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Fiat Multiplay: Das italienische Comeback des Vans

Wie erklären, wie das Konzept den Geist des historischen Multipla wieder aufgreift

Fiat Multiplay und zwei Generationen des Multipla

Bild von: Motor1 Italia visual (AI-assisted)

Von: Sergio Chierici

Übersetzt von: Roland Hildebrandt

Veröffentlicht von: Roland Hildebrandt

23. Okt. um 07:10 Uhr

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Manche Autos wollen das Publikum mit sportlichen und aggressiven Formen überzeugen, andere machen Praktikabilität zu ihrem wichtigsten Gestaltungsmerkmal. Der Fiat Multiplay, eine auf dem Pariser Autosalon 2026 gezeigte Konzeptstudie, gehört eindeutig zur zweiten Kategorie und greift eine Idee des Familienautos auf, die fast in Vergessenheit geraten schien: den Van.

Der Multiplay ist 4,45 Meter lang, trägt Anklänge an SUV und sogar Pick-up in sich, knüpft vor allem aber an eine Designtradition an, die beim 600 Multipla von Dante Giacosa beginnt und bis zum 1998er-Multipla von Roberto Giolito reicht. Zwei sehr unterschiedliche Autos, die der Wille verbindet, den vorhandenen Raum intelligent zu nutzen, ohne auf ein eigenständiges und sofort wiedererkennbares Design zu verzichten.

Ein Van, der nicht wie ein SUV wirken will

Doch zurück zur Studie Multiplay: Das nahezu waagerechte Dach, die stark gewölbte und weit nach vorn gezogene Windschutzscheibe sowie die an den Karosserieecken platzierten Räder zeigen sofort, dass der Innenraum im Mittelpunkt steht. Große Räder, ausgeprägte Radhäuser und Schutzleisten im unteren Bereich erinnern an SUVs, ohne jedoch deren stilistische Aggressivität zu übernehmen.

 

Der interessanteste Bezugspunkt ist vielleicht der Multipla von 1998 mit seinen auf mehreren Ebenen angeordneten Leuchteinheiten. Beim Multiplay wird die obere Lichtleiste digital interpretiert und entlang der Flanke weitergeführt. So entsteht eine gestalterische Kontinuität, die die Front sofort erkennbar macht, zugleich aber die Gürtellinie optisch anhebt.

Die Suche nach Raum reicht jedoch noch weiter zurück: Im Jahr 1956 bot der Fiat 600 Multipla dank der über den Rädern weit nach vorn gerückten Vordersitze sechs Personen auf 3,5 Metern Platz; 1998 schuf der "fiese Multipla" sechs Sitzplätze in zwei Reihen auf weniger als vier Meter Länge. Die neue Studie greift diese Philosophie auf und passt sie an andere Abmessungen und Anforderungen an.

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Der 600 Multipla von Dante Giacosa aus dem Jahr 1956 nahm das Konzept des kompakten Vans vorweg, indem er die Idee nutzte, die Vordersitze über die Räder nach vorn zu verlegen, mit Heckmotor und Hinterradantrieb wie beim 600. Eine geniale Lösung, die es ermöglichte, auf nur 3,5 Metern Länge bis zu sechs Personen unterzubringen.

Foto: Fiat

Fiat 600 Multipla (1956-1967)

Der von Roberto Giolito entworfene und ab 1998 verkaufte Multipla interpretierte das Konzept des kompakten Vans neu und bot sechs unabhängige Sitzplätze in zwei Reihen. Die ungewöhnlich breite Karosserie, die Panoramawindschutzscheibe und die Leuchteinheiten auf mehreren Ebenen gaben einem originellen Projekt Gestalt, bei dem das Raumangebot Vorrang vor stilistischen Konventionen hatte.

Foto: Fiat

Vom Van zum Pick-up, ohne das Auto zu wechseln

Die eigentliche konstruktive Neuerung des Multiplay ist das System Metamorfosi. Es ermöglicht, das hintere Modul auf speziellen Schienen zu verschieben und die geschlossene Karosserie in einen viersitzigen Pick-up zu verwandeln. Eine Lösung, die nicht nur die Anordnung des Innenraums verändert, sondern die Form des Autos selbst.

