Ford streicht 3.800 Stellen in Europa
Zudem wird bei Marketing und Vertrieb der Rotstift angesetzt ...
Ohne Frage: Die Marke Ford hat uns echte Glanzlichter der Automobilgeschichte geschenkt. Angefangen beim Model T über Mustang, Capri, Transit, Fiesta oder Sierra, ja selbst ein Scorpio ist heute Kult. Doch der einstige Glanz ist massiv verblasst. Jetzt hat Ford bekanntgegeben, in Europa fast 4.000 Arbeitsplätze zu streichen.
Insider sind darüber nicht überrascht, zu erratisch war die Unternehmens- und Modellpolitik in den letzten Jahren. Erst Ende 2020 kam mit dem Ford Mustang Mach-E das erste reine Elektromodell auf den Markt, abgesehen vom Nutzfahrzeugbereich wurde bislang nicht nachgelegt. Zwar befinden sich neue Elektro-SUVs in der Pipeline, diese kommen aber nicht vor 2024 auf den Markt. Zudem nutzen sie die MEB-Plattform von VW, eigenes Ingenieurs-Know-How verliert so an Bedeutung.
Ein weiterer Punkt betrifft das Modell-Portfolio. Obwohl er seine Fans hat, wurde der Ford Mondeo im Jahr 2022 ohne Nachfolger eingestellt, nicht einmal ein SUV steht als Ersatz bereit. In China hingegen gäbe es mit dem neuen Mondeo und dem Evos interessante Alternativen. Der Fiesta wird zugunsten der Elektro-Transformation im Sommer 2023 ersatzlos eingestellt. Auch für den Focus sind die Tage gezählt, sein Produktionsstandort in Saarlouis wird langfristig abgewickelt.
Das Aus für die Vans Galaxy und S-Max ist dem allgemeinen Niedergang der Van-Nachfrage geschuldet. Trotzdem bleibt die Ford-Modellpalette in Europa seltsam diffus, etwa durch mächtige US-SUVs wie den Explorer, der aber nicht so recht nach Europa passt. Immerhin ist Ford im Nutzfahrzeug-Bereich gut aufgestellt, etwa durch den neuen Transit Custom, den es auch rein elektrisch gibt. Andere Modelle wie der Tourneo Connect oder der Ranger entstammen hingegen einer Kooperation mit VW.
Bildergalerie: Ford Grand Tourneo Connect 2.0 EcoBlue (2022) im Test
Generell scheint das Management in den letzten Jahren zu wenig Gespür für Trends gehabt zu haben, zudem hat man zu lange am Gedanken des "Weltautos" festgehalten. Fast alle großen Autokonzerne sind global aufgestellt doch Ford tut sich schwer, die USA, Südamerika, China und Europa (hier erschwert durch eine verwaltungstechnische Aufteilung UK und Deutschland) unter einen Hut zu bekommen. Im Vergleich dazu der Volkswagen-Konzern: Dort fertigt man Modelle, die besser auf lokale Geschmäcker angepasst sind.
Kommen wir zu dem, was Ford offiziell mitteilt: Europaweit plant der Automobilhersteller rund 3.800 Stellen über die nächsten drei Jahre abzubauen. Davon entfallen auf Deutschland rund 2.300 Stellen, 1.700 Stellen in der Produktentwicklung und 600 Stellen in der allgemeinen Verwaltung. Gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung einigte sich die Geschäftsführung auf einen sozialverträglichen Stellenabbau mit beidseitig freiwilligen Abfindungs- und Frühverrentungsprogrammen.
In der europäischen Produktentwicklung plant Ford einen Stellenabbau von insgesamt 2.800 Positionen. Diese Verschlankung ist durch die Umstellung auf vollelektrische Antriebe und eine geringere Fahrzeugkomplexität getrieben. Ford wird sich in Europa aber mit weiterhin rund 3.400 Stellen auf Fahrzeugdesign und -entwicklung sowie auf die Entwicklung von vernetzten Dienstleistungen konzentrieren.
Im Sommer 2023 wird der Ford Fiesta eingestellt
Analog dazu wird ebenfalls der gesamte europäische Verwaltungsbereich verschlankt. Zusätzlich zu einem Abbau von rund 1.000 Stellen sollen darüber hinaus vor allem Kosten in den Bereichen Marketing und Vertrieb eingespart werden.
"Dies sind schwierige Entscheidungen, die uns nicht leichtgefallen sind, und wir sind uns durchaus der Unsicherheit bewusst, die sie für unsere Belegschaft bedeuten. Dazu haben wir in Deutschland mit unseren Sozialpartnern eine gute und nachhaltige Vereinbarung geschlossen, in der betriebsbedingte Beendigungskündigungen in Köln und Aachen bis Ende 2032 ausgeschlossen sind. Das ist eine gute Basis, gemeinsam eine erfolgreiche Zukunft für unser Geschäft in Europa aufbauen zu können", betonte Rainer Ludwig, Geschäftsführer Personal- und Sozialwesen der Ford-Werke.
Diese Rahmenvereinbarung sei die Grundlage zur Beschleunigung der Transformation des europäischen Automobilgeschäfts des Herstellers und eine Reaktion auf die sich rasch verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Nach außen hin wird Zweckoptimismus verbreitet: "Mit diesen Plänen legt Ford in Europa den Grundstein für eine Zukunft mit einer Palette ikonischer Fahrzeuge, die von Fords amerikanischer Historie inspiriert sind, sowie einem Angebot intelligenter Software und Dienstleistungen." Nun ja, ob amerikanische Inspiration für Europa hilfreich ist?
Weltweit investiert Ford bis 2026 über 50 Milliarden Dollar in Elektrofahrzeuge: Im Dezember 2022 kündigte Ford eine Investition in Höhe von 125 Millionen Pfund in sein Werk Halewood (Großbritannien) an, womit sich die Gesamtinvestition auf fast 380 Millionen Pfund erhöht.
Im Juli 2022 übernahm das türkische Ford Joint Venture Otosan das Ford-Werk in Craiova/Rumänien, und erhöhte damit seine Kapazität für Elektro- und Nutzfahrzeuge. Im Juni 2022 erklärte der Automobilhersteller sein Werk in Valencia/Spanien als am besten positioniert, um Personenkraftwagen zu produzieren, die auf einer elektrischen Fahrzeugarchitektur der nächsten Generation basieren.
Im April 2022 begann Ford Otosan, das Ford Joint Venture in der Türkei, mit der Produktion des neuen E-Transit und wird die Fertigung des neuen Transit und Tourneo Custom inklusive aller elektrischen Derivate noch in diesem Jahr starten. Im März 2022 verkündete der Automobilhersteller eine Investition in Höhe von 2 Milliarden Dollar in den Kölner Standort, wo später in diesem Jahr das erste vollelektrische Volumenmodell vom Band laufen wird. Aus diesem Grund wird dort die Produktion des Fiesta enden.
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