Renault Rafale E-Tech 300 4x4 (2024) im Test: Die Kraft der vier Herzen
Als viermotoriger Plug-in-Hybrid mit Allradantrieb wird das SUV-Coupé zum Spaßmobil ...
Renault schlachtet das Thema SUV/Crossover bis aufs Letzte aus. Neben dem kompakten Captur haben die Franzosen mit Austral, Arkana, Symbioz, Scenic und dem großen Espace dieses Segment eigentlich komplett abgegrast. Offenbar verorteten die Strategen aber noch eine kleine Lücke im Portfolio, denn mit dem neuen Rafale schicken sie nun ein SUV-Coupé in den Ring, das auf dem Espace basiert. Wir sind den schicken Franzosen rund um Nizza bereits ausgiebig gefahren.
| Schnelle Daten | Renault Rafale E-Tech 300 4x4 |
| Motor | Plug-in-Hybrid, 1,2 Liter Dreizylinder (115 kW / 150 PS), Startergenerator (25 kW / 34 PS), E-Motor vorn (50 kW / 69 PS), E-Motor hinten (100 kW / 136 PS), 221 kW / 300 PS Systemleistung |
| Getriebe | Multi-Mode Automatikgetriebe |
| Drehmoment | 230 Nm (Benzinmotor) / 205 Nm (Elektromotor Vorderachse) / 195 Nm (Elektromotor Hinterachse), |
| Kofferraumvolumen | 539 bis 1.826 Liter |
| Preis | ab 53.300 Euro |
Was ist das?
Renault Rafale E-Tech Plug-in-Hybrid 300 4x4 Atelier Alpine – der offizielle Titel des neuen Sprosses aus dem Hause Renault weckt schon mal große Erwartungen. Für die Top-Version der Baureihe holte man sich die tatkräftige Unterstützung der hauseigenen Sportabteilung Alpine an Bord, die vor allem in Sachen Chassis, also Fahrwerk, ihren Senf zum Gesamtgericht hinzugibt. Herausgekommen ist ein scharf gezeichnetes SUV-Coupé mit 300 System-PS, einem durchaus sportlichem Fahrwerk inklusive Allradlenkung sowie einer Ausstattung, die sich sehen lassen kann.
Exterieur | Interieur | Antrieb | Fahrwerk | Preise | Fazit
Bildergalerie: Renault Rafale E-Tech 300 4x4 (2024) im Test
Exterieur
Das muss man Renault lassen: Seit einiger Zeit verlassen absolut sehenswerte Modelle die Pariser Designzentrale des französischen Traditionskonzerns. Da macht der neue Rafale keine Ausnahme. Ganz im Stile der Marke mit scharfen Kanten, finsterem Antlitz und stimmigen Proportionen gezeichnet, vermittelt der Rafale bereits im Stand eine gewisse Sprungkraft. Vor allem im neuen "satin-blue". Die hohe, kantige Front wird von den Matrix-Scheinwerfern und dem bösen, schwarzen Grill dominiert.
Unser Top-Modell "Atelier Alpine" hat dazu noch knackig designte 21-Zöller "Castellet" zu bieten, die den Proportionen weiter guttun. Das flach abfallende Dach sorgt für Spannung in der Seitenlinie, während das Heck mit den scharf gezeichneten Leuchten nicht gerade einzigartig daherkommt, aber schon einen gewissen optischen Reiz bietet. Die Leuchten sollen übrigens vom chinesischen Tangram-Puzzle inspiriert sein, bei dem ein Quadrat in sieben Teile unterteilt ist und "schwebenden Eiswürfeln ähneln". Na dann ...
| Abmessungen | Renault Rafale E-Tech 300 4x4 |
| Länge x Breite x Höhe | 4.710 mm x 1.866 mm x 1.613 mm |
| Radstand | 2.738 mm |
| Leergewicht | 2.025 kg |
| Kofferraumvolumen | 538 - 1.826 Liter |
| Zuladung | 415 kg |
| Anhängelast | 1.500 kg |
Interieur
Nach dem Einstiegen empfängt uns der Rafale zunächst mit dem markentypischen Cockpit, bestehend aus einer Landschaft von mehreren Displays, die in einer Einheit optisch zusammengefasst sind. Durch das eckige Lenkrad blickt man auf ein ausführlich konfigurierbares Display, das mit einer brillanten Auflösung und ansprechend dargestellten Grafiken überzeugt. Der große Zentralbildschirm im Hochkantformat wiederum ist leicht zum Fahrer geneigt und bietet eine bordeigene Google-Navigation, die bekanntermaßen zum Besten gehört, was man heute so erwarten kann.
Daneben beherbergt der Screen auch fast alle weiteren Funktionen, nur die Klimabedienung wurde dankenswerterweise auf eine physische Tastenleiste ausgelagert. Insgesamt alles normaler (also mittlerweile sehr guter) Renault-Standard. Die Sprachbedienung versteht zudem so ziemlich alles, was man so dahernuschelt. Ansonsten ist die Bedienung relativ logisch und einfach per Touchscreen machbar.