Die offene Ladefläche erlaubt den Transport sperriger Gegenstände, während sich der Heckspoiler drehen und in einen integrierten Träger für zwei Fahrräder verwandeln lässt. Die Idee dahinter: ein einziges Fahrzeug für unterschiedliche Anforderungen zu nutzen, von der Familienmobilität bis zu Outdoor-Aktivitäten, ohne auf ein größeres Auto ausweichen zu müssen.

Fiat Multipla (1999-2010)

Der Fiat Multiplay kann sich von einem Familienvan mit sechs plus einem Sitzplatz in einen Pick-up mit vier Sitzen und offener Ladefläche verwandeln. Das System Metamorfosi verändert die hintere Karosseriestruktur und ermöglicht es demselben Auto, sich an sehr unterschiedliche Transportanforderungen anzupassen.

Foto: Fiat

Fiat Multiplay Concept

Dank des Systems Metamorfosi gleitet das Heckmodul entlang spezieller Führungen und gibt eine offene Ladefläche für den Transport von Gepäck und sperriger Ausrüstung frei. Der Spoiler kann außerdem schwenken und sich in eine integrierte Halterung für zwei Fahrräder verwandeln.

Foto von: Fiat

Ein Innenraum zum Leben, nicht nur zum Fahren

Die 6+1-Konfiguration greift die Tradition der Multipla-Modelle auf, verwandelt die Sitze aber in kleine Möbelelemente: großzügig gepolsterte Kissen, rechteckige Rückenlehnen mit abgerundeten Ecken und beinahe quadratische Kopfstützen, bezogen mit dreidimensionalem Stoff und akzentuiert durch kontrastierende grüne Profile.

Die Grafik rundet den Effekt ab, mit Fiat-Logos auf den Kopfstützen und Schriftzügen an den Seiten der Sitzkissen. Zu diesem spielerischen Ansatz kommen der "Petsenger"-Seat, der auch für Haustiere genutzt werden kann, und der Sunseat, der den Vordersitz in eine Chaiselongue verwandelt.

Auch Farben und Materialien tragen zur Eigenständigkeit des Projekts bei: Das Grün der Karosserie und das Rot des Innenraums erinnern an eine Wassermelone, mit für ein Auto ungewöhnlichen Farbabstufungen, besonders im Bereich des Armaturenbretts. Nahtlose dreidimensionale Stoffe, ein Lenkrad mit gepolstertem Mittelelement und die ins Armaturenbrett integrierte digitale Instrumentierung schaffen eine beinahe wohnliche Atmosphäre.

Fiat Multiplay Concept

Der Sunseat verwandelt den Beifahrersitz in eine Chaiselongue und nutzt das Armaturenbrett als Rückenlehne. Eine originelle Lösung, die es bei stehendem Fahrzeug ermöglicht, den Innenraum als Entspannungsbereich zu nutzen und zugleich die Helligkeit des großen Panoramadachs zur Geltung bringt.

Foto von: Fiat

Fiat Multiplay Concept

Der Petsenger seat ist ein multifunktionales Element, das ein Haustier aufnehmen, als Stütze für einen Kindersitz, als kleiner Tisch oder als Ablagefach dienen kann. Die weichen Formen, die farbigen Bezüge und die leicht abwaschbaren Materialien zeigen, wie sehr das Projekt auf den Familienalltag ausgerichtet ist.

Foto von: Fiat

Der Multiplay nimmt nicht zwangsläufig ein Serienmodell vorweg, deutet aber eine mögliche Richtung für das Familienauto an. In einer Zukunft, in der das Fahren voraussichtlich immer stärker automatisiert sein wird, könnte der Innenraum noch wichtiger werden und jene Vision des Autos als Lebensraum verwirklichen, die große Designer der Vergangenheit bereits entworfen hatten. Eine Revolution, die paradoxerweise ausgerechnet mit der Rückkehr des Vans beginnen könnte.

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Bildergalerie: Fiat Multiplay Concept (2026)

Fiat Multiplay-Konzept

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Quelle: Fiat

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