Lamborghini-Chef: E-Auto aufzuschieben war „der richtige Weg“
Stephan Winkelmann bereut es keineswegs, die Markteinführung von Lambos ersten Elektroautos verschoben zu haben
Fast drei Jahre sind vergangen, seit Lamborghini sein erstes Elektroauto präsentiert hat. Anders als der derzeit viel diskutierte, serienreife Ferrari Luce war der Lanzador allerdings ein Konzeptfahrzeug. Eine Serienversion des Elektro-Crossovers war zum damaligen Zeitpunkt definitiv vorgesehen. Inzwischen sieht man die Dinge in Sant’Agata Bolognese allerdings ein wenig anders.
Der Lanzador sollte ursprünglich 2028 erscheinen, wurde dann auf 2029 verschoben – und anschließend auf unbestimmte Zeit vertagt. Ähnlich sieht es beim elektrischen Urus aus: Auch dessen Marktstart war zunächst noch vor Ende des Jahrzehnts vorgesehen. Aktuell spricht niemand mehr davon. Lamborghini arbeitet zwar weiterhin an einem EV, doch ein Starttermin steht nicht fest – und es gilt als sicher, dass er nicht vor 2030 kommt.
Während der Ferrari Luce das Internet in Aufruhr versetzt, fragte CNBC Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann nach seiner Haltung zur Entscheidung, den Lanzador und den elektrischen Urus in den kommenden Jahren nicht zu bringen. Die Marke mit dem wütenden Stier bereue die Verschiebung der Elektroautos auf unbestimmte Zeit nicht – das sei „der richtige Weg“ gewesen.
Lamborghini-Kunden zeigen wenig Interesse an Elektroautos
„Durch die Beobachtung des Marktes haben wir gesehen, dass die Akzeptanzkurve [von EVs] bei unserem Kundentyp nicht steigt – und deshalb haben wir entschieden, uns von einem rein elektrischen Auto wegzubewegen und stattdessen auf Plug-in-Hybride zu setzen.“
Wie zu erwarten, wollte sich der Lambo-Chef nicht zum Luce äußern. Er sagte lediglich, „jede Marke, jedes Unternehmen muss für sich selbst entscheiden“, und ergänzte: „Jeder hat seine eigene Strategie.“
Winkelmanns Haltung zu EVs überrascht kaum. Erst vor wenigen Monaten sagte der Chef der zum Audi-Konzern gehörenden italienischen Sportwagenmarke der Sunday Times, Elektroautos seien angesichts der erwarteten geringen Nachfrage ein „teures Hobby“:
Lamborghini nennt EVs ein „teures Hobby“
„Hohe Investitionen in die Entwicklung reiner EVs, wenn Markt und Kundschaft noch nicht bereit sind, wären ein teures Hobby – und finanziell unverantwortlich gegenüber Aktionären, Kunden [und] unseren Mitarbeitern und ihren Familien.“
Mit Blick nach vorn plant Lamborghini weiterhin ein viertes Modell, das sich zu Temerario, Revuelto und Urus gesellen soll. Der 2+2-sitzige Lanzador wird so entwickelt, dass er einen Verbrennungsmotor in einem Plug-in-Hybrid-Antrieb aufnehmen kann – ähnlich wie die bestehenden Modelle, die allesamt Plug-in-Hybride sind.
Lamborghini Lanzador EV Concept
Motor1 meint: Lamborghini kennt seine Käufer – und die wollen Verbrenner. Gleichzeitig ist Elektrifizierung unvermeidlich, um immer strengere Emissionsvorgaben zu erfüllen. Deshalb lässt sich der Spagat zwischen Kundenwunsch und Regulierung am ehesten über Plug-in-Hybrid-Antriebe mit V8- und V12-Motoren lösen.
Die Zeit für einen elektrischen Lamborghini wird kommen – aber nicht in diesem Jahrzehnt. Ferrari sieht das anders. Ob der Luce tatsächlich der Absatz-Flop wird, als den ihn viele im Netz bereits abstempeln, wird erst die Zeit zeigen.
Quelle: CNBC
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