Vierte Porsche-Baureihe begeistert als exklusiver Mittelmotor-Sportwagen

Ein Grundsatz im Autobau lautete bisher stets: Aus einem Coupé entsteht eventuell auch mal ein Cabriolet. Doch Porsche stellt die Dinge auf den Kopf. Die Zuffenhausener haben erstmals einen Vollblut-Roadster zugedost. Das seit 1996 gebaute und stets offene Porsche-Einstiegsmodell Boxster hat ein unverrückbares Blechdach erhalten und wird unter dem Namen Cayman als vierte Baureihe unterhalb des 911 antreten. Das Tolle für den Sportwagenhersteller: Obwohl zahlreiche Teile aus der aktuellen Boxster-Baureihe stammen, ist die geschlossene Version ein neues Modell mit eigenständigem Charakter.

Deutlich teurer als das Cabrio
Entstanden ist ein Bindeglied zwischen dem Elfer und dem Boxster. Das drückt sich auch im Preis aus: Mit 58.529 Euro rangiert das rassige Rennreptil genau zwischen diesen Baureihen. Und hier mag sich so mancher verwundert die Augen reiben: Ist das Cabriolet wirklich über 6.000 Euro günstiger als die geschlossene Variante? Bedauerlicherweise ja. Ob das Fahrerlebnis im Cayman S diesen Aufpreis rechtfertig und ob er somit eine günstige Alternative zum 911er darstellt, haben wir getestet.

Souveräner Vollblut-Porsche
Optisch ist der Cayman S eindeutig ein Vollblut-Porsche. Vor uns steht ein agil und hochwertig wirkender Zweisitzer. Etwas experimentierfreudig war man beim rundlichen Dach – ein 356-Zitat, dass den Passagieren viel Kopffreiheit beschert. Die Verwandtschaft zum Boxster ist vor allem an der Front erkennbar, die nur in wenigen Details verändert wurde. Einen weitgehend neuen Anblick bietet das Hinterteil mit der tief nach unten gezogenen Heckklappe, den kraft- und schwungvoll ausgestellten Kotflügeln und der zentralen Auspuffanlage aus zwei nebeneinander liegenden Endrohren.

Mehr sägend als bollernd
Und aus dieser tönt es in markanter Weise. Zwar klingt der Cayman S eben, wie ein Porsche mit Boxermotor nun einmal klingt, doch hat er dabei eine ganz eigene Note erhalten, die mehr das Sägen, denn das Bollern betont. Der Sechszylinder verrichtet seine Arbeit direkt hinter den Passagieren und das bereits ab 3.000 Umdrehungen recht lautstark. Freunde des Macho-Sounds werden im Cayman, der dank seines Blechdachs im Innenraum ein besonders intensives Klangerlebnis bietet, voll auf ihre Kosten kommen.

Näher am Elfer
Ähnlich der Akustik sind auch die Fahrleistungen des Cayman S. Mit seinen 3,4 Litern Hubraum und 295 PS bewegt sich der nur 1.415 Kilo schwere Sportler fast auf 911er-Niveau: Beim 100-km/h-Sprint vergehen 5,4 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt souveräne 275 km/h. Das ist schon ziemlich nah an der großen Sportwagen-Ikone und etwas besser als beim Boxster S. Dessen Motor leistet aber auch 15 PS weniger. Verantwortlich für die Mehrleistung des drehfreudigen Sechszylinders im Cayman S sind ein um 0,2 Liter vergrößerter Hubraum und die variable Ventilsteuerung VarioCam-Plus. Analog zur Leistung wuchs auch der Verbrauch: Mit 10,6 Litern auf 100 Kilometer liegt dieser um 0,2 Liter über dem des Boxster S.

Sportliches Fahrwerk
Nach Art des Hauses wurde das Fahrwerk des Cayman S mit nahezu gleichmäßiger Gewichtsverteilung auf beide Achsen besonders sportlich ausgelegt. Entsprechend lässt sich der Cayman überaus handlich und agil fahren. Eine überragend präzise Lenkung und die kräftig zupackenden Bremsen sind die weiteren Zutaten, die lustvolles Fahren oft am Rande der Legalität provozieren. Gegenüber dem Boxster bietet der Cayman zudem eine spürbar steifere Karosserie.

Lustbetont und dennoch sicher
Wer bei halbwegs ziviler Geschwindigkeit durch Kurven fegt, wird kein Unter- oder Übersteuern spüren. Dann gibt sich der Cayman verbindlich und sicher. Wer jedoch mit viel Gas aus Biegungen rausjagt, wird leicht einmal das Heck zum Ausbrechen bringen. Ein recht typisches Verhalten für einen Mittelmotor-Sportwagen. Doch keine Angst: Mit dem serienmäßigen Fahrstabilisierungssystem PSM bleibt der Kroko-Racer sicher auf Kurs und bietet somit als angedeutete Heckschleuder ein charaktervolles und besonders sportliches Fahrerlebnis, wie es eben nur ein Mittelmotor-Coupé bieten kann.

Ordentliches Platzangebot
Neben seiner lustbetonten Art der Fortbewegung kann sich der Cayman zudem noch mit praktischen Vorzügen in Szene setzen. Auf den bequemen Sportsitzen lässt es sich im perfekt verarbeiteten Innenraum bestens reisen und rasen. Das Platzangebot ist auch für große Passagiere gut. Ordentlich Platz bietet der Zweisitzer außerdem für Gepäck. Hinter den Sitzen befinden sich ein 260-Liter- und unter der vorderen Haube ein 150-Liter-Stauraum. Zusammen steht damit mehr Platz als im Kofferraum des aktuellen VW Golf zur Verfügung.

Preisliste


Porsche Cayman S

Grundpreis: 58.529 Euro
Metallic-Lackierung 794
Bi-Xenon-Scheinwerfer 1.032
Parkassistent 476
5-Gang-Automatik Tiptronic S 2.575
automatisch abblendende Innen-/Außenspiegel mit Regensensor 516
Keramikbremsen 7.830
Schaltwegverkürzung 557
Tempomat 429
Klimaautomatik 452
vollelektrische Sitze 1.473
Sportsitze 1.781
Sitzheizung 394
Teilledersitze 1.067
Lederausstattung ab 2.749
vollintegriertes Navigationssystem mit 5,8-Zoll-Bildschirm ab 2.656
Bose Surround Sound-System 1.259

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart wassergekühlter Aluminium-Boxermotor 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 3.386 
Leistung in PS 295 
Leistung in kW 217 
bei U/min 4.400 - 6.000 
Drehmoment in Nm 340 
Antrieb Heck 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Maße und Gewichte
Länge in mm 4.341 
Breite in mm 1.801 
Höhe in mm 1.305 
Radstand in mm 2.415 
Leergewicht in kg 1.415 
Zuladung in kg 290 
Kofferraumvolumen in Liter 150 plus 260 
Dachlast in kg 60 
Tankinhalt in Liter 64 
Kraftstoffart Super Plus 98 ROZ 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 275 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 5,4 
Elastizität von 80 
bis 120 
in Sekunden 6,6 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 10,6 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 15,3 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 7,8 
Schadstoffklasse Euro 4 

Bildergalerie: Test: Porsche Cayman S