Siebte Generation des Kleinwagens mit 120-PS-Topbenziner im Test

Rational, aber auch ein wenig langweilig, vernünftig, aber auch etwas nichts sagend – das war bisher das Image von Autos der Marke Ford. Die Fahrzeuge wurden gekauft, weil es ordentlich gemachte, nützliche Gefährte waren, aber nicht wegen des Designs. Das ,New-Edge-Design" war zwar nicht schlecht, aber seine klaren Kanten hatten etwas Statisches, und Emotion kam keine auf. Seit der Einführung des Kinetic-Designs, also seit der Präsentation des S-Max im Jahr 2006, haben sich die Zeiten geändert. Wie schon der Name des neuen Paradigmas sagt, sind die neuen Autos in Metall gegossene Dynamik. Für den neuen Fiesta gilt das besonders. Wer sich die schlitzartigen Scheinwerfer ansieht, die aufsteigende Gürtellinie und die beiden seitlichen Sicken, der denkt unwillkürlich an Bewegung. Wir wollten wissen, wie sich das Auto fährt und haben es in der 120-PS-Benzinversion für Sie getestet.

20 PS stärkerer 1,6-Liter
Die siebte Generation des Kleinwagens gibt es ab sofort mit vier Benzinern zwischen 60 und 120 PS sowie einem Diesel. Wie das bei neuen Modellgenerationen so üblich ist, sind sie alle stärker, aber auch sparsamer geworden. Der 1,6-Liter-Benziner leistete bisher 100 PS und verbrauchte 6,4 Liter auf 100 Kilometer. Das neue Aggregat mit einer Nockenwellenverstellung (Ti-VCT oder Twin Independent Variable Cam Timing) begnügt sich mit 5,9 Liter, ist aber 120 PS stark – ein deutlicher Fortschritt.

Deutlich sparsamer als der Polo
Auch im Vergleich mit der Konkurrenz von VW steht das Auto gut da, denn der 15 PS schwächere Polo 1.6 verbraucht 6,7 Liter. Ein Sparwunder ist der Fiesta aber nicht, wie ein Vergleich mit dem deutlich teureren Mini Cooper zeigt, der mit seinen 120 PS lediglich 5,4 Liter benötigt. Der gesunkene Spritverbrauch des Ford ergibt sich unter anderem durch eine erhöhte Verdichtung.

Niedrigeres Gewicht
Der Sparerfolg resultiert allerdings nicht nur aus verbesserter Motortechnik. Auch das Gewicht des Autos liegt immerhin 40 Kilo niedriger als beim Vorgänger, und das trotz verbesserter Sicherheitstechnik. Kilos hat Ford unter anderem am Reserverad gespart, das durch ein Reifendichtset ersetzt wurde.

Kräftig und leise
Der 1,6-Liter-Benziner liefert eine Power, wie man sie von einem 120-PS-Motor erwarten darf. Von einem Saugmotor, müssen wir präzisieren, denn ein Turboantrieb wie der 1.4 TSI von VW mit 122 PS würde sich deutlich kraftvoller in Szene setzen – vor allem beim Herausbeschleunigen aus tiefen Drehzahlen. Der Motor klingt ansatzweise kernig, bleibt aber bemerkenswert leise. Letzteres liegt auch an den verbesserten Schallschutzmaßnahmen. Die Lenkung fällt durch ihre Direktheit ausgesprochen positiv auf. Es handelt sich erstmals beim Fiesta um eine elektrische Servolenkung, die weniger Energie und damit Sprit verbraucht als die herkömmlichen, hydraulisch unterstützten Systeme. Außerdem ermöglicht das System Zusatzfeatures wie eine ungleiche Lenkkraftunterstützung nach links und rechts – was eine Kompensation der meist nach rechts abfallenden Fahrbahndecke erlaubt. Die serienmäßige Fünfgang-Schaltung macht keine Probleme.

