Dieser Skoda Octavia aus dem Jahr 2004 mit 605.000 Kilometer fährt sich noch immer hervorragend
Wir drehten eine Runde mit dem fast unzerstörbaren 1.9 TDI unter der Haube
Der Skoda Octavia der jüngeren Neuzeit wird auch schon 30 Jahre alt. War das gefühlt nicht erst gestern? Zu allgegenwärtig ist die erste Generation (Limousine ab 1996, Combi ab 1998) noch immer im Straßenbild, insbesondere in Tschechien. Aber sie ist einfach haltbar und gut gegen Rost geschützt.
Dass eine hohe Laufleistung kein Hindernis für Alltagstauglichkeit darstellt, beweist dieser Skoda Octavia 1.9 TDI aus dem Baujahr 2004, der mittlerweile mehr als 605.000 Kilometer absolviert hat. Das Fahrzeug mit seinem 66 kW (90 PS) starken Dieselmotor diente ursprünglich als Firmenwagen, bevor es von seinem ersten privaten Besitzer (einem tschechischen Journalisten) übernommen und über die Jahre hinweg intensiv genutzt wurde.
Bildergalerie: Skoda Octavia 1.9 TDI (2004) mit über 600.000 km
Ich konnte das Auto kürzlich persönlich in Augenschein nehmen, weil es Skoda selbst als Teil einer Chronologie aller Octavia-Generationen seit 1996 ausstellte. Den Ur-Octavia (das achte Auto der Marke nach dem Krieg) gab es übrigens zwischen 1959 und 1971. Aber der Octavia der 1990er- und 2000er-Jahre ist meiner Generation natürlich viel geläufiger.
Von außen steht der Kilometerfresser erstaunlich gut da. Erst bei näherer Betrachtung fallen die Kratzer und Abschürfungen im Lack auf, ebenso die Abnutzungserscheinungen im Innenraum. Der Dachhimmel wurde bereits neu befestigt, eine alte VW-Konzernkrankheit. Quasi Falten im Gesicht, die dieser Octavia verdientermaßen tragen darf. Pluspunkt innen: Anders als etwas der VW Golf IV auf gleicher Plattform verzichtete der Skoda aus Kostengründen innen auf Softlack, was ihm heute positiv zugutekommt. Merke: Einfacher kann besser sein.
Regelmäßige Wartung zahlt sich aus
Besonders bemerkenswert ist die technische Substanz des Dauerläufers: Sowohl der Erstmotor als auch das Getriebe, die Abgasanlage und sogar die erste Kupplung befinden sich nach wie vor im Einsatz. Die Basis für diese Langlebigkeit bildet ein strikt eingehaltenes Wartungsintervall mit Ölwechseln alle 10.000 Kilometer.
Natürlich bleiben bei einer derart hohen Kilometerleistung Verschleiß- und Reparaturarbeiten nicht aus. So fährt die Limousine aktuell mit dem dritten Satz Stoßdämpfer, dem zweiten hinteren Stoßfänger sowie der dritten Frontscheibe. Bei der Marke von 500.000 Kilometern erfolgte zudem ein kompletter Austausch der Bremsanlage.
Skoda Octavia 1.9 TDI (2004) mit über 600.000 km
Knausern an der Tankstelle
Trotz der enormen Fahrleistung präsentiert sich das Diesel-Triebwerk als äußerst sparsam und verbraucht im Langzeitdurchschnitt lediglich 4,5 Liter auf 100 Kilometer. Dass das Fahrzeug auch nach zwei Jahrzehnten im Einsatz voll funktionstüchtig ist, zeigt die im August 2026 neu bestandene Hauptuntersuchung (STK/TÜV).
Zudem nutzt der Eigentümer das Fahrzeug als Transportmittel für sein Hobby: Als engagierter Fahrradliebhaber transportierte er nach eigener Aussage einst fünf Fahrräder auf dem Dach und weitere fünf zerlegte Räder im Innenraum des tschechischen Dauerläufers.
Skoda Octavia 1.9 TDI (2004) mit über 600.000 km
Und wie fährt er sich?
Netterweise durfte ich sogar hinter das Steuer des Dauerläufer-Octavia, um noch ein paar zusätzliche Kilometer draufzuschrubben. Und was soll ich sagen? Erstaunlich, wie verbindlich ein 22 Jahre altes Auto immer noch fährt. So, wie ich es vor einigen Monaten bei einem etwas älteren Audi A4 mit ähnlich hoher Laufleistung erleben konnte.
Der 1.9 TDI des Octavia ist zwar präsent, aber akustisch nicht unangenehm, zudem gut gedämmt. Kraftvoll schiebt er die nicht mal 1,4 Tonnen schwere Limousine vorwärts. Ich wechsle ohne Anstrengung durch die fünf exakten Gänge und denke mir: Warum eigentlich nicht sofort von der Skoda-Metropole Mlada Boleslav nach München durchfahren?
Beim Beschleunigen pfeift der Turbo sein Liedchen, mein rechter Arm lümmelt auf der Mittelarmlehne, die Klimaautomatik fächelt frische Luft ins Auto. Okay, das Bremspedal reagiert ein wenig spät, das müsste man mal prüfen lassen. Aber sonst fehlt es hier an nichts. Weil hier alles fehlt, was uns heute so nervt: Bimmelnde Assistenten, vorlaute Aufpasser, lange Suchen auf dem Touchscreen. Wie schrieb der tschechische Schriftsteller Milan Kundera? Die Leichtigkeit des Seins. Ob er einen Octavia fuhr, ist nicht überliefert.
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