Braucht es den Diesel in so einem kleinen Auto?

Was ist das?

Seit Juni 2016 bietet Ford den in Indien produzierten Ka+ auch in Europa an. Das kleinste Modell im Angebot ist allerdings gar nicht so klein: Mit einer Länge von 3,93 Meter ist der Ka+ nur gut zehn Zentimeter kürzer als der aktuelle Fiesta. Um neue Argumente zugunsten des Ka+ zu liefern, spendiert man ihm bereits nach zwei Jahren ein Facelift. Tatsächlich wurde insbesondere die Frontpartie aufgefrischt, sie wirkt nun ausdrucksstärker. Am Heck ändert sich weniger, nach wie vor fehlt hier ein praktischer Griff zum Öffnen des Kofferraums.

Parallel zum schickeren Gesicht baut Ford die Ka+Modellpalette um. Bei den Benzinern bleibt es bei 1,2 Liter Hubraum und Saugern, allerdings sind es nun Dreizylinder mit 70 und 85 PS Leistung. Ganz neu ist ein Diesel mit 95 PS Leistung und Abgasnorm Euro-6d-Temp. Ein Diesel in einem Kleinwagen in diesen unsicheren Zeiten? Ford gesteht ein, dass das Umfeld aktuell nicht gerade optimal ist. Aber die Diesel-Planung begann schon zur Einführung des Ka+, also langfristig.

Dritter Punkt der Ka+-Modellpflege ist die neue Active-Version. Beim Fiesta gibt es so etwas schon, der Focus folgt bald. "Active" bezeichnet quasi eine Zwischenstufe in der Mitte von normalem Pkw und SUV. Also quasi nichts Halbes und nichts Ganzes? Schauen wir uns den Ford Ka+ Active einmal genauer an.

Wo liegen die Unterschiede zum normalen Ka+?

Bereits auf den ersten Blick fällt die Optik des Ka+ Active auf: Serienmäßig ist ein sogenanntes "Crossover-Body-Kit" mit unlackiertem schwarzen Plastik an Stoßfängern und Radläufen. Dazu kommen schwarze Seitenschweller mit silberfarbenem Einsatz. Inklusive sind zudem eine Dachreling, 15-Zoll-Alufelgen und Gummimatten für Innen- und Kofferraum. Das Plus an Bodenfreheit beträgt 23 Millimeter.

Mit 3,95 Meter ist der Ka+ Active exakt 14 Millimeter länger als sein ziviler Bruder, auch in der Höhe wächst er etwas auf 1,55 Meter. Ansonsten bleibt er so praktisch veranlagt wie die anderen Ka-Plusse. 270 bis 1.029 Liter Kofferraumvolumen sind nahe am Fiesta, ebenso das überraschend geräumige Platzangebot. Im Fond sitzt man angenehm, Reisen zu viert wären kein Problem. Positiv kommt hinzu, dass es den Ka+ ausschließlich als Fünftürer gibt.

Wechsel auf den Fahrersitz: Das Cockpit ist zwar schlicht und übersichtlich geblieben, hat aber an Qualität und Praxisnutzen gewonnen. Ein Lederlenkrad und metallische Drehregler an der optionalen Klimaautomatik schmeicheln den Fingern. Die Bedienung gestaltet sich einfach, neu ist bei Bedarf ein 6,5-Zoll-Touchscreen. Leider gibt es kein fest installiertes Navi im Programm, aber per Android Auto oder Apple CarPlay kann das Smartphone den Weg weisen. Einige farbliche Akzente auch auf den Sitzen werten das Interieur das Ka+ Active weiter auf, ein VW Up etwa sieht dagegen ärmlich aus. Ein Kritikpunkt sind die zu kleinen Außenspiegel, deren Verstellung zudem unpraktisch nahe der A-Säule sitzt.

Lohnt sich der Griff zum Diesel?

Vom Fahreindruck her: Ja. Der Diesel kommt kraftvoll von unten raus und bleibt auch bei Tempo 100 noch laufruhig. Dazu passen das durchaus knackig zu schaltende Fünfgang-Getriebe und die überraschend ausgewogene Federung. Ein weiterer Aha-Effekt ist die präzise Lenkung. Ford erleichtert den Griff zum Selbstzünder beim Ka+ (es gibt ihn auch ohne Active) dadurch, dass der nicht aufgeladene 1,2-Liter-Benziner recht müde ist. 115 gegen 215 Newtonmeter Drehmoment sprechen eine deutliche Sprache. Würde Ford allerdings den famosen 1.0 EcoBoost mit 100 PS auch im Ka+ anbieten, sähe es anders aus.

Macht der Ka+ Active preislich Sinn?

Nun, das kommt darauf an, von welcher Seite aus man sich nähert: Der Aufpreis gegenüber dem stärksten Benziner mit 85 PS beträgt exakt 2.000 Euro. In der Fahrzeugklasse des Ka+ eine Menge Holz, allerdings bietet der Diesel einen deutlichen fahrerischen Mehrwert. Im Vergleich zum Fiesta mit gleichem Diesel und Drehmoment, aber nur 85 PS, spart man bis zu 4.000 Euro. Im Gegensatz zum Fiesta muss sein kleiner Bruder aber weitgehend ohne Assistenzsysteme auskommen. Ob es beim Ka+ die Active-Version muss, hängt mehr vom persönlichen Geschmack ab. Ausstattungsbereinigt trennen den Active vom normalen Ka+ nur 600 Euro. 

Fazit: 7 von 10

Gewiss: Wer in Zeiten allgemeiner Hysterie noch zum Diesel greift, ist meist Vielfahrer mit einem großen Wagen. Beim Ka+ kommt es eindeutig auf das persönliche Nutzungsprofil an. Wir könnten uns den Ford Ka+ Active mit Diesel gut für Senioren-Ehepaare vorstellen, die gerne längere Reisen unternehmen, aber keinen großen und teuren SUV möchten. Komplett ausgestattet landet man bei rund 18.000 Euro, Ford selbst bietet aber auch oft spezielle Aktionspreise an.

 

Ford Ka+ 1.5 TDCi Active

Motor Vierzylinder-Turbodiesel, 1.499 ccm
Leistung 70 kW (95 PS)
Max. Drehmoment 215 Nm bei 1.750 U/min
Antrieb Frontantrieb
Beschleunigung 0-100 km/h 11,4 s
Höchstgeschwindigkeit 179 km/h
Verbrauch 4,1 l/100 km
Emission 108 g/km
Länge 3.955 mm
Breite 1.743 mm
Höhe 1.551 mm
Kofferraumvolumen 270 - 1.029 l
Basispreis 15.490 Euro

Bildergalerie: Ford Ka+ Active (2018) im Test