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EU-USA-Zollabkommen: Volvo und Mercedes unter den Gewinnern

Mit 87 % der Verkäufe aus EU-Werken ist die schwedische Marke der größte Nutznießer

EU-USA-Zollabkommen: Volvo und Mercedes unter den Gewinnern
Bild von: LinkedIn

Donald Trump setzt seine Serie von Handelsabkommen mit den Partnern der USA fort. Nach dem Abkommen mit Japan in der vergangenen Woche ist nun die Europäische Union an der Reihe.

Trotz politischer Differenzen und eines erheblichen Handelsungleichgewichts zwischen den beiden großen Wirtschaftsräumen scheint sich eine gewisse Stabilität abzuzeichnen. Doch wer profitiert und wer verliert im Automobilsektor von dieser neuen Realität?

Die Gewinner

Als klarer Gewinner gilt Volvo/Polestar. Obwohl die Marken im Vergleich zu anderen Herstellern nur geringe Produktionsvolumina in den USA haben, ist ihr Erfolg eng mit dem Handel mit der EU verbunden. Im ersten Halbjahr dieses Jahres verkaufte das Unternehmen 70.200 Neuwagen in den USA, davon 60.800 aus der EU importiert.

Bildergalerie: Polestar 3 Performance (2024) im Test

Mit einem Anteil von 87 % seiner US-Verkäufe, die direkt vom Handel mit der EU abhängen, wirkt sich der neue Zollsatz von 15 % zwar auf den Endpreis der Fahrzeuge aus, bleibt jedoch deutlich günstiger als zunächst angekündigt.

Hinzu kommt: Der schwedische, im Besitz chinesischer Investoren befindliche Hersteller ist besonders stark vom US-Markt abhängig. Im ersten Halbjahr 2025 machten die aus der EU in die USA exportierten Fahrzeuge fast 16 % des weltweiten Absatzvolumens von Volvo und Polestar aus. Der US-Markt ist somit von zentraler Bedeutung für beide Marken. Entsprechend wird die Produktion im Werk in South Carolina weiter ausgebaut.

Dort entstehen aktuell der Volvo EX90 und der Polestar 3. Zudem hat der Hersteller angekündigt, dass auch die nächste Generation des Volvo XC60 in diesem Werk vom Band laufen wird.

<p>Volvo EX90</p>

Volvo EX90

Bilder von: Volvo
<p>Mercedes GLB</p>

Mercedes GLB

Der zweite Gewinner ist Mercedes. Einerseits ist auch die Marke stark von in Europa produzierten Fahrzeugen für ihre US-Verkäufe abhängig. Andererseits ist sie nicht in gleichem Maße den Handelsproblemen und höheren Zöllen ausgesetzt, die für Produkte aus Mexiko und Kanada gelten.

So verkaufte Mercedes im ersten Halbjahr 2025 fast 90.000 in der EU produzierte Fahrzeuge in den USA, während lediglich 4.400 Einheiten des in Mexiko gefertigten GLB im gleichen Zeitraum verkauft wurden.

Bleibt die Frage: Wird das neue Abkommen die Pläne stoppen, die Produktion des GLC – des in den USA zweitbeliebtesten Modells der Marke – im US-Werk Tuscaloosa zu lokalisieren?

  In der EU hergestellte Autos in % des Absatzes in den Vereinigten Staaten im ersten Halbjahr 2025 In der EU hergestellte Autos, die in den Vereinigten Staaten verkauft werden, in Prozent des Absatzes
Volvo/Polestar 87% 16%
Mercedes 57% 10%
BMW 45% 7,4%
Jaguar Land Rover  31% 8,4%

Importe aus Mexiko und Kanada bleiben teuer

Auch wenn das neue Handelsabkommen den europäischen Automobilherstellern etwas Entlastung verschafft, löst es die Spannungen der Trump-Regierung mit den Nachbarländern Mexiko und Kanada nicht. Fahrzeuge, die von dort in die USA importiert werden, unterliegen weiterhin hohen Zöllen – ein Problem für Hersteller, die auf diese Produktionsstandorte angewiesen sind.

Betroffen sind unter anderem Stellantis und der Volkswagen-Konzern. Beide profitieren zwar vom Handelsabkommen mit Europa, bleiben jedoch den höheren Zöllen auf ihre in Mexiko und Kanada produzierten Modelle ausgesetzt. Auch General Motors zählt zu den Verlierern: Der Konzern importiert keine Fahrzeuge aus Europa, bezieht aber 35 % seiner US-Absätze im ersten Halbjahr aus mexikanischen und kanadischen Werken.

Mix der H1-Verkäufe in den Vereinigten Staaten nach Produktionsort

  Europa Mexico-Kanada
Stellantis 2% 36%
GM 0% 35%
Ford 0% 17%

Der Autor des Artikels, Felipe Munoz, ist Automotive Industry Specialist von JATO Dynamics.