscreen in Richtung des Fahrers geneigt ist, doch die digitalen Instrumente sind stets an Bord.

Audi A1 vs. Ford Fiesta im Vergleichstest

So etwas gibt es beim Fiesta gar nicht, ein Verlustgefühl kommt aber nicht auf. Sauber gezeichnete Rundinstrumente, dazwischen ein ausreichendes Farbdisplay für Navigation und Co., das passt. Leider zwängt sich der Acht-Zoll-Touchscreen auf der Mittelkonsole recht dominant ins Blickfeld des Fahrers, eine flachere Lösung erscheint hier günstiger. Apropos: Die 750 Euro fürs Navi könnte man sich sogar sparen, da der Fiesta in der von uns getesteten Titanium-Ausstattung schon serienmäßig mit AppLink vom Band rollt. Im Fiesta gibt es mehr Schalter und Knöpfe als im A1. Ob das verwirrt oder nicht, muss jeder für sich selbst entscheiden, spontan findet man manche Funktion aber schneller im Ford. Nachteil Fiesta: Es gibt nur eine Einzonen-Klimaautomatik, dafür kann man aber zwischen drei Automatik-Einstellungen des Gebläses wählen. Ein weiterer Minuspunkt sind außerdem die kleineren Ablagen im Fiesta. 

Motor/Getriebe

Beide Kontrahenten treten mit sehr ähnlichen Motorkonzepten an: Turbo-Dreizylinder mit 998 (Ford) respektive 999 (Audi) Kubikzentimeter Hubraum, dazu Leistungen von 125 PS (Ford) und 116 PS (Audi). Ein Vorteil also für den Fiesta? Jein. 170 Newtonmeter maximales Drehmoment stehen 200 Newtonmeter beim A1 gegenüber. Allerdings liefert der Ford besagte 170 Newtonmeter früh ab 1.500 Touren bis hoch zu 4.500 Umdrehungen, garniert von einer präzisen Schaltung mit kurzen Wegen. Knorpeliger wandert der Audi-Knüppel durch die Gassen, doch obwohl der A1 sein maximales Drehmoment erst bei 2.000 Umdrehungen erreicht und die Schaltung von manchen Kollegen als sehr lang übersetzt empfunden wird, lässt er sich angenehmer untertourig fahren. Unter 2.000 gibt sich der Fiesta brummig, man hat eher das Gefühl, ihn zu quälen. 

Audi A1 vs. Ford Fiesta im Vergleichstest

Bei Tempo 140 sind beide Kontrahenten nicht laut, aber im Ford ist der Dreizylinder präsenter als im Audi, ebenso die Wind- und Abrollgeräusche. Komfortabler wirkt der A1, der Fiesta hingegen sportlicher. 

Die wichtigsten technischen Daten in der Übersicht:

  Audi A1 Sportback 30 TFSI Ford Fiesta 1.0 EcoBoost
Motor Turbo-Dreizylinder-Benziner Turbo-Dreizylinder-Benziner
Hubraum 999 ccm 998 ccm
Getriebe Sechsgang manuell Sechsgang manuell
Leistung 85 kW (116 PS) 92 kW (125 PS)
Drehmoment 200 Nm von 2.000 - 3.500 U/min 170 Nm von 1.500 - 4.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h 9,5 Sekunden 10,0 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 203 km/h 195 km/h

 

Fahrwerk/Lenkung

In Sachen Fahrwerk und Lenkung setzt sich der sportliche Eindruck beim Fiesta fort: Seine Lenkung spricht deutlich direkter und linearer an als die des Audi, zudem gefällt die exakte Rückmeldung. Beim Fahrwerk herrscht an der Hinterachse Gleichstand: Beide Wagen nutzen dort eine schlichte Verbundlenker-Konstruktion. Der Audi kann auf grobem Untergrund sein Plus beim Radstand nicht ausspielen, gefühlt federt der Fiesta eine Nuance geschmeidiger. Sänftenartigen Komfort sollte man sowohl beim A1 als auch beim Fiesta dennoch nicht erwarten, zumal wenn beide Autos wie in unserem Fall mit 17-Zoll-Bereifung daherkommen.

Verbrauch/Preis

An der Tankstelle zahlt sich die Getriebeübersetzung des Audi A1 aus: Mit durchschnittlich sechs Liter im Schnitt liegt er deutlich vor dem Ford Fiesta, der sich in unserem Test 7,5 Liter gönnte. Doch die aberwitzige Preisgestaltung beim A1 macht den Verbrauchsvorteil wieder zunichte. Beim Grundpreis liegen beide Kleinwagen "nur" gut 2.000 Euro auseinander: 20.400 Euro der Ford in Titanium-Ausstattung, 22.350 Euro der Audi A1. Dann kommen aber 78 Seiten (!) Audi-Preisliste und unter dem Strich 35.490 Euro. Nein, das ist kein Tippfehler: Über 35.000 Euro für einen Kleinwagen mit 116 PS! 

Im Vergleich dazu der Fiesta: 26.120 Euro. Auch eine Menge Holz, keine Frage. Aber der Ford hat dann einige Extras an Bord, die es für den A1 gar nicht gibt: beheizbares Lenkrad und beheizbare Frontscheibe, Türkantenschutz, Totwinkelwarner und Verkehrszeichenerkennung. Und selbst in der Nobelvariante "Vignale" bleibt der Fiesta klar unter der 30.000-Euro-Marke.

Fazit

Der Audi A1 ist das moderne Kleinwagenkonzept und beeindruckt vor allem beim Platzangebot. In der Summe seiner Eigenschaften ist er aber nicht SO viel besser als der Ford Fiesta, als dass es einen Preisunterschied von fast 10.000 Euro rechtfertigen würde. Auch innen erschlägt einen nicht gerade ein Premium-Ambiente. Warum also nicht gleich zu einem Seat Ibiza oder VW Polo greifen, die auf der gleichen Plattform wie der A1 basieren? Oder zum Fiesta, der eine sportlich angehauchte Alternative für alle bietet, die meist alleine oder zu zweit fahren. Tipp: 100 PS reichen auch, der Motor ist derselbe wie bei 125 PS, das Drehmoment bleibt gleich. 

Bildergalerie: Audi A1 vs. Ford Fiesta im Vergleichstest