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„Nur über meine Leiche“: Audi-Designchef hatte nicht verhandelbare Forderung für den Nuvolari

Der 1.001-PS-Supersportler schaffte es in nur 405 Tagen von der Skizze zum fahrbereiten Prototypen

2027 Audi Nuvolari
Bild von: Audi

Anfang Juni überraschte Audi die Autowelt mit einer mittelschweren Sensation aus dem vermeintlichen Nichts. Rund zwei Jahre nachdem der letzte R8 vom Band gelaufen war, stand da plötzlich ohne jegliche Vorankündigung ein Supersportwagen mit vier Ringen auf der Haube. So wie der frühere R8 eng mit dem Lamborghini Huracán und zuvor dem Gallardo verwandt war, hat auch der Nuvolari seine Wurzeln in Sant’Agata Bolognese.

Ein neues Video blickt hinter die Kulissen der Entwicklung des Supersportwagens. Wie bei jedem Auto begann alles mit einer Skizze, doch Audi benötigte nur 405 Tage, um einen fahrbereiten Prototypen für erste Tests auf die Räder zu stellen. Falls noch Zweifel an den italienischen Genen bestanden haben sollten: Der im Video gezeigte Versuchsträger trägt die Karosserie des Temerario, und auf den Kopfstützen ist sogar das Logo des Stiers eingestickt.

Auch wenn Audi die Entwicklung beschleunigen konnte, indem man den „Einstiegs-Lamborghini“ als Basis nutzte, vermittelt das 20-minütige Video einen guten Eindruck davon, wie viel Aufwand die Entwicklung eines derart besonderen Fahrzeugs bedeutet. Schon in der frühen Konzeptphase war für Designchef Massimo Frascella klar, was der Nuvolari nicht bekommen sollte: einen großen Heckflügel.

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2027 Audi Nuvolari Prototyp

Foto: Audi

„Ich weiß nicht, ob ihr das aufnehmen könnt, aber ich habe gesagt: "Nur über meine Leiche."

Chief Creative Officer Massimo Frascella bestand darauf, dass der Hybrid-Supersportwagen keinen großen, weit nach hinten-oben ragenden Flügel bekommen dürfe, weil dieser die klaren Linien stören würde. Audi war der Ansicht, das Element wirke zu aufdringlich und passe optisch nicht zu einem Fahrzeug, das laut Studien-Entwicklungsleiter Jürgen Meurle als „Gentleman Racer“ gedacht ist. Das heißt allerdings nicht, dass der Nuvolari komplett auf einen Heckflügel verzichtet.

Audi Nuvolari mit adaptivem Heckspoiler

Stattdessen verfügt er über einen aktiven Spoiler, der geschlossen bleiben und bündig in die Karosserie integriert sein kann, um den Luftwiderstand zu minimieren und den Kraftstoffverbrauch zu senken. Audi hat zudem einen Modus mit geringem Abtrieb für schnelle Geraden entwickelt, der höhere Geschwindigkeiten ermöglichen soll. Beim Bremsen oder in Kurven wechselt der Spoiler des Nuvolari in einen Modus mit hohem Abtrieb, um das Auto stärker auf die Straße zu pressen.

Außerdem gibt es am Lenkrad eine Taste, mit der sich manuell ein DRS nach Formel-1-Vorbild aktivieren lässt. Es soll helfen, noch höhere Geschwindigkeiten zu erreichen. Audi gibt an, dass der Nuvolari mehr als 350 km/h fahren kann – damit wäre er das schnellste Serienmodell in der Geschichte der Marke.

YouTube video player

Zu heiß für das ursprüngliche Konzept

Obwohl der Temerario eine solide Basis lieferte, verlief der Entwicklungsprozess keineswegs völlig reibungslos. Auf frühen Skizzen ist zu sehen, dass die Karosserie aus Kohlefaser ursprünglich ein geschlossenes Heckteil hatte, das nur wenig zur Wärmeabfuhr beitrug. Audi verbesserte die Kühlung später mit zusätzlichen Lüftungslamellen, damit der 4,0-Liter-V8-Biturbo besser atmen kann und die Temperaturen im Griff bleiben.

Wenn die Auslieferung der 499 Exemplare in der ersten Jahreshälfte 2027 beginnt, wird der Nuvolari das erste Serienfahrzeug von Audi mit dieser markanten neuen Formensprache sein. Der straßenzugelassene elektrische Concept C mit versenkbarem Targa-Dach folgt im gleichen Jahr, dürfte aber ebenfalls ein Nischenmodell bleiben. Erst 2028, wenn der A4 als elektrische Limousine zurückkehrt, wird sich zeigen, wie sich die neue Designsprache auf ein Volumenmodell übertragen lässt.

2027 Audi Nuvolari


Motor1 meint: Videos wie dieses sind immer faszinierend, weil Autohersteller nur selten einen Blick hinter die Kulissen gewähren. Den Nuvolari einfach als umkarossierten Temerario zu bezeichnen, wäre zu kurz gegriffen – ganz los wird Audi den Spenderwagen bei seinem Supersportler aber vermutlich nie.

Zugegeben: Es ist kein echter R8-Nachfolger, wie viele gehofft hatten. Trotzdem ist er ein starkes Signal für eine neue Design-Ära bei Audi.