Interessanter wird es ein Stück weiter hinten. Hier besitzt der Rafale genau wie sein Bruder Espace eine Mittelkonsole mit verschiebbarem Deckel. Damit kann man die verschiedenen Fächer in der Konsole verwalten. Zudem befindet sich dort eine sehr gut zugängliche induktive Ladeschale, die so auch gut belüftet ist und das Überhitzen der Smartphones zumindest hinauszögert.
Vorn sitzt man in sehr bequemen, elektrisch verstellbaren Sportsitzen und hat viel Platz in alle Richtungen. Hinten sieht es ähnlich aus, Platz ist sowohl vor den Knien als auch über dem Scheitel mehr als genug vorhanden. Dass man sich trotzdem hinten nicht wirklich wohlfühlt, liegt am sehr ungünstigen Kniewinkel. Durch den unter dem Fahrzeug angeordneten Akku ist der Boden sehr hoch, sodass man mit weit angezogenen Knien fast ohne Oberschenkelauflage mehr auf der Bank hockt als sitzt.
Der Kofferraum hingegen bietet überhaupt keinen Grund zur Klage, ist geräumig und gut nutzbar, auch dank der unter dem Boden verstaubaren Ladekabel. Beim Volumen verlor der Plug-in-Hybrid gegenüber dem normalen Rafale fast 90 Liter, die sich aber unter dem Ladeboden befanden. Mit 539 - 1.826 Litern ist der Renault aber trotzdem noch für fast alle Transportaufgaben zu haben.
Erstaunlich ist die hohe Qualität und das wirklich ansprechende Ambiente. Wenn man wie der Autor aus einer Zeit stammt, in der Renault mit beispielsweise dem ersten Megane oder dem Laguna wahre Plastikbomber auf die Räder gestellt haben, kann man sich nur immer wieder verwundert die Augen reiben, welch hohes Niveau diese französischen Autos mittlerweile erreicht haben. Vor allem die von uns gefahrene Version „Atelier Alpine“ verwöhnt mit (veganem) Leder, Ambientelicht, edlen Materialien und sorgfältigen Passungen. Highlight im wahrsten Sinne sind die beleuchteten Alpine-Logos in den Sitzlehnen.
Antrieb
Für das Top-Modell schnürte Renault ein Paket aus einem 1,2 Liter großen Dreizylinder (150 PS), einem Startergenerator (34 PS), einem Elektromotor im Getriebe (69 PS) sowie einer weiteren E-Maschine im Heck (136 PS), die für den Allradantrieb zuständig ist. Das Zusammenspiel aus den vier (!) Motoren, die insgesamt bis zu 300 PS liefern, gelingt im Rafale durchaus geschmeidig. Die Wechsel zwischen den einzelnen Antriebsmodi sind kaum wahrnehmbar.
Durch den ordentlichen Elektrobums wirkt der Rafale trotz seiner immerhin 2.025 Kilogramm und des kleinen Dreizylinders stets hellwach und reagiert vor allem im Sportmodus schon fast bissig. Wie man sich im bergigen Hinterland von Nizza von Kurve zu Kurve zoomen kann, macht schon sehr viel Spaß. Vor allem Zwischenspurts machen fast süchtig: In nur vier Sekunden geht es von 80 auf 120 km/h.
Dabei bleibt der Antrieb mustergültig leise. Das liegt auch daran, dass die Steuerung stark auf elektrisches Fahren fokussiert ist. Wenn der Dreizylinder mit ranmuss, bleibt sein typisches Trommeln zwar wahrnehmbar, aber sehr gut gedämmt. Auch Windgeräusche schleichen sich nur zaghaft bei hohem Tempo in die Geräuschkulisse.
| Fahrleistungen | Renault Rafale E-Tech 300 4x4 |
| 0-100 km/h | 6,4 s |
| Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
| 80-120 km/h |
4,0 s |
| elektrische Reichweite | bis 105 km |
Mittels Schaltwippen lässt sich der Grad der Rekuperation in drei Stufen justieren. In der schärfsten Variante ist fast ein Onepedal-Feeling möglich. Beim Bremsen allerdings wirkt das Zusammenspiel sehr indifferent und wenig vorhersehbar. Es kann passieren, dass der Rafale nach leichtem Bremsen nur reine Rekuperation plötzlich stärker verzögert als während des eigentlichen Bremsvorganges. Das ständige Nicken der Beifahrer ist dann auch mit viel gutem Willen nicht mit Beifall zu erklären, sondern hat ausschließlich physikalische Ursachen.
Reines elektrisches Fahren geht dank des neuen EV Modes, der sich ganz einfach mittels Taste in der Mittelkonsole aktivieren lässt, auch bestens. Dabei kann der Verbrenner als Generator genutzt werden, um immer genügend Reststrom zur Verfügung zu haben. Die 160 Elektro-PS ermöglichen ein Topspeed von 135 km/h. Dann sind die optimistischen 105 km elektrische Reichweite aber nicht drin. Auf der anderen Seite - also mit leergefahrenem Akku - muss die kleine Dreizylindertrommel schon ordentlich ackern, um den schweren Rafale in Schwung zu halten. Dabei ist fast immer noch genug Energie für kurzes Boosten übrig.
