Home

Tests

Neuer BMW M5 im Test

Attacke mit Allrad und 600 PS auf den Mercedes-AMG E 63

Neuer BMW M5 im Test

Roland Hildebrandt Roland Hildebrandt

Von: Roland Hildebrandt

18. Dez. 2017 um 15:56 Uhr

Als bevorzugte Quelle Motor1.com auf Google hinzufügen

Teilen

Wir Automobiljournalisten fragen uns bei gewissen Fahrzeugen: Was soll der Nachfolger überhaupt noch besser können? Solch ein Fall ist der BMW M5. Bereits das bisherige Modell war kein Kind von Traurigkeit. Trotzdem legt München noch eine Schippe drauf: Der neue Ober-5er erstarkt auf 600 PS und erhält erstmals einen Allradantrieb. Wird der M5 damit weichgespült? Das klärt unser Test.

Allrad, aber besonders
Schon früh fiel in der Entwicklung des neuen M5 die Entscheidung zugunsten von Allrad, verraten mir die Ingenieure von BMW. Mit Blick auf die um 40 PS gestiegene Leistung des 4,4-Liter-Biturbo-V8 ein durchaus sinnvoller Gedanke, schließlich werden die 600 PS nicht ausschließlich von Profi-Rennfahrern bewegt. Frank van Meel, Chef der M GmbH, weiß aber auch um den ikonischen Status des Hinterradantriebs und spricht von einer ,großen Herausforderung", damit sich der Vierradantrieb ,nicht wie ein klassischer Allrad anfühlt."

Zwischen Software und Sperre
Im Technik-Deutsch klingt das so: ,M xDrive" beinhaltet eine zentrale Intelligenz mit M-spezifischer Software für die integrierte Regelung von Längs- und Querdynamik. In der Praxis hat man den Allradantrieb auf eine heckbetonte Auslegung hin konzipiert, die Vorderachse kommt nur dann ins Spiel, wenn die Hinterräder an ihre Grenzen kommen. Parallel verteilt ein Differenzial das Antriebsmoment mit einer Sperrwirkung von null bis 100 Prozent zwischen den Hinterrädern.

Unauffälliger Gleiter
Soweit die nüchterne Theorie. Aber was bedeutet das in der Praxis? Zunächst starte ich im neuen BMW M5 zu einer Runde auf normalen Straßen im Alltags-Modus. Hierfür stelle ich die Gasannahme auf ,Efficient", Fahrwerk und Lenkung auf ,Comfort". Hinzu kommt der 4WD-Modus und eingeschaltetes ESP (bei BMW heißt es DSC). Damit wird der M5 zum komfortablen Langstreckengleiter, nur bei Gullideckeln kommt die straffere Abstimmung durch. Gut gefällt mit das V8-Blubbern im Stand, doch wehe, wenn der Achtzylinder von der Leine gelassen wird. Raketengleicher Schub presst mich in den Sitz. Nur 3,4 Sekunden benötigt der über 1,9 Tonnen schwere M5 auf Tempo 100, 11,1 Sekunden vergehen bis Tempo 200. Dazu passt die sehr flink reagierende Achtgang-Automatik. Mein Eindruck: Die Grenzen setzt nicht das Auto, sondern a) die Physik und b) die Beschaffenheit der inneren Organe des Fahrers.

Er kann auch ganz anders
Diese Meinung verfestigt sich auf der Rennstrecke von Estoril: Hier kann ich die wirklich scharfen Modi austesten. Der M5-Pilot kann zwei Konfigurationen seiner Wahl speichern und über spezielle Tasten am Lenkrad bei Bedarf abrufen. Auf die eine Taste hat mir BMW folgendes gelegt: Den sogenannten M Dynamic Mode (MDM) mit 4WD Sport, Gasannahme in ,Sport Plus", Fahrwerk in ,Sport" und Lenkung in ,Comfort". MDM lässt mehr Radschlupf an der Hinterachse und damit einen kontrollierten Drift zu. Ich blicke auf eine geänderte Anzeige des Head-up-Displays mit Drehzahlmesser, der mich farblich zum manuellen Gangwechsel ermahnt. Kein Problem, sind die Schaltwippen doch günstig am griffigen Lenkrad postiert, ohne im Weg zu stehen. Bemerkenswert ist der unglaubliche Grip des M5, wie auf Schienen zieht die Limousine mit wenig Seitenneigung durch die Kurven. Ich fühle mich wie in Renn-Videospielen à la ,Gran Turismo" oder ,Forza", der Grenzbereich liegt so weit weg wie Jamaika von Berlin.

Alles nach hinten
Doch spätestens in der zweiten Fahrkonfiguration bin ich wieder hellwach und merke, dass ich ein sehr reales Auto unter dem Hintern habe, dessen Kaltverformung BMW nicht unbedingt goutieren würde. Gasannahme und Lenkung stehen auf ,Sport Plus", die Lenkung auf ,Sport". Viel wichtiger: Das DSC ist jetzt komplett aus. Prompt wedelt der M5 mit dem Heck wie ein Golden Retriever vor dem Mittagessen. Aber die Limousine keilt nicht bösartig aus, sondern geht kontrolliert in den Drift über. Halbwegs begabte Autofahrer können den M5 deshalb mühelos wieder einfangen, richtige Gaspedal-Akrobaten hingegen können die 285er-Reifen an der Hinterachse in einer Qualmwolke verschwinden lassen.

