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Vergessene Studien: Holden Hurricane (1969)
Dieses Auto hatte schon damals ein Navigationssystem, eine Rückfahrkamera und eine Klimaautomatik an Bord

Bild von: Holden

Von: Alberto Carmone
Übersetzt von: Roland Hildebrandt
Veröffentlicht von: Roland Hildebrandt
29. Aug. um 07:00 Uhr
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Früher war die Zukunft auch besser: Im Jahr 1969 stellte Holden das Hurricane Concept vor, einen extrem flachen, futuristisch gestalteten Prototypen, der intern den Codenamen RD-001 trug. Dieses Fahrzeug entstand als technisches Versuchslabor auf Rädern und gilt als das allererste Konzeptfahrzeug in der Geschichte der australischen Automobilmarke.
Entwickelt wurde der Hurricane, um das Auto von morgen zu erforschen, weshalb er als eine außergewöhnliche Studien der späten 1960er-Jahre in die Geschichte einging.
Bildergalerie: Holden Hurricane Concept (1969)

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Quelle: Holden
Ende der 1960er-Jahre entschied sich die Führung der australischen General-Motors-Tochter Holden, ein Versuchsfahrzeug zu bauen, das sich radikal von allen bisherigen Serienmodellen der Marke unterschied. Auch andere GM-Marken wie Vauxhall oder Opel durften in dieser Zeit experimentieren, bei Opel entstand so der GT.
Aber zurück zu Holden: Das Ziel bestand dort nicht im Bau eines serienreifen Supersportwagens, sondern in der Schaffung einer experimentellen Plattform zur Erprobung neuer Ideen in den Bereichen Design, Materialien, Elektronik und Fahrzeugarchitektur. Das ambitionierte Projekt wurde dem Designer Ken Genest unter der Leitung von Don DaHarsh anvertraut und feierte 1969 seine offizielle Weltpremiere.
Nicht einmal einen Meter hoch
Der optische Auftritt des Holden Hurricane erzeugte sofort internationale Aufmerksamkeit. Die aus glasfaserverstärktem Kunststoff gefertigte Karosserie ruhte auf einem Stahl-Gitterrohrrahmen und setzte auf eine extrem niedrige, breite Keilform. Damit nahm das Modell eine Designsprache vorweg, die in den 1970er-Jahren zum Markenzeichen legendärer Supersportwagen wurde.

Holden Hurricane Concept (1969)
Bild von: Holden
Mit einer Gesamthöhe von lediglich 99 Zentimeter und einer Gesamtlänge von rund 4,11 Meter wirkte der Hurricane beinahe so, als läge er direkt auf dem Asphalt. Seine Proportionen waren bewusst extrem gewählt, gekennzeichnet durch eine stark geneigte Frontscheibe, vollkommen glatte Außenflächen und eine scharf gezeichnete Frontpartie, die selbst im Stillstand Dynamik vermittelte.
Viele Experten sehen im Hurricane einen Wegbereiter der Keilform, der spätere Designikonen wie den Lancia Stratos Zero, den Ferrari 512 S Berlinetta Speciale oder den Maserati Boomerang inspirierte.
Zu den faszinierendsten Merkmalen des Holden Hurricane gehörte das Zugangssystem zum Innenraum. Anstelle herkömmlicher Türen nutzten die Konstrukteure ein großes, elektromechanisch angetriebenes Dachmodul. Diese Glaskuppel hob sich auf Knopfdruck an und schwenkte über die Vorderräder nach vorne. Gleichzeitig fuhren die beiden Fahrgäste auf speziellen Sitzen nach oben und kippten leicht nach außen, um das Ein- und Aussteigen in das flache Cockpit zu erleichtern.

Holden Hurricane Concept (1969)
Bild von: Holden
Digital, aber vor 66 Jahren
Im Cockpit ersetzte der Hurricane die damals üblichen analogen Uhren durch eine digitale Instrumentenanzeige, was 1969 eine echte Rarität darstellte. Eine der zukunftsweisendsten Innovationen war das sogenannte Pathfinder-System. Dieser frühe Vorläufer moderner Navigationssysteme nutzte in die Fahrbahndecke eingelassene Magnetsignale und Pfeilanzeigen im Armaturenbrett, um dem Fahrer den richtigen Weg zu weisen.
Überdies befand sich eine Rückfahrkamera an Bord, deren Bild auf einen Schwarz-Weiß-Monitor in der Mittelkonsole übertragen wurde und damit moderne Einparkhilfen um viele Jahrzehnte vorwegnahm. Eine automatische Klimaanlage namens Comfortron hielt die Temperatur im Innenraum konstant, während ein Radio mit automatischem Sendersuchlauf den Komfort abrundete.

Holden Hurricane Concept (1969)
Bild von: Holden
Als technisches Herzstück diente ein hinter den Sitzen platziertes 4,2-Liter-V8-Triebwerk mit Vierfach-Vergaser, das seine Leistung über ein viergängiges Transaxle-Schaltgetriebe an die Hinterräder abgab. Der 253-Cubic-Inch-Mittelmotor leistete rund 193 kW (260 PS) und beschleunigte die Studie in etwa fünf Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Dieser Motor gehörte zu den wenigen Komponenten des Projekts, die direkt den Weg in die Serienproduktion fanden und später in Hunderttausenden Holden-Fahrzeugen verbaut wurden. Auch das Fahrwerk bot ungewöhnliche Detaillösungen, darunter ölgekühlte Scheibenbremsen an der Vorderachse, die über eigene Ölkühler temperiert wurden, um extremen Belastungen standzuhalten.
Trotz des enormen Entwicklungsaufwands blieb der Holden Hurricane ein Einzelstück. Viele der verbauten Technologien erwiesen sich für die damalige Großserie als zu kostspielig oder zu komplex. Dennoch erfüllte der Prototyp seinen Zweck als Erprobungsträger für Elektronik und Leichtbau-Werkstoffe vollkommen. Im Jahr 2011 wurde das einzigartige Einzelstück nach einer jahrelangen, aufwendigen Restauration durch Holden-Ingenieure wieder komplett in den fahrbereiten Originalzustand versetzt.
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