Der Name Octavia ist inzwischen in aller Munde. Millionenfach hat Skoda seine Mittelklasse seit 1996 produziert, im Prinzip ist sie DER Octavia schlechthin. Doch wer nicht in der ehemaligen DDR oder Tschechoslowakei aufgewachsen ist, weiß vermutlich nicht, dass es bereits Jahrzehnte zuvor ein Auto mit dem Namen Octavia gab.

Im Januar 1959 verließen die ersten zweitürigen Octavia das Stammwerk in Mladá Boleslav. Zu den technischen Raffinessen zählten eine Einzelradaufhängung rundum sowie Spiralfedern und Drehstabstabilisatoren an der Vorderachse. Der Newcomer war das achte Skoda-Modell nach dem Zweiten Weltkrieg. Daher auch der lateinische Name Octavia – die Achte.

Bildergalerie: Skoda Octavia (1959-1971)

Der robuste Reihenvierzylinder mit 1,1 Liter Hubraum und 29,4 kW (40 PS) kam auf eine Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h und verbrauchte 7,7 Liter Benzin auf 100 Kilometer. Die leistungsstärkere Variante Octavia Super kam 1959 mit 1,2-Liter-Motor und einer Spitzenleistung von 33 kW (45 PS) auf den Markt.

Beim Auto-Salon in Genf stellte Skoda 1960 die sportliche Version Octavia Touring Sport (TS) vor, die mit 37 kW (50 PS) Leistung sogar im Motorsport Erfolge feierte. Unter anderem gelang mit Klassensiegen in den Jahren 1961, 1962 und 1963 ein Hattrick bei der Rallye Monte Carlo. 1960 feierte schließlich auch der Kombi seine Premiere.

Skoda Octavia (1959-1971)
Skoda Octavia (1959-1971)

Sein be­sonderes Kennzeichen: die horizontal teilbare Heckklappe. Er bot ausreichend Platz für fünf Personen und einem Kofferraum mit einer Ladelänge von 0,965 Metern und 690 Litern Ladevolumen. Bei Umklappen der hinteren Rücksitzlehnen erhöhte sich das Ladevolumen auf bis zu 1.050 Liter.

Der letzte Octavia Combi rollte Ende 1971 vom Band, rund 54.000 Fahrzeuge dieses Typs waren bis dato entstanden. Die zweitürige Limousine wurde nur bis 1964 gebaut und von der neu konstruierten Baureihe 1000/1100 MB mit selbsttragender Karosserie und Heckmotor abgelöst. Vom MB gab es keinen Kombi, weshalb der Octavia Combi noch länger leben durfte.

Skoda Octavia (1959-1971)

Bis 1971 hatte Skoda fast 300.000 Fahrzeuge der legendären Modellreihe produziert, die auch im Motorsport für Furore sorgte. Zu den größten Erfolgen des Octavia zählen der Klassensieg-Hattrick bei der legendären Rallye Monte Carlo von 1961 bis 1963 und ein Klassensieg beim 4.000-Meilen-Rennen von Montreal quer durch Kanada nach Vancouver im Jahr 1962.

Wenden wir uns "unserem" Octavia Combi zu, der im Rahmen der Fahrvorstellung des aktuellen Octavia Facelift für eine Ausfahrt zur Verfügung stand. 4,06 Meter lang, 1,60 Meter breit und 1,43 Meter hoch. Das ist heute Fabia-Format, mithin Kleinwagen also. Hinzu kommen 2,39 Meter Radstand sowie unter der vorderen Haube 47 PS aus 1.221 ccm Hubraum. 85 Newtonmeter stehen bei 3.000 Umdrehungen bereit, um rund 940 Kilogramm Auto voranzubringen.

Skoda Octavia (1959-1971)
Skoda Octavia (1959-1971)
Skoda Octavia (1959-1971)

Ohne Insassen, versteht sich. Die mangels hinterer Türen recht gelenkig sein müssen, um in den Fond zu schlüpfen. Zum Glück klappen die Sitze von Fahrer und Beifahrer einfach nach vorn. Dreitürige Kombis waren damals nicht selten, man denke an den VW Typ 3 Variant. Optisch erinnert der Skoda ein wenig an den Volvo Amazon Kombi (P220) von 1962. Auffallend sind die zarten Heckflösschen. 

Innen fallen die weichen Polster auf, es geht relativ eng zu. Zumindest nach heutigen Maßstäben, damals waren viele Autos deutlich kleiner, insbesondere im Ostblock. Unser tschechischer Octavia-Bändiger übernimmt das Steuer, etwas bockig geht die Fahrt los. Die Lenkradschaltung will mit Gefühl bedient werden, ein Leisetreter ist der Vierzylinder wahrlich nicht. Auch als Beifahrer wird schnell klar: Dieses Auto will bei aller Achtung vor dem Alter beherzt bewegt werden. Servolenkung? Vergessen Sie es.

Leider ist unsere Runde nicht besonders lang. Trotzdem sorgt der alte Octavia für viele Blicke der tschechischen Passanten. Je nach Alter zwischen "Guck mal dort!" und "Weißt doch noch?" Kein Wunder, schließlich war der Ur-Octavia noch zur Wendezeit 1989 in der CSSR präsent. Vor allem deswegen, weil es bis zum Forman auf Favorit-Basis keinen Kombi im Skoda-Programm gab.