Wir fahren den neuen Insignia Sports Tourer ...

Größe ist einfach alles … zumindest für viele Kombi-Käufer. Bei Opel war aber spätestens nach dem Aus des Vectra C Caravan im Jahr 2008 erst einmal Schluss mit unendlichem Ladevolumen, denn aus dem Vectra wurde der Insignia. Und aus dem Caravan im Jahr 2009 ein Sports Tourer. Jetzt will Opel mit der zweiten Generation des Insignia Sports Tourer zurück zu alter Größe finden. Ob der Neuzugang in Sachen Platzangebot mit den wichtigsten Konkurrenten mithalten kann und ob auch Optik, Technik sowie Fahrverhalten auf der Höhe der Zeit sind? Test!

Modernes Design mit Studienbezug
Wie das bei Kombiversionen von bereits etablierten Modellen so ist, gibt es in Sachen Design keine großen Überraschungen mehr. So wird der Vorderwagen 1:1 von der Limousine mit dem Namenszusatz Grand Sport übernommen. Und auch die tiefen L-förmigen Sicken in den Seiten kennen wir bereits. Am Heck fallen vor allem die LED-Rückleuchten auf, in denen die obere Dachlinie aus Chrom in einem Haken endet. Geschmackssache, aber dieser Designkniff kommt einem auf jeden Fall bekannt vor. Warum? Gerade das Sports-Tourer-Hinterteil wurde sehr stark an das im Jahr 2013 auf der IAA in Frankfurt gezeigte Studienfahrzeug Monza Concept angelehnt.

Zahlen, Zahlen, Zahlen
Mit einer Länge von 4,99 Meter gibt es nicht mehr viele Kombis auf dem europäischen Markt, die dem neuen Sports Tourer das Wasser reichen können. Tatsächlich gibt es sogar nur einen, der länger ist – der Porsche Panamera Sport Turismo mit 5,05 Meter. Und Skoda Superb Combi, Mercedes E-Klasse T-Modell, BMW 5er Touring oder Volvo V90? Alle kürzer. Echt. Beim Radstand von 2,83 Meter liegt der Opel hingegen im Konkurrenten-Mittelmaß und auch das Kofferraumvolumen von 560 bis 1.665 Liter ist zwar eine ganze Menge, der Lademeister-Hauptpreis wird mit diesen Werten aber nicht gewonnen. Zum Vergleich: Der Volvo V90 nimmt immerhin 560 bis 1.526 Liter in sich auf, das Mercedes E-Klasse T-Modell wird mit 640 bis 1.820 Liter fertig und der Skoda Superb Combi schluckt sogar 660 bis 1.950 Liter.

Trotzdem variabel und clever
Variabel und clever ist der Insignia-Kofferraum trotzdem: Es gibt verschiebbare Verzurrösen, der Laderaum hat eine Länge von über zwei Meter, die Rückbank lässt sich im Verhältnis 40:20:40 umlegen und außerdem öffnet oder schließt die Heckklappe per Fußkick. Besonders clever: Eine auf den Boden projizierte Fahrzeugsilhouette zeigt Ihnen, wohin Sie treten müssen und Sie machen sich nicht einbeinig auf dem Supermarktparkplatz zum Affen.

Innenraumdetails und jede Menge Technik
Aber nicht nur das Gepäck hat jetzt mehr Platz im Sports Tourer, auch der menschlichen Fracht hat Opel mehr Raum geschaffen. Im Fond liegt das Raumangebot gefühlt irgendwo zwischen Mercedes E-Klasse T-Modell und Volvo V90 ... mit stärkerer Tendenz nach Schweden. Als Fahrer profitiert man vor allem von der tieferen Sitzposition, durch die man sich so richtig ins Auto integriert fühlt. Und weil der neue Claim des Herstellers ,Die Zukunft gehört allen" lautet, wird auch mit Komfort-Technik nicht gespart: Sitzheizung im Fond? Check. Multimedia mit Apple CarPlay und Android Auto? Serienmäßig. Wunderbare AGR-Ergonomie-Frontsitze mit Massage und Belüftung? Lieferbar. OnStar? Jawohl. Darüber hinaus ist eine beheizbare Frontscheibe genauso bestellbar wie adaptive LED-Scheinwerfer, ein Head-up-Display, eine 360-Grad-Kamera, ein adaptiver Tempomat und ein Spurhalteassistent mit Lenkeingriff. Alle Features sorgen zwar für eine sehr entspannte Atmosphäre an Bord, dennoch sind gerade die elektronischen Helfer aber doch etwas unausgereifter und nicht ganz so perfekt wie bei der Premium-Konkurrenz.

