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China verspricht 'besseres' Supercar als Ferrari SF-90

Great Wall Motor hat fünf Jahre an seinem vermeintlichen Ferrari-Besieger gearbeitet

Ferrari SF90 Stradale

China dominiert im Bereich der Elektrofahrzeuge, gibt aber die Verbrennungsmotoren noch nicht auf. Great Wall Motor hat kürzlich einen 4,0-Liter-Biturbo-V8-Benziner für Fahrzeuge der Oberklasse vorgestellt und entwickelt außerdem einen 3,0-Liter-Sechszylinder-Diesel.

An der Spitze der Produktpalette soll jedoch ein Supersportwagen stehen, an dem GWM nach eigenen Angaben seit fünf Jahren arbeitet. Obwohl das Unternehmen in der Welt der High-Performance-Cars bis jetzt nicht wirklich in Erscheinung getreten ist, hat man offenbar ausgerechnet Ferrari im Visier.

In einem Interview, das auf der chinesischen Social-Media-Plattform Weibo veröffentlicht wurde, behauptet der Chief Technology Officer des Automobilherstellers, der geheimnisvolle Sportwagen werde besser sein als ein Ferrari. Laut CnEVPost gab Wu Huixiao jedoch auch zu, beim ehrgeizigen Versuch, das springende Pferd zu übertreffen, noch viel von seinen Rivalen zu lernen.

Ein Supersportwagen wäre eine große Veränderung für ein Unternehmen, das vor allem für Pickups und SUVs bekannt ist. Vielleicht kennen Sie auch GWMs Untermarke Ora und ihre eher schräg gezeichneten E-Modelle wie den kompakten 03 (ehemals "Funky Cat") oder die Limousine 07.

<p>Der neue V-8-Motor von Great Wall Motor</p>

Der neue V-8-Motor von Great Wall Motor

Bilder von: Great Wall Motors
<p>Der neue V-8-Motor von Great Wall Motor</p>

Der neue V-8-Motor von Great Wall Motor

Während des Interviews mit einem chinesischen Blogger verriet Wu, dass GWM einen Nürburgring-Experten nach China geholt hat, um Erkenntnisse über die schönste und härteste Rennstrecke der Welt zu gewinnen. Die Entwicklung verlief jedoch nicht ohne Rückschläge. Wu räumte ein, dass es Probleme mit der Produktion eines Kohlefaser-Monocoques gibt und dass die Kostenreduzierung eine Herausforderung bleibt. Zwei von mehreren Gründen, warum das Projekt trotz seiner fünfjährigen Entwicklungszeit noch nicht offiziell vorgestellt wurde.

Dass der eingangs erwähnte V8 den chinesischen "Ferrari-Killer" antreiben wird, ist eher unwahrscheinlich. Wu deutete an, dass er zu groß ist. Ob GWM einen kleineren, bereits existierenden Motor adaptiert oder einen völlig neuen baut, verriet der Entwicklungschef allerdings nicht.

Das Unternehmen bietet derzeit einen 3,0-Liter-Biturbo-V6 in seiner G-Klasse-Kopie Tank 700 als Teil eines Plug-in-Hybridsystems an. Dort leistet er 523 PS. Außerdem gibt es den Tank 500 Hi4-Z mit heftigen 851 PS aus einem PHEV-System, das einen 2,0-Liter-Vierzylindermotor mit zwei Elektromotoren kombiniert.

Dass die Chinesen ausgerechnet den SF90 Stradale als Referenz ins Spiel bringen, deutet darauf hin, dass der GWM-Supersportler wohl ebenfalls ein Plug-in-Hybrid sein wird. In China wächst allerdings auch das Segment vollelektrischer Hochleistungsfahrzeuge. Beispiele sind der der BYD Yangwang U9 oder der GAC Aion Hyper SSR.

Um mit inländischen und internationalen Konkurrenten konkurrieren zu können, so Wu, müsse GWM "ein Auto bauen, das den Adrenalinspiegel in die Höhe treibt und eine Explosion von Hormonen und Dopamin auslöst".

<p>BYD Yangwang U9</p>

BYD Yangwang U9

Bilder von: Yangwang
<p>GAC Aion Hyptec SSR</p>

GAC Aion Hyptec SSR

Interessanterweise wurde der GWM-Vorsitzende Jack Wei chinesischen Berichten zufolge am Steuer eines Ferrari SF90 gesichtet. Ein weiteres Indiz dafür, dass das Unternehmen hohe Ziele verfolgt. Klar ist auch: selbst wenn das GWM-Supercar am Ende tatsächlich schneller und erschwinglicher sein sollte, wird es nicht ansatzweise das Prestige und die Ausstrahlung eines Autos aus Maranello besitzen.

Andererseits spielt das auf dem heutigen chinesischen Markt vielleicht auch keine große Rolle. Dort reüssieren mehr denn je lokale Marken, indem sie mit Technik vollgepackte Elektroautos mit größeren Reichweiten und oft deutlich niedrigeren Preisen als ihre westlichen Konkurrenten anbieten. Außerhalb Chinas wird ein High-End-Sportwagen allerdings kaum zu verkaufen sein, selbst zu einem weitaus niedrigeren Preis. Wir zumindest sehen nicht viele Ferrari-Treue, die ihre Bestellung zugunsten eines GWM, BYD und Co. stornieren würden.