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Motor1 Numbers: Rendite-König Ferrari düpiert die komplette Autoindustrie

Viele Hersteller verdienen mit 100 oder gar 1.000 Autos weniger Geld als Ferrari mit einem einzigen

Motor1 Numbers: Wie viele Autos müssen verkauft werden, um die Rentabilität von Ferrari zu erreichen?
Bild von: Motor1.com

Es gibt einen interessanten Indikator, den ich vor ein paar Jahren entwickelt habe. Neben der Beobachtung der Verkaufsentwicklung und der Frage, wie Automobilhersteller ihre Strategien weltweit anpassen, versuche ich auch, ihre finanziellen Ergebnisse einzuordnen. Am Ende verkaufen sie alle Autos, um Geld zu verdienen – oder zumindest sollte das so funktionieren in einer Marktwirtschaft.

So bin ich zum sogenannten „Ferrari-Rentabilitätsindex“ gekommen, also einem Vergleich zwischen dem profitabelsten Hersteller der Welt und den übrigen Produzenten. Konkret entnehme ich aus den Geschäftsberichten von rund 40 Automobilherstellern aus Europa, Amerika und Asien zwei Kennzahlen: den Umsatz – also das, was sie durch den Verkauf von Autos einnehmen – und das operative Ergebnis – also das, was übrig bleibt, nachdem Produktions-, Verwaltungs- und Vertriebskosten bezahlt wurden.

Auch wenn sich die Rechnungslegungsvorschriften der verschiedenen Länder nie vollständig angleichen lassen, ist das Prinzip ähnlich: Umsatz minus Herstellungskosten ergibt die Bruttomarge; Bruttomarge minus operative Aufwendungen ergibt das operative Ergebnis (Gewinn oder Verlust). In meiner Analyse zähle ich zu den operativen Aufwendungen vor allem Verwaltungs- und Vertriebskosten.

Auf Basis dieser Daten hat Ferrari seine Rolle als Spitzenreiter 2025 bestätigt – mit einem Gewinn von 223.680 Euro pro ausgeliefertem Fahrzeug. Eine nahezu unglaubliche Zahl, die die Fähigkeit der Marke widerspiegelt, Exklusivität und Effizienz zu verbinden. Die operative Marge lag bei 42,7% – ein außergewöhnliches Niveau.

Motor1 Numbers: Wie viele Autos müssen verkauft werden, um die Rentabilität von Ferrari zu erreichen?

Motor1 Numbers: Wie viele Autos müssen verkauft werden, um die Rentabilität von Ferrari zu erreichen?

Bild von: Motor1.com

Direkt dahinter folgt Jaguar Land Rover: Die Edel-Briten sind Teil des indischen Tata-Konzerns und haben sich über die letzten Jahrze gerade mit Land Rover und Range Rover ein überaus profitables Business aufgebaut. Obwohl man im vergangenen Jahr einige Schwierigkeiten bewältigen musste, konnte man 18.657 Euro operativen Gewinn pro verkauftem Auto erzielen. Um den Ertrag von einem einzigen Ferrari zu erreichen, muss JLR also 12 Fahrzeuge verkaufen. Beim Nettogewinn fällt das Bild allerdings drastisch anders aus: gerade einmal 97 Euro pro Auto.

Zu den Gewinnern gehört auch Tesla, einer der wenigen profitablen Akteure in der Welt der Elektroautos. Das Unternehmen kam auf 9,59 Milliarden Euro operativen Gewinn, entsprechend 5.859 Euro pro Fahrzeug. Das bedeutet: Tesla muss 38 Autos verkaufen, um auf den Gewinn einer Ferrari-Auslieferung zu kommen.

Nicht nur die profitabelste Marke

Ein weiterer interessanter Punkt: Ferrari war der einzige Hersteller, der seine Profitabilität gegenüber dem Vorjahr steigern konnte.

Während nahezu alle anderen Hersteller einen Rückgang verzeichneten – mit kleinen Ausnahmen wie Xpeng, Leapmotor und Geely – legte die italienische Marke bei meinem Index um 10% zu.

Zu den schwächsten Entwicklungen – betrachtet man nur Unternehmen, die dennoch profitabel sind – zählen Porsche (-93%), Mazda (-93%), Ford (-89%), Mitsubishi Motors (-54%), Subaru (-48%), General Motors (-42%) und Kia (-36%).

Der Volkswagen Konzern verzeichnete ein Minus von 35%, während Toyota bei -11% blieb. Besonders negativ fällt Stellantis auf: Von einem Gewinn von 1.973 Euro pro Auto im Jahr 2024 rutschte der Konzern 2025 auf einen Verlust von 1.991 Euro je Fahrzeug ab.

Der Autor des Artikels, Felipe Munoz, ist Branchenanalyst der Automobilindustrie und Content Creator von Car Industry Analysis in den sozialen Medien.