Nach dem Eingeständnis, dass seine Elektrifizierungsziele zu ehrgeizig waren, steckt Mercedes nun eine obszöne Menge Geld in Verbrennungsmotoren. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche sagte der Vorstandsvorsitzende Ola Källenius, dass es mit der Verbrennungsmotortechnologie "bis weit in die 2030er Jahre gehen wird". Um sicherzustellen, dass die Benziner und Diesel die immer strengeren Vorschriften erfüllen, sind massive Investitionen erforderlich.

Allein in diesem Jahr gibt der Stern 14 Milliarden Euro für seine Pkw-Sparte aus. Die Mittel sind für "Hightech-Verbrenner-Technologie", aber auch für Elektrifizierung und Digitalisierung reserviert. Obwohl der schwedisch-deutsche Unternehmenschef nicht genau sagte, wie viel Mercedes für seine Verbrenner ausgibt, räumte er ein, dass es "mehr Geld ist als bisher geplant."

Källenius erwähnte die S-Klasse und das für 2026 geplante Mid-Cycle-Update des Flaggschiffs: "Wir haben viel mehr in die Modellpflege der neuen Verbrenner-S-Klassen investiert, als wir normalerweise für ein Facelift ausgeben." Das Ziel von Mercedes ist es, die konventionellen Antriebe auf "höchstem technologischem Niveau" zu halten. Ohne viel Geld für Benzin- und Dieselmotoren auszugeben, würde die Luxusmarke "unser Geschäft mit Verbrennungsmotoren im Jahr 2027 oder 2028 plötzlich abwürgen."

Er bezog sich dabei auf die Euro 7- und China 7-Vorschriften und darauf, dass die Motoren aktualisiert werden müssen, um sauberer zu laufen und die strengeren Emissionsvorschriften zu erfüllen. Das Ziel von Mercedes ist es, "alle relevanten Verbrennungsmotoren und Getriebekombinationen" zu optimieren, um massive Geldstrafen zu vermeiden. Källenius erwähnte, dass künftige Motoren bis zu einem gewissen Grad elektrifiziert sein werden, so dass mit noch mehr Hybriden in der Modellpalette zu rechnen ist.

Mercedes weiß, dass man Anpassungen vornehmen muss. Der Übergang zur Elektromobilität verläuft derzeit schließlich alles andere als geplant. Vor drei Jahren sagte das Unternehmen, dass Plug-in-Hybride und die Vollelektrischen bis 2025 etwa 50 Prozent der jährlichen Verkäufe ausmachen würden. Es ist inzwischen jedoch höchst unwahrscheinlich, dass dieser Fall eintritt. Einmal verkündeten die Schwaben sogar, dass man in einigen Ländern, "in denen die Marktbedingungen es zulassen", bis 2030 ein komplett elektrisches Lineup anbieten werde.

Nun wurde der Autobauer von der Realität eingeholt und es bleibt dem Stern nichts anderes übrig, als seine Ziele neu zu justieren. Der neue Plan: bis Ende des Jahrzehnts soll die Hälfte der Auslieferungen auf Hybrid- und Elektroautos entfallen. An dem Ziel, bis 2040 klimaneutral zu werden, hat sich laut Källenius nichts geändert. 

Er wies Gerüchte zurück, wonach das Unternehmen die Entwicklung einer Plattform für die nächste Generation des EQS eingestellt habe: "Das Projekt läuft auf Hochtouren." Außerdem werden die Pläne für die versprochenen acht Gigafactories zum Bau von Batterien nicht aufgegeben. Allerdings werden die Anlagen "etwas später" fertiggestellt als ursprünglich geplant.

Apropos EQS: Anfang des Jahres gab es einen interessanten Bericht darüber, wie Mercedes sein großes Elektroauto mit einem Verbrennungsmotor zur Reichweitenverlängerung getestet hat. So rüstete man die Luxus-Limousine angeblich mit einem winzigen Zweizylinder-Turbomotor mit 1,0 Litern Hubraum aus. Die Versuche wurden jedoch angeblich gestoppt.

Mercedes hat mit Geely eine Vereinbarung getroffen, gemeinsam an Hybridmotoren zu arbeiten, die auch in Volvo-Modellen zum Einsatz kommen sollen. Der chinesische Automobilgigant verfügt über Fachwissen im Bereich der Range-Extender, einschließlich einer separaten Vereinbarung mit Renault. Die neu gegründete Abteilung Horse ist auf Verbrennungsmotoren spezialisiert, auch auf solche, die als Range Extender entwickelt werden.