Marktstart im Frühjahr 2018
Ich gehe vom Gas und lasse die geschundene Bremsanlage abkühlen. Serienmäßig ist eine Compound-Anlage mit Sechskolben-Sätteln vorne, optional sparen Carbon-Keramik-Stopper 23 Kilogramm an Gewicht ein. Sparen ist indes kaum das Stichwort für den echten Fan. Natürlich ist auch schon ein M550i xDrive sauschnell und 33.600 Euro günstiger als der 117.900 Euro teure M5. Aber das dürfte die M5-Liebhaber ab dem Marktstart im Frühjahr 2018 ebenso wenig tangieren wie ein reiner Kostenvergleich mit Audi RS 6 Avant performance (605 PS, 118.000 Euro) und Mercedes-AMG E 63 S (612 PS, 122.427 Euro).

Wertung

Kann der BMW M5 noch besser werden? Ja, er kann. Dank Allradantrieb schafft das neue Modell den Spagat zwischen Sicherheit und Sportlichkeit. Gleichzeitig beruhigt die Möglichkeit eines Hinterrad-Antriebsmodus alle Anhänger der reinen M5-Lehre. Kurzum: Ein Meisterwerk der M GmbH.

+ hervorragende Straßenlage, sehr schnell, breite Spreizung der Fahrcharakteristik

- kein optimaler Seitenhalt der Vordersitze

 

Preisliste

BMW M5 (2018) Grundpreis: 117.900 Euro

Modell Preis in Euro M5 First Edition 137.400

Ausstattungen Preis in Euro ABS Serie ESP Serie ASR Serie Airbag Fahrer Serie Airbag Beifahrer Serie Seitenairbags vorn Serie Kopfairbags vorn Serie Kopfairbags hinten Serie elektr. Fensterheber vorn Serie elektr. Fensterheber hinten Serie elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (inklusive Heizung) Klimaautomatik Serie (vier Zonen) Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie Automatikgetriebe Serie Bildschirmnavigation Serie Metalliclackierung Serie Leichtmetallfelgen Serie (19 Zoll) Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer und Beifahrer) Tempomat Serie (mit Bremsfunktion) Lederausstattung Serie

Carbon-Keramik-Bremse 8.800 M Multifunktionssitze vorne 1.900 adaptiver Tempomat mit Stau-Assistent 1.200 Sportabgasanlage 1.500 adaptive LED-Scheinwerfer Serie

 

Datenblatt

Motor und Antrieb Motorart Benziner mit Biturbo-Aufladung  Zylinder 8  Ventile 4  Hubraum in ccm 4.395  Leistung in PS 600  Leistung in kW 441  bei U/min 1.800 - 5.600  Drehmoment in Nm 750  Antrieb Allradantrieb  Gänge 8  Getriebe Automatik  Fahrwerk Spurweite vorn in mm 1.626  Spurweite hinten in mm 1.595  Radaufhängung vorn Doppelquerlenker  Radaufhängung hinten Fünflenker-Achse  Bremsen vorn Scheiben innenbelüftet  Bremsen hinten Scheiben innenbelüftet  Wendekreis in m 12,6  Räder, Reifen vorn 275/40 ZR19  Räder, Reifen hinten 285/40 ZR19  Lenkung elektromechanische Servolenkung  Geländekompetenz Bodenfreiheit in mm 132  Maße und Gewichte Länge in mm 4.965  Breite in mm 1.903  Höhe in mm 1.473  Radstand in mm 2.982  Leergewicht in kg 1.930  Zuladung in kg 585  Kofferraumvolumen in Liter 530  Anhängelast, gebremst in kg 2.000  Dachlast in kg 100  Tankinhalt in Liter 68  Kraftstoffart Super Plus  Fahrleistungen / Verbrauch Höchstgeschwindigkeit in km/h 250/305 (mit M Drivers Package)  Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 3,4  EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 10,5  EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 14,5  EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 8,2  CO2-Emission in g/km 241  Schadstoffklasse Euro 6  Fixkosten Garantie 2 Jahre  Weitere Informationen 1/moreName 100,3 

Lesen Sie auch:

Bildergalerie: Neuer BMW M5 im Test

BMW

Neuer BMW M5 im Test

28

Neuer BMW M5 im Test Neuer BMW M5 im Test Neuer BMW M5 im Test Neuer BMW M5 im Test Neuer BMW M5 im Test Neuer BMW M5 im Test

Diesen Artikel teilen

Meistgelesen

Carado CV600 Pro (2026) im Test: Reichen sechs Meter für drei Wochen Familienurlaub mit Hund?

Carado CV600 Pro (2026) im Test: Reichen sechs Meter für drei Wochen Familienurlaub mit Hund?

Royal Enfield Classic 650: Edles, streng limitiertes Sondermodell zum Geburtstag

Royal Enfield Classic 650: Edles, streng limitiertes Sondermodell zum Geburtstag

Dacia Striker: Das kostet der Günstig-Kombi und so sieht das Basismodell aus

Dacia Striker: Das kostet der Günstig-Kombi und so sieht das Basismodell aus

Porsche baut keinen elektrischen Supersportwagen, weil keine Nachfrage besteht

Porsche baut keinen elektrischen Supersportwagen, weil keine Nachfrage besteht

AKTUELLSTE ARTIKEL

Auch interessant



BMW F 450 RR (2027): Rennstrecken-Feeling für Einsteiger



Benimar Kaleo (2026): Viel Wohnmobil für unter 60.000 Euro?



BMW erwägt offenbar noch größeres SUV oberhalb des X7



Mazda CX-80 Diesel (2026) im Video: Ist Downsizing doch Unsinn?



BMW bringt den V8 im 7er zurück: Das ist der neue M760



Geld für Autozubehör sparen? Skoda hat eine ungewöhnliche Idee ...



40 Jahre BMW M3: Vom Gruppe-A-Rennwagen zur Hochleistungs-Familie