Vergessene Studien: Das war die allererste Shelby Cobra
Carroll Shelby, AC Cars, Ford: Die Cobra CSX2000 täuschte Serienreife vor, leuchtete gelb und sprintete in 4,2 Sekunden
Der Shelby Cobra 260 Prototype CSX2000 ist nicht einfach nur einer der berühmtesten amerikanischen Sportwagen aller Zeiten. Er ist die erste Cobra überhaupt, jener Prototyp, mit dem Carroll Shelby seine Idee in die Tat umsetzte, die Leichtigkeit und Agilität eines britischen Sportwagens mit der Kraft eines Ford-V8 zu verbinden.
Seine Fahrgestellnummer CSX2000 kennzeichnet genau jenes Exemplar, mit dem die Geschichte der Cobra begann. Zugleich entwickelte sich das Auto schnell zu einem entscheidenden Instrument, um Presse, Kunden und vor allem Ford vom Potenzial des Projekts zu überzeugen.
Gebaut wurde das Auto zunächst in England, seine endgültige Form erhielt es jedoch in den USA. Genau diese Zusammenarbeit zwischen AC Cars, Carroll Shelby und Ford machte aus einer zunächst recht einfachen Idee eines der legendärsten Automobile der Geschichte.
Vom AC Ace zur ersten Cobra
Die Geschichte der CSX2000 beginnt bei AC Cars in Thames Ditton, England. Das Unternehmen modifizierte ein Chassis des AC Ace nach den direkten Vorgaben von Carroll Shelby. Ihm schwebte ein Auto vor, das den leichten britischen Rahmen mit einem kompakten amerikanischen V8-Motor kombinieren sollte.
Shelby Cobra 260 Prototype CSX2000
Das Projekt erhielt die Bezeichnung “Carroll Shelby Experimental 2000”, aus der sich der Code CSX2000 ableitete. Gegenüber dem ursprünglichen AC Ace bekam der Wagen zahlreiche strukturelle und mechanische Änderungen. Der Rahmen erhielt Hauptrohre mit dickeren Wandstärken, die Aufhängung wurde verstärkt und zusätzlich kam ein Salisbury-Sperrdifferenzial zum Einsatz.
Ende Februar 1962 fertiggestellt, traf die CSX2000 ohne Motor und Getriebe in den USA ein. Das Chassis wurde zum Flughafen von Los Angeles gebracht, wo Carroll Shelby und Dean Moon es persönlich in Empfang nahmen.
Anschließend kam der Wagen in Dean Moons Werkstatt in Santa Fe Springs, Kalifornien. Dort erfolgte der entscheidende Umbau. Shelby und Moon bauten einen der ersten 4,2-Liter-V8 von Ford ein und kombinierten ihn mit einem manuellen Vierganggetriebe. Die Arbeiten gingen schnell voran. Bereits nach wenigen Stunden war die Cobra für erste Tests bereit.
Das Ergebnis war ein extrem leichter Sportwagen mit Aluminiumkarosserie und einem V8 mit rund 191 kW (260 PS). Das günstige Leistungsgewicht erwies sich sofort als eine der großen Stärken des Projekts.
Die Cobra, die immer wieder die Farbe wechselte
Shelby nutzte anschließend ein und dasselbe Exemplar, um den neuen Sportwagen der Presse und potenziellen Kunden zu präsentieren. Dabei ließ er die Lackierung mehrfach ändern, um den Eindruck zu erwecken, die Produktion laufe bereits auf Hochtouren. Die Cobra zeigte sich zunächst in poliertem Metall, später in Rot und Blau und erhielt schließlich das markante leuchtende Gelb für die New York Auto Show 1962.
Shelby Cobra 260 Prototype CSX2000
Vor ihrem öffentlichen Debüt wurde die Cobra tatsächlich in einem perlmuttartigen Gelb lackiert. Shelby hatte den Hinweis bekommen, dass diese Farbe unter der fluoreszierenden Beleuchtung der Messe besonders gut wirken würde.
Die Strategie ging auf. Die CSX2000 sorgte sofort für Aufmerksamkeit und stand im Mittelpunkt der ersten Berichte über die Cobra, die ausgesprochen positiv ausfielen. Frühe Straßentests der Presse trugen entscheidend zum Ruf des neuen Sportwagens bei. Car Life ermittelte für den Sprint von 0 auf 100 km/h lediglich 4,2 Sekunden, für die damalige Zeit ein außergewöhnlicher Wert. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 246 km/h.
Die Verbindung zu Ford
Die Bedeutung der CSX2000 ging jedoch weit über ihre Fahrleistungen hinaus. In dieser frühen Phase drehte sich praktisch das gesamte Cobra-Projekt um dieses eine Exemplar.
Shelby nutzte die Cobra, um Ford zu beweisen, dass seine Idee funktionierte. Der amerikanische V8 im britischen Sportwagenchassis lieferte genau jene Performance, die Shelby erreichen wollte. Der Austausch mit der Ford-Führung trug schließlich dazu bei, den amerikanischen Hersteller von einer finanziellen Unterstützung der Produktion zu überzeugen.
Shelby Cobra 260 Prototype CSX2000, ein Detail des Innenraums
Aus diesem Projekt entwickelte sich eine Zusammenarbeit, die in den folgenden fünf Jahren rund 1.000 Cobra hervorbringen sollte. Aus Shelbys ursprünglicher Idee entstand damit eines der wichtigsten Programme in der Geschichte amerikanischer Sportwagen.
Heute steht die CSX2000 deshalb für weit mehr als nur eine besonders seltene Shelby Cobra. Sie markiert den Ausgangspunkt der gesamten Baureihe und war das erste Auto, das zeigte, wie wirkungsvoll sich ein leichtes britisches Chassis mit einem Ford-V8 kombinieren ließ. Alle späteren Cobra-Modelle gehen in gewisser Weise auf dieses Projekt zurück.
Bildergalerie: Shelby Cobra 260 Prototyp CSX2000
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