Lobenswertes Fahrwerk
Das Fahrwerk war schon eine der Hauptstärken des alten Modells, deshalb erwarteten wir hier nur Positives. Wir wurden nicht enttäuscht. In der neuen Version ist ESP serienmäßig, was in der kleinen Klasse noch keineswegs selbstverständlich ist. Das Sicherheitssystem greift schon früh ein und verhindert so, dass man in gefährliche Situationen kommt. Der Fiesta geht auch mit weniger Poltern über Unebenheiten hinweg als beispielsweise der neue Seat Ibiza, bleibt aber in der Kurve relativ ruhig und versucht nicht, die Insassen aus dem Sitz zu kippen.

Zu weiche Sitze
Das ist auch gut so, denn der Seitenhalt der in unserem Wagen installierten Ledersitze lässt gerade für ein starkes 120-PS-Modell zu wünschen übrig. Der Ausdruck Möbel ist hier berechtigt, denn man sinkt relativ weit in die weichen Polster. Unterstützung bei schneller Kurvenfahrt geben die Sitzwangen kaum. Ansonsten gefällt der Innenraum, allerdings mit ein paar Abstrichen. Die Zweifarbigkeit des Cockpits erfrischt, und auch die Materialien überzeugen im Großen und Ganzen. Bei der gefahrenen Version fehlen allerdings die Haltegriffe für die Frontpassagiere. Sie fallen allerdings nur in der Version mit optionalen Kopfairbags aus Platzgründen weg. Erstmalig besitzt der Fiesta ein Zusatzdisplay in der Mitte des Armaturenbretts wie etwa auch der Corsa.

Interieur vielleicht ein wenig zu modernistisch
Mit seinen eigenwilligen Formen wirkt das Interieur sportlich, extravagant, aber auch ein wenig ,spacig" oder modernistisch. Das wird wohl gerade konservativeren Kunden nicht unbedingt gefallen, genauso wenig wie das dynamische Äußere. Hier folgt Ford-Designer Stefan Lamm nach eigenem Bekunden der Devise: lieber eigenwillig und kritisierbar als allzu unscheinbar. Denn das neue Auto soll vor allem wegführen vom Langweilerimage, das Ford – wie übrigens auch Opel – von der jungen Kundschaft abschneidet. Wenn man sich das gelungene Außendesign unter diesem Aspekt näher ansieht, so bemerkt man ähnliche Übertreibungen: Da gibt es an der Seite gleich vier Metall-Falzstellen, zwei rundliche an den Kotflügeln und zwei aufstrebende Linien – vielleicht ein wenig zu viel des Guten. Aber das sind kleine Einwände angesichts des gelungenen Gesamteindrucks.

Wenig Kniefreiheit hinten
Hinten sitzen im Kleinwagen meist die Kinder, doch auch Oma und Opa sollten Platz haben. Hier schneidet der Fiesta nicht allzu gut ab. Man sitzt unangenehm aufrecht im Fond, vor allem aber fehlt es an Kniefreiheit. Nur der Wölbung der Vordersitze hat man es zu verdanken, dass man überhaupt Platz für die Knie hat – das ist höchstens Klassenstandard. Über dem Kopf ist dafür überraschenderweise genug Raum. Die Kopffreiheit ist in der Tat verblüffend, wenn man sich die nach hinten deutlich abfallende Dachlinie ansieht. Im Fond stört das Fehlen von Ablagen in den Türen sowie vor allem, dass nur zwei Kopfstützen Serie sind – bei einem Fünfsitzer ist das nicht einzusehen.

Kein Einladetalent
Auch beim Kofferraum bekommt der Fiesta keine Bestnote, denn Ladekante und -schwelle sind zu hoch. Das eine stört beim Einladen von schwerem Gepäck, das andere beim Ausladen. Das Volumen liegt bei 295 bis 979 Liter – akzeptable Werte. Zum Vergleich die Zahlen vom Polo: Der VW schafft 270 bis 1.030 Liter. Die größere Zahl bezieht sich wie üblich auf die Beladung bis zum Dach bei umgeklappten Rücksitzen. Der Umbau geht einfach vor sich: Man lässt einfach die Lehnen nach vorne klappen. Die Sitzpolster können nicht umgeklappt werden, sodass eine sehr störende Barriere bleibt. Ein Gepäcktalent ist der Wagen also wirklich nicht – anders als etwa der Honda Jazz.