Der 22 kWh große Akku soll bis zu 105 Kilometer rein elektrischer Reichweite ermöglichen. Testen konnten wir diesen Wert vor Ort nicht, aber die Reichweitenanzeige machte diesbezüglich durchaus Hoffnung. Auch der Verbrauch kann sich sehen lassen. Auf unserer Testrunde konsumierten wir 4,8 l/100 km sowie 18,8 kWh/100 km. Im Eco-Modus wäre noch deutlich weniger drin gewesen, weil der Verbrenner öfter schweigen müsste. Hier gilt wie bei allen Stecker-Autos: Wer billig laden kann, ist klar im Vorteil und kann die Vorteile des Plug-in-Hybrids auch finanziell besser nutzen.
Thema Laden: Leider stellt Renault maximal nur einen 7,4 kW-Bordlader zur Verfügung. An der Wallbox dauert eine Vollladung so fast drei Stunden. An der 230V-Haushaltsteckdose vergehen sogar mehr als neun Stunden. Laut Renault wäre es aber möglich, dass später ein 11-kW-Lader nachgereicht werden könnte.
Fahrwerk
Für das Fahrwerk holte sich Renault wie eingangs erwähnt Unterstützung der Alpine-Abteilung, die durch die Werkseinsätze in der Formel 1 und Sportwagen-Weltmeisterschaft und nicht zuletzt durch die wieselflinke A110 viel Expertise in das Projekt einbrachten. Beim Rafale kommt sowohl die hauseigene Alllradlenkung als auch ein adaptives Stoßdämpfersystem zum Einsatz. Erstere sorgt für ein knackiges, schon fast spitzes Einlenkverhalten, wodurch der Rafale aber sehr handlich wirkt.
Die Stoßdämpfer halten in der Sportstellung die Karosserie aufrecht, auch wenn es um scharfe Kurven geht. Zusammen mit dem niedrigen Schwerpunkt bietet der Rafale ein straffes Handling und ermöglicht nicht zuletzt durch die speziellen Conti-Sportreifen sehr hohe Kurvengeschwindigkeiten. Im Sportmodus werden nicht nur die Dämpfer gestrafft, sondern auch die Kraftverteilung deutlich nach hinten verschoben, was man an einem sehr agilen Einlenkverhalten und leichtem Leistungsübersteuern in engen Kurven merkt.
Auf der anderen Seite soll das adaptive Dämpfersystem mittels prediktiver Steuerung auch einen unerreichten Komfort bieten. Hierfür scannt eine Kamera den Fahrbahnbelag vor dem Fahrzeug ab und justiert die Dämpfer entsprechend. Solche aufwendigen Systeme sind bislang nur aus der Oberklasse bekannt. Damit wird der Rafale zwar auch im Komfort-Modus nicht zur Sänfte – das verhindern schon die flachen 21-Zoll-Reifen - aber schlechte Wegstrecken verlieren ihren Schrecken und man ist insgesamt sehr komfortabel unterwegs.
Preise
Beim Blättern durch die Preisliste muss man erstmal schlucken. Ganze 57.800 Euro verlangt Renault für den Rafale in der Top-Version Atelier Alpine. Allerdings steckt hier schon praktisch alles drin, was die Aufpreisliste hergibt. Nur Sonderfarben, das selbsttönende Panoramadach oder eine Soundanlage müssen noch extra gebucht werden, treiben den Preis dann aber auch schnell über die 60K-Schallmauer. Günstiger geht es mit dem Rafale Esprit Alpine für 53.300 Euro. Wer nur den Rafale will, aber den Plug-in-Hybrid nicht braucht, kann den Vollhybriden mit 200 PS wählen, der als Techno 43.800 Euro kostet.
Zum Vergleich: Der direkte Konkurrent – der Peugeot 408 – beginnt bei 38.100 Euro und kostet in der Top-Version 51.800 Euro, hat allerdings als Plug-in-Hybrid nur 225 PS. Weitere Kontrahenten sind eigentlich nur im Premiumsegment auszumachen, wo beim Mercedes GLC Coupé zum Beispiel die Reise aber erst bei 75.684 Euro für den Plug-in-Hybrid beginnt.
Fazit: 8/10
Platz ist in der kleinsten Lücke. Renault schafft diesen Platz in seiner umfangreichen SUV-Palette aber ganz weit oben und stellt mit dem Rafale 300 4x4 ein SUV-Coupé auf die großen Räder, das sich fast schon mit der Premium-Konkurrenz messen kann. Nur der kleine Dreizylinder scheint in diesem Segment ein wenig deplatziert, macht seine Sache aber erstaunlich gut, solange genug Strom-Boost vorhanden ist.
Redakteur Christopher Otto
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