Die Antriebe. Wir fahren Diesel ...
Benziner gibt es von 140 bis 260 PS, das Leistungsspektrum der Diesel reicht von 110 bis 170 PS. Wir waren mit dem großen Diesel unterwegs. Also dem 170-PS-Derivat. Dabei handelt es sich um einen 2,0-Liter-Vierzylinder, der erstaunlich ruhig läuft und ab 1.750 Umdrehungen kraftvolle 400 Newtonmeter Drehmoment produziert. Gekoppelt wird das Aggregat entweder mit einer Sechsgang-Schaltung oder einer Achtgang-Automatik, die den Gangboxen von BMW oder Volvo in nichts nach steht. Wenn das manuelle Getriebe an Bord ist, haben Sie zudem die Wahl zwischen Front- und einem variablen Allradantrieb. Ob 170 PS aber wirklich sein müssen? Um diese Frage zu beantworten, drehten wir noch eine kurze Runde mit dem kleineren Diesel, der 136 PS und 320 Newtonmeter Drehmoment bereithält. Die etwas brummigere 1,6-Liter-Maschine (komisch, denn eigentlich hat der Motor ja den Kosenamen ,Flüsterdiesel") ist mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder Sechsgang-Automatik zu haben. Beschnitten fühlt sich der Insignia mit diesem Motor nicht an, allerdings müssen über 2.000 Umdrehungen anliegen, damit das Aggregat aufwacht.

Das Fahrverhalten: Agil, präzise und komfortabel
Die guten Fahrleistungen rühren aber nicht nur von den ausgewogenen Antriebssträngen. Durch die neue Fahrzeugarchitektur hat Opel den Insignia bis zu 200 Kilogramm leichter gemacht. So wirkt der Sports Tourer für einen Fünf-Meter-Kombi eigentlich recht agil und leichtfüßig. Kein Wunder, bei einem Testwagen-Leergewicht von nur rund 1,5 bis 1,7 Tonnen. An einen BMW 5er Touring kommt der Insignia fahrdynamisch zwar nicht heran, mit dem adaptiven FlexRide-Fahrwerk befindet sich der Opel in Sachen Präzision und Komfort aber locker auf Volvo-V90-Augenhöhe. Per Tastendruck können Sie die Dämpfer dann noch in den Modi ,Standard", ,Sport" und ,Tour" anpassen. Ein nettes Feature, aber Sie brauchen ein gutes Popo-Meter, um die minimalen Veränderungen zu erspüren.

Preise im Vergleich: Gut und günstig
Wie Sie vielleicht bemerkt haben, hatten wir bislang nicht wirklich etwas zu meckern. Und das wird sich auch im Preis-Kapitel nicht ändern. Ja, Opel hat sich nicht nur beim Insignia-Sports-Tourer-Gesamtpaket-schnüren Mühe gegeben, der Hersteller gibt sich auch Mühe, den (fast) längsten Kombi Europas zu günstigen Preisen an den Mann oder die Frau zu bringen. Los gehts bei 26.940 Euro. Dafür bekommen Sie den Basis-Insignia-ST mit 140-PS-Benziner, Sechsgang-Schaltung und Frontantrieb. Für den Einstiegs-Diesel mit 110 PS und Schaltgetriebe wollen mindestens 28.625 Euro investiert werden. Den von uns favorisierten Top-Selbstzünder mit Achtgang-Automatik und Frontantrieb bekommen Sie ab 34.460 Euro. Jetzt noch ein bisschen im Konfigurator spielen und Sie werden bei rund 43.000 Euro landen. Gehen Sie einmal mit 43.000 Euro zu Mercedes, BMW oder Volvo. Dort wird man Sie müde belächeln und wahrscheinlich anschließend des Hofes verweisen. Nur bei Skoda wird man Sie mit offenen Armen empfangen, denn die Tschechen und die Hessen schenken sich in Sachen Preisgestaltung nichts.

Wertung

  • ★★★★★★★★★☆
  • Der Generationswechsel hat dem Insignia gut getan und mit dem Sports Tourer hat Opel endlich wieder einen geräumigen Kombi im Programm. Die Abmessungen sind zwar gewaltig und erfordern – gerade in engen Passagen – ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen, trotzdem sorgen die ausgewogenen Antriebe, das gute Fahrwerk und das geringe Gewicht für eine gewisse Präzision, Agilität und Leichtigkeit. Viel Komfort und viel Technik bietet das Opel-Flaggschiff ebenfalls. Abstriche gegenüber der Premium-Konkurrenz müssen Sie eigentlich nur bei der Materialwahl im Innenraum machen. Diesen Punkt kann man aber angesichts der günstigen Preise durchaus verschmerzen.

    +angenehmes Handling, solide Diesel, adaptives Fahrwerk, umfangreiches Komfortangebot, moderne Assistenzsysteme, intuitives Infotainment, viel Platz, günstiger Preis

    - etwas unübersichtlich, unendlich lang

  • Antrieb
    85%
  • Fahrwerk
    85%
  • Karosserie
    90%
  • Kosten
    95%

Preisliste


Opel Insignia Sports Tourer

Grundpreis: 26.940 Euro
Modell Preis in Euro
2.0 Diesel (125 kW) 8-Gang-Automatik ab 34.460
1.6 ECOTEC Diesel (100 kW) 6-Gang-Schaltgetriebe ab 29.625


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