Ab 11.250 Euro
Die Preise für den Fiesta beginnen bei 11.250 Euro. Dafür bekommt man die 60-PS-Basisversion mit spartanischer Ausstattung. Diese Version Ambiente besitzt zwar ein ordentliches Sicherheitspaket mit ESP und fünf Airbags – Knieairbag eingeschlossen. Damit soll das Auto den EuroNCAP-Test mit der Bestwertung von fünf Sternen und einer guten Punktzahl absolvieren. In puncto Komfort bietet es aber kaum mehr als elektrisch einstellbare Außenspiegel und eine Zentralverriegelung ohne Fernbedienung. Die meisten Kunden werden wohl zur 500 Euro teureren Variante Trend greifen, die zumindest die fehlende Fernbedienung sowie elektrische Fensterheber vorne bietet. Die hier vermissten Elemente CD-Radio sowie Klimaanlage gibt es für den Trend im Audio-Paket I, das 1.250 Euro Aufpreis kostet.

Teure Topversionen
Über der Version Trend positioniert sind die auf Komfort ausgerichtete Version Ghia und der sportliche Fiesta Titanium. Beide kosten 1.750 Euro mehr als der Fiesta Trend – ein gewaltiger Sprung. Dafür bekommt man Aluräder, Nebelscheinwerfer, beheizbare Außenspiegel, eine Klimaanlage sowie eine Scheibenwischer- und Lichtautomatik. Ab Frühjahr 2009 gibt es zusätzlich noch die Ausstattung Sport – unter anderem mit einem noch strafferen Fahrwerk. Die Preise dafür wurden noch nicht mitgeteilt.

82 PS, drei Türen, Klima, CD und Metallic
60 Prozent der Kunden werden nach den Erwartungen von Ford die 82-PS-Version wählen und dann mindestens 12.000 Euro zahlen oder in der Trend-Variante 12.500 Euro. Die beliebteste Version wird der Dreitürer sein; mit dem erwähnten Audio-Paket I sowie einer Metallic-Lackierung für 420 Euro liegt der Preis bei 14.170 Euro. Die 120-PS-Version ist ausschließlich als Ghia oder Titanium verfügbar und kostet dann 16.250 Euro. Der VW Polo 1.6, der wie erwähnt 15 PS weniger bietet, kostet in der vergleichbaren Sportline-Version 16.425 Euro, liegt also auf der gleichen Ebene wie der Fiesta. Den auf der gleichen Basis beruhenden Mazda 2 Sport in der überlegenen Topausstattung Impression gibt es mit einem 103-PS-Benziner allerdings schon für 15.600 Euro. Und auch beim Skoda Fabia Sport mit 105-PS-Motor bekommt man für 16.830 Euro eine bessere Ausstattung. Wer beim Fiesta mehr Extras haben möchte, erhält auch einige aus höheren Klassen bekannte Elemente wie ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, elektronische Einparkhilfen oder eine Lederausstattung.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Die Fiesta-Neuauflage ist in vielerlei Hinsicht rühmenswert. Das gilt zunächst für das vielleicht ein wenig übertrieben dynamische, im Ganzen aber geglückte Design. Ein weiteres dickes Plus gibt es für das Fahrwerk, das nach wie vor die meisten Konkurrenten in den Schatten stellt – den Mini vielleicht ausgenommen. Der gefahrene 120-PS-Benziner beeindruckt vor allem durch seine Kraftstoffeffizienz. Außerdem bleibt es im Inneren besonders leise.

    Doch ein Auto ohne Schwachstellen gibt es nicht, und das gilt auch für den Fiesta. Hier sind es die geringe Kniefreiheit im Fond sowie der unpraktische Kofferraum, die stören. Der Preis von etwas über 16.000 Euro mag hoch für einen Kleinwagen sein, doch 120 PS sind eben auch keine Standardmotorisierung für diese Klasse. Und bei der Konkurrenz wird es kaum billiger.

  • Antrieb
    90%
    angemessener Vortrieb
    niedriger Verbrauch, leise
  • Fahrwerk
    90%
    für einen Kleinwagen sehr gut
    ESP in allen Versionen serienmäßig
  • Karosserie
    80%
    schickes Design, voraussichtlich 5 EuroNCAP-Sterne
    geringe Kniefreiheit hinten, unpraktischer Kofferraum
  • Kosten
    85%
    günstiger als VW Polo
    starker Preissprung zwischen Trend und Ghia/Titanium

Preisliste


Ford Fiesta 1.6 Ti-VCT Titanium Dreitürer

Grundpreis: 16.250 Euro
Ausstattungen Preis in Euro
ABS Serie (inkl. elektronische Bremskraftverteilung, elektronischer Bremsassistent)
ESP Serie
ASR Serie
Airbag Fahrer Serie
Airbag Beifahrer Serie
Seitenairbags vorn Serie
Kopfairbags vorn 255 (durchgehend für vorne und hinten)
Seitenairbags hinten -
elektr. Fensterheber vorn Serie
elektr. verstellbare Außenspiegel Serie (beheizbar)
Klimaanlage Serie
Klimaautomatik 305
Zentralverriegelung mit Fernbed. Serie
Automatikgetriebe -
CD-Radio 805 (incl. MP3-Funktion)
elektr. Schiebedach -
Metalliclackierung 420
Leichtmetallfelgen Serie (15 Zoll)
Sitzhöheneinstellung Serie (Fahrer)
Tempomat 190
Lederausstattung 1.170 (incl. Sitzheizung vorne)
Xenonlicht -
Kurvenlicht -
Nebelscheinwerfer Serie
Anhängevorrichtung 375 (abnehmbarer Kugelkopf)
Licht- und Scheibenwischerautomatik Serie
elektronische Einparkhilfe hinten 355
elektronische Einparkhilfe vorn und hinten 455
schlüsselfreies Entriegeln und Starten 430
beheizbare Frontscheibe 210
Reserverad statt Reifenreparatur-Set 50
fünfte Kopfstütze 60
asymmetrisch umklappbare Rücksitzlehne Serie
Sitzheizung vorne 175

Datenblatt

Motor und Antrieb
Motorart Otto-Reihenmotor, DOHC 
Zylinder
Ventile
Hubraum in ccm 1.596 
Leistung in PS 120 
Leistung in kW 88 
bei U/min 4.050 
Drehmoment in Nm 152 
Antrieb Frontantrieb 
Gänge
Getriebe Schaltung 
Fahrwerk
Spurweite vorn in mm 1.473 bis 1.493 
Spurweite hinten in mm 1.460 bis 1.480 
Radaufhängung vorn Einzelradaufhängung an McPherson-Federbeinen, mit L-förmigen unteren Querlenkern, aufgehängt an Fahrschemel, Querstabilisator 
Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse, Schraubenfedern, separate Einrohrstoßdämpfer 
Bremsen vorn innen belüftete Scheiben, 258 mm 
Bremsen hinten Trommeln 
Räder, Reifen vorn 6Jx15 mit 195/50 R 15 
Räder, Reifen hinten wie vorne 
Lenkung elektrische Servolenkung, geschwindigkeitsabhängig 
Maße und Gewichte
Länge in mm 3.950 
Breite in mm 1.722 
Höhe in mm 1.481 
Radstand in mm 2.489 
Leergewicht in kg 970 bis 1.109 
Zuladung in kg 391 bis 530 
Kofferraumvolumen in Liter 295 
Kofferraumvolumen, variabel in Liter 979 
Tankinhalt in Liter 45 
Kraftstoffart Super 
Fahrleistungen / Verbrauch
Höchstgeschwindigkeit in km/h 193 
Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden 9,9 
EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km 5,9 
EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km 7,9 
EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km 4,7 
CO2-Emission in g/km 139 
Schadstoffklasse Euro 4 

Bildergalerie: Neuer Ford Fiesta